Die Pferde der "Coachingfarm" sollen dabei helfen, sich persönlich und beruflich weiterentwickeln zu können. Mit Bodenübungen, die ausgeführt werden, sollen sie die eigenen Stärken und Schwächen unmittelbar aufzeigen und zur Selbstreflexion anregen. Bei der "Coachingfarm" handelt es sich um ein Start-up der Geschäftspartnerinnen Daniela Planinschetz-Riepl und Philippa Hell-Höflinger. Die Idee wurde im Sommer 2021 mit den ersten Coachings ins Leben gerufen und soll mit Ganzjahresbetrieb weitergeführt werden. Am Standort in Glanegg (Bezirk Feldkirchen) unterstützen fünf Pferde das Coaching der Geschäftspartnerinnen.

"Übersetzen, was uns Pferde sagen"

"Wir übersetzen eigentlich nur das, was die Pferde uns sagen", erklärt Planinschetz-Riepl. Die Tiere würden sowohl auf die Körpersprache reagieren, als auch innere Unruhe und Druck wahrnehmen können. Mit Erkenntnissen während des Coachings soll durch gezielte Fragestellungen gemeinsam reflektiert und an Lösungsvorschlägen gearbeitet werden. "Den Pferden kann man nichts vormachen. Wenn es nicht aus dem Inneren kommt, dann glauben sie es einem auch nicht", ergänzt die Klagenfurterin.

Philippa Hell-Höflinger mit einem Brahma-Huhn, das beruhigend auf Teilnehmer wirkt und das Coaching auflockern kann.
Philippa Hell-Höflinger mit einem Brahma-Huhn, das beruhigend auf Teilnehmer wirkt und das Coaching auflockern kann.
© Markus Traussnig

Von Reitpädagogik zum tiergestützten Coaching

Schon seit 2017 führt die in Glanegg niedergelassene Philippa Hell-Höflinger Reitpädagogik für Kinder. Hier ist sie auch auf die Auswirkung der Pferde auf Menschen aufmerksam geworden. 2019 hat sich auch ihre jetzige Geschäftspartnerin der Reitpädagogik angeschlossen. Bevor sich jedoch beide auf ein gemeinsames Unternehmen eingelassen haben, wollten sie selbst an einem pferdegestützten Coaching teilnehmen. Dieses soll sie inspiriert haben, auch ein solches Angebot zu bereitzustellen. Pferde, die bereits für die Reitpädagogik ausgebildet sind und auf verwendete Materialien und mögliche Situationen trainiert sind, sollen sich auch gut für das tiergestützte Coaching eignen.

Daniela Planinschetz-Riepl erklärt, wie Timmy, ihr treuer Begleiter beim Coaching, auf die Körpersprache der Teilnehmer reagiert.
Daniela Planinschetz-Riepl erklärt, wie Timmy, ihr treuer Begleiter beim Coaching, auf die Körpersprache der Teilnehmer reagiert.
© Markus Traussnig

So läuft hier das Coaching

Eine Einheit bei der "Coachingfarm" kann bis zu zwei Stunden dauern. Das Coaching ist mit einem Vorgespräch, den Übungen auf dem Reitplatz und einer folgenden Nachbesprechung aufgebaut. Durch das Vorgespräch sollen Themenschwerpunkte herauskristallisiert werden, auf die das darauffolgende Coaching aufgebaut werden kann. "Daraufhin suchen wir auch das Pferd aus und auch die passende Übung", so Planinschetz-Riepl. Die Pferde an sich sollen eine klare Rollenaufteilung und darauf basierend auch eigene Charakterzüge haben. Dementsprechend wird die Auswahl für Pferd und Übung angepasst. Beim Coaching handelt es sich hauptsächlich um Bodenübungen, die Kunden müssen keine Reiterfahrung mitbringen.

Drei der fünf Pferde, die das Coaching begleiten: Timmy, Yoda und Luke (von links)
Drei der fünf Pferde, die das Coaching begleiten: Timmy, Yoda und Luke (von links)
© Markus Traussnig

Die Geschäftspartnerinnen leiten das Coaching gemeinsam. Während Planinschetz-Riepl die Reaktionen und Verhaltensmuster der Kunden beobachtet, behält Hell-Höflinger das Verhalten der Pferde im Auge. "So erhalten unsere Kunden beim Coaching ein 360-Grad-Feedback, weil sie es von uns bekommen, durch ihre eigenen Erfahrungen und durch die Verhaltensweise unserer Pferde", erklärt Planinschetz-Riepl. Das Coaching im Freien soll die Kunden aus ihrer Komfortzone heraustreten lassen und zu einer lockeren und entspannten Atmosphäre beitragen.

Lösungsvorschläge erarbeiten und umsetzen

"Wir arbeiten nach dem lösungsorientierten Kurzcoaching", erklärt Hell-Höflinger die Arbeitsweise. Durch Mustererkennung soll gezielt ein Lösungsvorschlag erarbeitet werden. Aufgabe der Kunden ist es, diesen im weiteren Verlauf umzusetzen. Es werden sowohl Einzelcoachings, als auch Einheiten für das Teambuilding bis maximal sechs Personen angeboten. Die Schwerpunkte hängen vom Bedarf der Kunden ab, das Coaching eignet sich aber auch für Stärken-Portfolios, Berufsorientierung und Achtsamkeitstraining. Besonders beliebt sind Führungskräftetrainings, Startup-Beratungen und Persönlichkeitsentwicklung. Durch die Nachbesprechung wird auf die Verhaltensmuster eingegangen, es besteht aber auch die Möglichkeit einer Videoanalyse.

Obwohl das Coaching hauptsächlich von Pferden unterstützt wird, bieten auch andere Tiere der "Coachingfarm" Unterstützung. Hunde, Katzen und Brahma-Hühner können beim Coaching behilflich sein und weisen eine beruhigende und auflockernde Wirkung auf die Teilnehmer nach.

"Man muss natürlich auch sehr viel Pferdeerfahrung mitbringen, weil man die Pferde ganz genau lesen können muss", so Planinschetz-Riepl. Sie weist darauf hin, dass gefährliche Situationen entstehen können, ihre Aufgabe aber darin besteht, Aufregung der Tiere frühzeitig zu erkennen und Betroffene aus der Übung zu nehmen, um die Situation unter Kontrolle zu behalten.