Bitte warten - Ihr Zugang wird eingerichtet.

OMBUDSMANN

Zwei Katzen auf dem heißen Blechdach

Wenn Katzen Autos zerkratzen, haften die Besitzer im Normalfall nicht. Die Stubentiger darf man laut jüngster Entscheidungen der Höchstgerichte frei laufen lassen. Von Peter Filzwieser

Normalerweise fahren Katzen ihre Krallen nicht aus
Normalerweise fahren Katzen ihre Krallen nicht aus © Illustration: Sinisa Pismestrovic
 

Neben der Siedlung unserer Leser befindet sich ein Parkplatz. „Wir haben zwei Katzen, die es lieben, auf Autos zu liegen. Jetzt hat sich eine Nachbarin beschwert und behauptet, die Katzen hätten mit ihren Krallen ihr Auto zerkratzt!“, berichtet die Frau, die anfügt: „Das stimmt sicher nicht!

Expertenfrage

Können Katzen, wenn sie auf Autodächer springen, diese tatsächlich zerkratzen und einen Schaden verursachen?

Barbara Fiala-Köck, Tierschutzombudsfrau: Katzen springen in der Regel mithilfe der weich gepolsterten Zehen auf die Kühlerhauben von Autos, da sie die Wärme lieben. Dieses normale „Hinaufhüpfen“ ohne Ausfahren der Krallen stellt kein Problem dar, nur die Spuren der Pfoten sind sichtbar. Wenn Katzen gejagt werden oder sich festkrallen müssen, um nicht abzurutschen, können Kratzer passieren, wobei tiefe Kratzer eher unwahrscheinlich sind. Kratzer können unter Umständen bei sehr steil abfallender Karosserie entstehen, wenn die Katze zu rutschen beginnt und die Krallen ausfahren muss. Größe und Gewicht von Katzen spielen auch eine Rolle. Die Kratzer lassen sich meist mit einer Polierpaste entfernen. Zumindest einmal im Jahr sollte jeder Autobesitzer eine Lackkonservierung durchführen lassen, wodurch der Lack weniger empfindlich für solche Beschädigungen wird. Auch eine Differenzierung zwischen Katze und Marder ist notwendig: Das Trittsiegel der Katze hat eine fast runde Form mit vier gut sichtbaren Zehenballen. Marder haben fünf Zehenballen, die nicht immer gut sichtbar sind.

Ich habe mich bei ihr entschuldigt, mehr kann ich nicht tun, denn Katzen haben ja ihren eigenen Kopf. Ich kann ja nicht ständig die Autos bewachen!“ „Kann uns die Nachbarin haftbar machen? Sind Katzen mit in der Hausratversicherung versichert?“, fragte uns die Frau. „Bei Tieren, die vom Halter auch bei artgerechter Haltung beherrschbar im Sinne von einsperrbar sind, hätte der Nachbar einen Unterlassungsanspruch. Auf Katzen mit freiem Auslauf trifft das nicht zu, da diese aufgrund ihrer Wesensart mit zumutbaren und gesetzeskonformen Maßnahmen nicht an Grenzüberschreitungen gehindert werden können“, so Wolfgang Reinisch.

Den Schaden beweisen

Laut dem Rechtsanwalt müsse die Nachbarin nachweisen, dass der Schaden von der Katze unserer Leserin verursacht wurde. Würde das gelingen, sei der Tierhalter dann verantwortlich, wenn er nicht beweist, dass er für die erforderliche Verwahrung oder Beaufsichtigung gesorgt habe. Nach Interpretation der zuletzt ergangenen OGH-Entscheidungen folgert Reinisch: „Der Halter einer Katze wird ohne zusätzliche außergewöhnliche Risikofaktoren im Normalfall für Schäden, die eine freilaufende Katze verursacht, nicht haften, da man Katzen frei laufen lassen darf.“

Wenn Katzen kratzen

Katzen gehören zu den Zehen- sowie Kreuzgängern, haben an den Vorderpfoten fünf und an den Hinterpfoten vier Zehen.
Mit Ausnahme von Gepard, Flachkopfkatze und Fischkatze, besitzen alle Katzen „ausfahrbare“ sichelförmige Krallen aus Horn.
Diese Krallen fahren die Katzen aber nur bei Gebrauch aus. Das könnte zum Beispiel bei einem Kampf, bei Beutefang oder beim Klettern sein, indem bestimmte Muskeln angespannt werden.

Durch Katzen „rechtswidrig und schuldhaft verursachte Schäden“ wären aber durch die Haushaltsversicherung gedeckt.

Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung!
Kommentieren