ÖBAG neuNeue Staatsholding-Chefin Hlawati setzt ab Februar auf Sechs-Augen-Prinzip

Neue Alleinvorständin schafft mit zwei Experten "erweiterten Vorstand". Bleibt aktienrechtlich aber alleine verantwortlich.

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Edith Hlawati baut die ÖBAG um
Edith Hlawati baut die ÖBAG um © APA/ÖBAG/GEORG WILKE
 

Im Februar bekommt die Staatsholding ÖBAG nach der Aufregung um Ex-Chef Thomas Schmid mit Edith Hlawati eine neue Vorständin. Und wenn die Wirtschaftsanwältin ihr Amt antritt, bekommt die ÖBAG eine neue Führungsstruktur mit einem "erweiterten Vorstand". Hlawati bleibt aktienrechtlich Alleinvorstand, de facto entsteht mit zwei Executive Directors - Carola Wahl und Robert Stajic - aber ein Dreiervorstand.

Hlawati stärke mit dem "erweiterten Vorstand" die ÖBAG und intensiviere die Kontrollfunktion über die jeweiligen Aufsichtsräte der Beteiligungsunternehmen, teilte die ÖBAG am Montag mit. Rechtlich gesehen werden Wahl und Stajic bei der ÖBAG Prokuristen. Die gesetzlich und rechtlich vorgesehene Letztverantwortung verbleibt bei Edith Hlawati.

Es ist geplant, dass die beiden neuen Executive Directors die ÖBAG in den Aufsichtsräten der börsenotierten Beteiligungsgesellschaften vertreten und dort die Eigentümerinteressen wahren. Zeitgleich sollen sie mit ihrer Branchenexpertise die Unternehmen durch laufende Transformationsprozesse begleiten. Innerhalb der ÖBAG sollen alle wichtigen, portfolioübergreifenden Entscheidungen nach Vorlage im neuen Gremium getroffen werden.

Sechs-Augen-Prinzip

"Mit diesem Schritt kommen wir bei wichtigen Entscheidungen vom bisherigen Vier-Augen Prinzip zu einem Sechs-Augen-Prinzip," so Edith Hlawati laut Aussendung. "Gleichzeitig werden wir auch unsere Fachexpertise im Führungsteam signifikant stärken und bei den Beteiligungen entsprechend einbringen. Ich freue mich, mit Carola Wahl und Robert Stajic zwei ausgewiesene Experten für den ÖBAG-Neustart gewonnen zu haben."

Wert ist Carola Wahl?

Wahl hat laut ÖBAG-Angaben langjährige Managementerfahrung in der Telekommunikationsindustrie (Deutsche Telekom) und in der Versicherungswirtschaft (AXA Schweiz) gesammelt. Zuvor, als Beraterin bei Booz Allen Hamilton, lag ihr Schwerpunkt auf der Digitalen-, der Medien- und der Telekommunikationsindustrie. Sie ist derzeit als Beraterin tätig und in verschiedenen Aufsichtsratsfunktionen aktiv. Carola Wahl hat eine MBA-Ausbildung an der University of Texas, Austin, absolviert, sowie Executive-Managementprogramme an der London Business School sowie der MIT Sloan School of Management abgeschlossen.

Wer ist Robert Stajic?

Robert Stajic hat seine Berufslaufbahn bei der Unternehmensberatung McKinsey begonnen, bevor er bei der OMV für die Strategieentwicklung der Upstream-Sparte verantwortlich war und dann wesentlich im Transformations-Office mitgewirkt hat. Seit 2018 ist Stajic bei der Semperit AG als Mitglied des Top-Managements für die Strategieentwicklung und die Transformation verantwortlich. Robert Stajic hat die TU Wien absolviert sowie eine MBA-Ausbildung an der IESE Business School abgeschlossen.

Die derzeit interimistische Vorständin Christine Catasta scheidet aus. Sie bleibt für die ÖBAG in Aufsichtsratspositionen beim Verbund und den Austrian Airlines (AUA). Ebenso werde Catasta ihre Aufsichtsratsmandate bei Telekom Austria, OMV, Casinos Austria und BIG bis zu den jeweiligen nächsten ordentlichen Hauptversammlungen wahrnehmen.

Noch-ÖBAG-Direktor Maximilian Schnödl verlässt die Staatsholding mit Ende Jänner und kehrt aus persönlichen Gründen in die USA zurück. Er werde sein Aufsichtsratsmandat bei der Österreichischen Post bis zur ordentlichen Hauptversammlung ausüben.

Es ist geplant, vorbehaltlich der Zustimmung der zuständigen Gremien, die neuen Executive Directors als Kandidaten für den Aufsichtsrat der jeweiligen Beteiligungen bei den ordentlichen Hauptversammlungen 2022 zur Wahl vorzuschlagen. ÖBAG-Aufsichtsratschef Helmut Kern dankte Catasta und Schnödl für ihre professionelle Arbeit.

Schmid-Vertraute verlässt Staatsholding

Auch die bisherige Sprecherin der ÖBAG, die als Vertraute von Schmid galt und schon im Finanzministerium für diesen gearbeitet hatte, als er dort Generalsekrtär war, verlässt die Staatsholding. Per Februar übernimmt Michael Mauritz als "Head of Corporate and Capital Markets Communications". Der 54-Jährige Betriebswirt war früher Journalist und danach 25 Jahre in der Erste Group in Managementpositionen im Bereich Kommunikation und Public Affairs tätig. Zuletzt war Mauritz selbstständiger Kommunikationsberater.

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