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Hier hinterlässt man prägende Eindrücke

In der Buchbinderei Kaspar werden sowohl das traditionelle Buchbinderhandwerk ausgeführt, als auch kreative neue Wege beschritten. Ein Unternehmen, Generationen an Buchbindern vereint.

Die Buchbinderei Kaspar in Tobelbad beschreitet als Familienbetrieb in dritter Generation neue Wege © Hütter
 

Ein Spaziergang durch die Buchbinderei Kaspar in Tobelbad ist auf gewisse Art vergleichbar mit einer Zeitreise durch verschiedene Jahrzehnte. Betritt man die Werkstatt, wird man im ersten Raum schnell auf die verschiedenen Bleisätze aufmerksam. Die einzelnen Buchstaben werden hier noch von Hand zusammengesetzt, die Bücher Stück für Stück von Hand geprägt.

„Bei der Prägung ist es unter anderem besonders wichtig, dass man das Material des Prägestreifens auf das des Einbands abstimmt. Bei einem Ledereinband zum Beispiel wird mit echtem Gold gearbeitet", erklärt Daniel Kaspar. Die ältesten Bleisätze stammen noch von seinem Großvater, Josef Kaspar, der den Betrieb 1928 in Marburg gegründet hat und ihn 1947 nach Tobelbad übersiedelte. 29 Jahre später übergab Josef Kaspar die Werkstatt an seinen Sohn Wolfgang.

„Bei der Prägung ist es unter anderem wichtig, dass man das Material des Prägestreifens auf das des Einbands abstimmt“, erklärt Daniel Kaspar Foto © Hütter
Heute wird das Unternehmen bereits in dritter Generation von dessen beiden Söhnen Andreas und Daniel geleitet. Auch ihr Bruder Wolfgang Junior, Daniels Lebensgefährtin Manuela Flucher und drei weitere Mitarbeiter sind in der Buchbinderei tätig. „Mit meinem Sohn Tobias ist auch schon der Nachwuchs da", schmunzelt Daniel.

Gleich neben dem Raum für die Prägearbeiten geht es kreativ zu. Andreas Kaspar stellt in diesem mit geübter Hand ein Gutscheinheft in Ledereinband fertig. Das Besondere daran: Die „Gutscheine" sind echtes Geld und können problemlos aus dem Heft gelöst werden. Dem Buchbindemeister wurde sein Beruf praktisch in die Wiege gelegt: „Ich habe schon im Betrieb gelernt und arbeite seit 27 Jahren im Unternehmen." Für Daniel hingegen stand sein Eintritt in den Familienbetrieb nicht von vornherein fest. „Da ich von Kindheit an schon die Arbeit des Buchbinders kannte, wollte ich etwas anderes probieren. Ich habe meinen Lebensgefährtin Manuela in der ersten Berufsschulklasse für Koch/Kellner kennengelernt. Als wir keine Möglichkeit fanden, gemeinsam in der Gastronomie zu arbeiten, schlug uns mein Vater vor, zusammen eine Lehre in der Buchbinderei anzufangen. 2016 habe ich dann meine Meisterprüfung abgelegt."

Foto © Hütter
Das Team von Kaspar fertigt neben Aufträgen für Private, wie Alben und Diplomarbeiten, hauptsächlich Aufträge für Druckereien, Verlage, Gemeinden, Universitäten und ähnliche Großauftraggeber. Dazu zählt auch die fachgerechte Restaurierung von alten Büchern, etwa für Bibliotheken – eine Tätigkeit, zu der großes Fachwissen nötig ist. „Bei einer Restaurierung wird mit den alten Materialien gearbeitet, die auch bei der Herstellung des Buches verwendet wurden. Die beschädigten Teile werden nicht durch moderne Werkstoffe ersetzt", erklärt Andreas Kaspar und hat dafür eigens eine Weiterbildung absolviert.

Ob die beiden Geschäftsführer beim Übergang ins digitale Zeitalter Angst vor der Zukunft haben? Von den Brüdern gibt es ein klares Nein als Antwort. „Die Bücher, die wir herstellen, kann man nicht maschinell erzeugen. Wir wollen in Zukunft auch vermehrt mit Werbeagenturen und Druckereien zusammenarbeiten", so Daniel. „Auch die Reparaturarbeiten von alten Büchern wird es immer geben – dazu gehört einfach echtes handwerkliches Können", schließt Andreas. SB

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