Windparks auf See, wie es sie unter anderem in der Nordsee vor der deutschen Küste und im Norwegischen Meer gibt, gelten als große Hoffnungsträger für die Energiewende. Was viele nicht wissen: Etliche dieser Windrad-Giganten sind mit Windkraftkupplungen des österreichischen Familienunternehmens Geislinger mit Stammsitz in Salzburg ausgestattet. Gefertigt werden sie im Geislinger Werk in Lavanttaler Bad St. Leonhard, das vor Kurzem sein 50-jähriges Bestehen mit einer großen Gala und einem Tag der offenen Tür gefeiert hat.

Die Geislinger GmbH, Weltmarktführer für Kupplungen, Dämpfer- und Antriebslösungen, beschäftigt in Bad St. Leonhard rund 530 Mitarbeiter. Der Arbeitskräftebedarf wäre aber deutlich höher. Gesucht wird Personal für CNC Maschinen, Betriebselektriker für die  Instandhaltungsabteilung, MitarbeiterInnen für die Qualitätskontrolle und Softwareentwicklerfür die IT- und Digital Manufacturing Abteilungen. Geislinger bildet auch selbst Mitarbeiter aus. Aktuell gibt es 35 Lehrlinge. Die Lehre bei Geislinger gilt wegen ihrer Qualität, aber auch einem lukrativen Prämienprogramm als attraktiv. Geislinger-Lehrlinge können in österreichweiten Wettbewerben auch immer wieder punkten.

Werksleiterin Sandra Gressl und CEO Cornelius Geislinger
© Geislinger

Dass der Kärntner Standort einmal solche Dimensionen einnehmen wird, hätte man sich bei der Gründung 1972 mit 20 Mitarbeitern und 630 Quadratmetern wohl nicht gedacht. Heute beläuft sich die Produktionsfläche auf 36.300 Quadratmeter. Dazu kommen noch 3500 Quadratmeter Büros und 19.500 Quadratmeter Freiflächen.

Vollautomatisiert

Im Laufe der fünf Jahrzehnte gab es etliche Erweiterungen und Investitionen. Der größte Hallenzubau wurde 2008 fertiggestellt. 2015 wurde die Produktionsfläche um 4000 Quadratmeter erweitert und 2020 wurde ein eigenes Logistikzentrum errichtet. "Für die Jahre 22/23 sind noch weitere Investitionen am Standort in Bad St. Leonhard geplant. Es werden noch zehn weitere Bearbeitungszentren geliefert. Einige davon sind vollautomatisiert, wobei die Be- und Entladung der Anlagen mittels Roboter oder Linearportalen umgesetzt wird", kündigt Werksleiterin Sandra Gressl an. Darüber hinaus werde der Fuhrpark der fahrerlosen Transportsysteme erweitert. Neben dem bereits voll autonomen Werkzeugtransport soll auch der Bauteiltransport automatisiert werden.  

Wie alle Industrieunternehmen muss sich auch Geislinger den aktuellen Herausforderungen wie Energiekrise und Lieferkettenprobleme durch den Ukrainekrieg stellen. Im Werk Bad St. Leonhard kommt kein Gas in der Fertigung zum Einsatz, da alle Erwärmungsprozesse mit Strom abgewickelt werden. "Um den Strombedarf zu verringern, hat Geislinger in den letzten Jahren eine 1,6 Gigawatt große Fotovoltaikanlage auf nahezu allen Dächern der Betriebsgebäude errichtet, die etwa 20 Prozent des eigenen Strombedarfs deckt", sagt CEO Cornelius Geislinger. Diese Anlage wird vergrößert und es gibt etliche Detailprojekte, um den Strombedarf zu reduzieren. Unter anderem spart eine Laserhärtung gegenüber einer Induktionshärtung rund 75 Prozent des Strombedarfs ein.

Kleine Anfänge
© Geislinger

Bei den Windkraftkupplungen sieht Geislinger sein Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft. Gressl sagt dazu: "Laut Aussagen der Politik soll der Ausbau der Windkraft mit Nachdruck vorangetrieben werden. Widersprüchlich dazu sind aber die langen Genehmigungsverfahren, die  bis zu drei Jahre dauern". Ziel müsse sein, diese Abläufe zu beschleunigen.