Siemens-Chef kritisiertÖsterreich zu lasch bei Ausbau des schnellen Internets

Siemens-Österreich-Chef Wolfgang Hesoun mahnt die Politik: Beim Ausbau des schnellen Internets sei Österreich zu langsam. Es sei zu überlegen, diese Infrastruktur nicht ähnlich wie Bahn und Straße zu finanzieren. "Für den Standort ist das überlebenswichtig."

Wolfgang Hesoun
Wolfgang Hesoun © Ballguide/Wolf
 

Zügiger in der Umsetzung und größer in der Dimension – wenn es um den Ausbau schneller Internet-Verbindungen (Breitband sowie 5G) in Österreich geht, seien intensivere Anstrengungen nötig, betont Wolfgang Hesoun, Generaldirektor der Siemens AG Österreich.

„Für den Wirtschaftsstandort ist die Verfügbarkeit überlebenswichtig“, so Hesoun, der auch Präsident der Industriellenvereinigung Wien ist. Wenn es um Dateninfrastruktur gehe, sei das politische Verständnis dafür, wie relevant das für Betriebe ist, noch immer zu wenig stark ausgeprägt. „Wir sollten überlegen, ob wir diese Art der Infrastruktur nicht ähnlich wie bei Bahn oder Straße unter eine andere Form der Finanzierung stellen und dann dem Nutzer, beispielsweise über eine Miete, zur Verfügung stellt.“ Ein solches Vehikel sollte nicht die öffentliche Hand betreiben, „ich möchte da keine Re-Verstaatlichung“, aber diese standortspezifischen Investitionen könnten aus seiner Sicht vorerst über Anleihen finanziert werden.

"2025 ist für 5G zu spät"

Gerade jetzt, wo die Regierung über neue Schwerpunkte bei Staatsbeteiligungen nachdenke, sei eine „Infrastrukturbündelung, bei der die öffentliche Hand Interessen des Standorts wahrnimmt, aus meiner Sicht ein wichtiger Punkt, um das auch in einer annehmbaren Zeit umsetzen zu können“, so Hesoun. „Denn wenn wir da jetzt vom Jahr 2025 für flächendeckende 5G-Versorgung reden, ist das viel zu spät.“ Auch die „Breitbandmilliarde“ reiche vom Volumen her nicht aus.

Die Digitalisierung sei derzeit auch das treibende Thema bei Siemens, erklärt Hesoun im Gespräch mit der Kleinen Zeitung. „Das spüren wir auch bei den Bewerbungen: Wir werden wieder als modernes Unternehmen gesehen.“ Nicht nur im eigenen Haus, auch mit seinen Kunden treibt der Konzern das Thema Digitalisierung voran, zum Beispiel in der Industrieproduktion. Das Werk Amberg (Produktion von Leistungselektronik) nimmt eine Pionierrolle ein. Nach vielen Automatisierungs- und Digitalisierungsschritten sei dort die Produktivität um das 13-fache gestiegen. „Wir beschäftigen aber nicht weniger Mitarbeiter“, erklärt Hesoun. „In der Industrieproduktion gefährdet die Digitalisierung keinen einzigen Job.“

Digitale Fabrik Foto © Siemens AG

Im Gegenteil sogar sorgt sich Siemens darum, für das Segment „Digitale Fabrik“ genug qualifiziertes Personal zu bekommen. „Erstmals seit Jahren werben wir wieder aktiv auf dem Arbeitsmarkt. Ich würde mir wünschen, bessere und breitere Qualifikationen im IT-Bereich vorzufinden.“ Im eigenen Haus werde umgeschult, etwa in der vom Mitarbeiterabbau betroffenen Kraftwerkssparte; in Österreich fallen dort 200 Ingenieurs-Jobs weg, die Betroffenen könnten aber weiterbeschäftigt werden. Die Zahl der Studienplätze im Bereich der Mint-Fächer sei zu gering bemessen, kritisiert Hesoun und fordert Budgetsicherheit für die Hochschulen ein. „Es wurde unterschätzt, wie schnell der Bedarf steigt.“

Siemens zählt zu den größten IT-Konzernen weltweit. In der Digitalisierung der Industrieproduktion profitiere man von langen Kundenbeziehungen. „Das ist unser großer Vorteil gegenüber den ,Googles‘ dieser Welt: Wir haben Kenntnis über die Domain – und das ist die Produktion.“ Vereinfacht erklärt, bietet Siemens über eine Cloud Datenanalysen an, die dazu dienen, die Produktion auf digitaler Ebene zu steuern und zu optimieren. Anwendungsmöglichkeiten dafür gibt es viele.

Ein riesiger Transformator aus Weiz Foto © Siemens AG

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