Die Zeit ohne offiziellen Chef am Institut für Höhere Studien (IHS) ist vorbei. Das zweitgrößte heimische Wirtschaftsforschungsinstitut hat einen interimistischen wissenschaftlichen Leiter gefunden: Der emeritierte Wirtschaftsprofessor Klaus Neusser (68) übernimmt die Funktion ab 2. Mai bis zur dauerhaften Neubesetzung, wie das IHS am Mittwoch bekanntgab. Unterdessen soll die Position des Direktors bzw. der Direktorin neu ausgeschrieben werden.

Der IHS-Präsident Franz Fischler zeigte sich am Mittwoch davon überzeugt, eine gute Lösung gefunden zu haben. "Klaus Neusser bringt hervorragende Qualifikationen und Qualitäten mit, um dem IHS wieder ein 'Gesicht nach außen' zu verleihen, das Institut mit sicherer Hand in ruhige Bahnen zu lenken und ihm wieder jene Stabilität zu geben, die ihm gebührt", so Fischler. Neusser werde die erfolgreiche Arbeit der Forschungsgruppen und des Instituts insgesamt während der weiter andauernden Übergangsphase optimal unterstützen.

Progonose-Experte

Der an der TU Wien promovierte und an der Universität Wien habilitierte Ökonom Neusser lehrte und forschte an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder. Von 1994 bis zu seiner Emeritierung 2019 war Neusser an der Universität Bern (Schweiz) tätig. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Makroökonomie und Ökonometrie, insbesondere ist er Experte für moderne Prognosemethoden.

Das IHS suchte seit dem Rücktritt des nunmehrigen Arbeitsministers Martin Kocher im Jänner 2021 nach einem Nachfolger. Seither kamen mehrere Kandidaten als Nachfolger infrage, allen voran der deutsche Ökonom Lars Feld, der jedoch kurz vor seinem Antritt absagte, weil es Unklarheiten bei der Finanzierung des Institutes gab. Ebenfalls im Gespräch war der Chef des Brüsseler Thinktanks Bruegel, Guntram Wolff, der das Angebot allerdings ebenfalls ausschlug.