In dem seit einer Woche anhaltenden Streik von Lkw-Fahrern in Südkorea setzt die Regierung erstmals Militär zur Entlastung der Lieferketten ein. Im Auftrag des Verkehrsministeriums springt es mit etwa 100 Lastkraftwagen auf Strecken von und zu wichtigen Häfen wie dem von Busan ein, wie die Regierung am Montag mitteilte. Demnach werden vor allem Container transportiert.

Die 22.000 Mitglieder zählende Fahrergewerkschaft hat am 7. Juni mit ihrem Ausstand begonnen, um höhere Löhne und eine Mindestlohngarantie durchzusetzen. Das bringt die weltweit ohnehin belasteten Lieferketten noch mehr unter Druck. Südkorea ist international stark vernetzt dank weltweit agierender Konzerne wie Samsung und ein wichtiger Lieferant von Halbleitern, Smartphones, Autos, Batterien und Elektronikartikeln.

Schaden in Milliardenhöhe

Der Schaden für die heimische Wirtschaft hat nach Angaben des Industrieministeriums bereits Milliardenhöhe erreicht. Die Produktions-, Vertriebs- und Exportverluste werden mit 1,6 Billionen Won (1,2 Milliarden Euro) angegeben. Besonders die Auto-, Stahl-, Petrochemie- und Zementindustrie leiden demnach unter dem Streik.

Der Verband der petrochemischen Industrie beklagte, dass die durchschnittlichen täglichen Lieferungen der 32 Mitgliedsunternehmen ab Werk aufgrund des Streiks um 90 Prozent eingebrochen seien. Der Stahlhersteller Posco kündigte an, einige Werke wegen Platzmangels aufgrund der Lagerung nicht ausgelieferter Produkte stillzulegen. Der Autobauer Hyundai hat die Produktion in einigen Fabriken gedrosselt. Auch Zementhersteller haben ihren Betrieb eingestellt.

Längeres Logistikproblem befürchtet

Berichte über größere Produktionsunterbrechungen bei Halbleiterherstellern wie Samsung Electronics und SK Hynix gibt es bis jetzt nicht. Allerdings könnte ein längeres Logistikproblem bei einigen Chemikalien noch zu Problemen führen. "Die Chiphersteller verfügen in der Regel über ausreichende Mengen dieser Materialien, sodass sie keine unmittelbare Auswirkung auf ihre Chipproduktion sehen", sagte ein Branchenkenner der Nachrichtenagentur Reuters. "Aber es ist besorgniserregend, dass sich die Auswirkungen dieses Streiks in fast allen Branchen ausweiten."