Sonible Audio-Nachbearbeitung: Netflix setzt auf steirische Soundtüftler

Sonible macht per künstlicher Intelligenz die Nachbearbeitung von Audio „smart“. Das bringt Tontechnik-Neulinge ebenso als Kunden wie Produzenten von Coldplay oder Streaming-Krösus Netflix.

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© Sonible
 

„Wir sind auf vielen Ebenen reifer geworden“, erzählt Alexander Wankhammer. „Anfangs waren wir ein kleines Team, in dem jeder das gemacht hat, was da war. Heute sind wir ein Unternehmen mit klaren Strukturen und Verantwortungen.“

2012 von Peter Sciri, Ralf Baumgartner und ebenjenem Alexander Wankhammer im Science Park Graz gegründet, spielt das Unternehmen Sonible heute beständig im Konzert der Großen mit. Wobei die viel verwendete Metapher bei Sonible besonders treffsicher ist. Denn auf die Technologie der Steirer – mittlerweile wuchs das Team auf knapp 20 Mitarbeiter an – setzen tatsächlich zahlreiche Musikschaffende.

Software verkauft sich dieser Tage besonders gut

Konzentrierten sich die Gründer mit Studium „Elektrotechnik-Toningenieur“ im Gepäck zunächst auf Hard- und Software, fokussierte man sich speziell in den letzten Jahren „deutlich auf Software“, wie Alexander Wankhammer erzählt. Der Grund? „Wir können das Angebot so international gut skalieren.“ Speziell in Zeiten der Coronakrise machte sich das bezahlt.

Während Hardware wegen fehlender Livekonzerte schwächelt, verkauft sich die Software überdurchschnittlich gut. Bestimmt ist das Sonible-Portfolio dabei für Audio-Nachbearbeitung, die Stärke der Steirer liegt im Detail. Konkret entwickelt Sonible Technologie, die Audiospuren automatisiert optimieren kann. Im Hintergrund der Programme arbeiten von künstlicher Intelligenz gestützte Algorithmen.

Mittlerweile knapp 20 Kopf stark: Das Team von Sonible
Mittlerweile knapp 20 Kopf stark: Das Team von Sonible Foto © Sonible

Was das in der Praxis bedeutet? „Der Algorithmus hört dem Audiosignal ein paar Sekunden zu, erkennt es und korrigiert gewisse Bereiche“, sagt Wankhammer. Schlussendlich bleibt es den Nutzern überlassen, ob sie sich für die adaptierte Variante entscheiden. Wankhammer: „Es ist, als hätte man einen zweiten Tontechniker neben sich sitzen.“ Je nach Bedarf bietet Sonible die „smarte“ Technologie in Form eines „Equalizers“, eines „Kompressors“ oder eines „Reverbs“ an. Mit dem diversifizierten Zugang will Sonible Anfänger wie Profis zugleich erreichen. Während sich erstere per digitale Assistenz auf dem komplexen Gebiet der Tontechnik besser zurechtfinden sollen, verspricht Sonible den Profis in erster Linie Zeitersparnis.

Bisherige Zahlen geben dem Ansatz recht. Knapp 40.000 Kunden vertrauen heute auf die Tools der Grazer, darunter zahllose Einstiger, aber auch renommierte Namen. Produzenten von Coldplay oder Alicia Keys greifen auf die steirischen Soundtüftler ebenso zurück wie Streamingprimus Netflix. Dort wird die zeitsparende Technologie in der Nachproduktion ("post production") von Filmen und der Trailer-Erstellung eingesetzt.

Neben den Softwarelösungen sind übrigens „3D-Audio-Installationen“ zweites Steckenpferd von Sonible. Dabei werden für den richtigen Ton – geschehen in Ontario – schon einmal mehr als 90 an einem Gerüst befestigte Lautsprecher ausgesteuert.

Zweites Standbein neben der Software: 3D-Audio-Installationen
Zweites Standbein neben der Software: 3D-Audio-Installationen Foto © Sonible

SFG steigt aus, neuer Investor an Bord

Und apropos Steuerung: Auch auf Eigentümerseite tut sich bei Sonible dieser Tage einiges. 2016 hatte sich die Steirische Wirtschaftsförderungsgesellschaft (SFG) an Sonible über die Finanzierungsaktion „VC Seed-Kapital“ beteiligt, jetzt wurden die knapp 30 Prozent der Anteile an die Innsbrucker Doinvest GmbH übertragen. Mit dem neuen Investor – er saß schon im Beirat des Unternehmens – sei man „freundschaftlich verbunden“, heißt es von Sonible.

Von einer „Erfolgsgeschichte“ spricht in Bezug auf das Jungunternehmen die steirische Wirtschaftslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl. Gleichzeitig zeige Sonibles Wachstumsgeschichte, dass die „Finanzierungsprogramme der Steirischen Wirtschaftsförderung treffsicher und wirksam“ seien. In Summe sei die Steiermark „ein guter Boden für Start-ups“, betont Eibinger-Miedl. Diese „Stärke“ wolle man „in den nächsten Jahren noch weiter ausbauen“.

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