Offene Stellen112.000 oder 248.000 vakante Jobs? Zwei Dimensionen des Bedarfs

Arbeitskräfte als rares Gut: Während die AMS-Zahl der „offenen Stellen“ Monat für Monat Rekordwerte erreicht, zählt ein neuer Monitor gar doppelt so viele vakante Jobs.

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Viele Betriebe suchen intensiv nach potenziellen Bewerbern
Viele Betriebe suchen intensiv nach potenziellen Bewerbern © missizio01 - stock.adobe.com
 

Es ist eine der zurzeit größten Herausforderungen heimischer Betriebe: die Suche nach Arbeitskräften. Egal ob es um fehlende Pflegekräfte, Handwerkerinnen und Handwerker oder Arbeitskräfte in der Gastronomie geht – vielerorts werden die Hilferufe lauter.

Statistisch abgebildet wird der Mangel in monatlich bekannt gemachten Zahlen des Arbeitsmarktservice (AMS). Arbeitslos Vorgemerkte und Schulungsteilnehmer stehen dann sogenannten offenen Stellen gegenüber. Aktueller Trend: Während die Arbeitslosenrate stark sinkt – Ende Oktober waren 341.142 Menschen österreichweit ohne Job –, eilt die Anzahl der von Betrieben als vakant gemeldeten Jobs von Rekord zu Rekord. Zurzeit etwa listet das AMS 112.155 offene Stellen.

Wirtschaftsbund will gestaffeltes Arbeitslosengeld

Nun, die Statistik sei nur eine Seite der Medaille, heißt es jetzt vom Wirtschaftsbund (WB). In Wahrheit nämlich sei der Mangel viel stärker ausgeprägt und noch viel mehr Jobs unbesetzt. Um das zu illustrieren, wurden per Software „alle Online-Stellenausschreibungen in Österreich gezählt“, wie es vom WB heißt. Das Ergebnis: In Summe seien österreichweit aktuell gar 248.000 Stellen verfügbar, alleine in der Steiermark suchen Betriebe 31.636 Mitarbeiter.

Man wolle damit ein „realistisches Bild der Arbeitsmarktsituation aufzeigen“, heißt es von Wirtschaftsbund-Generalsekretär Kurt Egger. Erstmals etwa habe man „harte Zahlen nach Branchen und Bundesländern“. Politische Forderungen, die Egger & Co. aus den Zahlen ableiten: Es brauche Maßnahmen gegen den Arbeitskräftemangel sowie grundsätzliche Arbeitsmarktreformen. Darunter etwa ein gestaffeltes Arbeitslosengeld.

Noch immer sind viele Stellen nicht erfasst

„Die Zahl der offenen Stellen könnte noch größer sein“, erklärt indes Werner Aschenbrenner von Lorem Ipsum, jenem Grazer IT-Spezialisten, der für die technische Umsetzung des Stellenmonitors sorgte. Manch Spezial-Stellen-Portal sei nicht erfasst, zudem sei der große Bereich der „Headhunter“ – jene Dienstleister, die von Unternehmen für eine außergewöhnlich gezielte Personalsuche eingesetzt werden – nicht abgebildet. „Ist das Ergebnis also optimal? Nein“, sagt der Unternehmer. Aber die Zahl sei „besser als alles, was da ist. Auch, weil sie im Gegensatz zu anderen Angeboten um Duplikate von Stellen bereinigt ist“.

„Die Zahlen des Wirtschaftsbundes haben für uns keinen Neuigkeitswert“, heißt es indes von Karl-Heinz Snobe, Chef des Arbeitsmarktservice (AMS) Steiermark. Das Ergebnis würde annähernd jenem entsprechen, das die im April vorgestellte AMS-Suchmaschine „Alle Jobs“ (jobs.ams.at) zurzeit österreichweit ausspucke. Für gewöhnlich liege diese circa doppelt so hoch wie die von Unternehmen beim AMS offiziell eingemeldeten offenen Stellen. Dass der bundesweite „Einschaltgrad“ des AMS bei offenen Stellen in Österreich in etwa 50 Prozent ausmache, sei kein Geheimnis. Im Gegenteil, sagt Snobe, man würde das immer wieder „klarmachen“.

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