Modernisierte LehrberufeDie Jugend wagt das Neue: Von Steckverbindungen und Schmerzmitteln

Mit dem im August in Kraft getretenen Lehrberufspaket wurden sechs Ausbildungen modernisiert. Aysegül Özgür und Moritz Kuschar wagen das Neue: Sie macht eine Lehre zur Pharmazeutisch-kaufmännischen Assistentin, er zum Veranstaltungstechniker.

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Ayseguel Oezguer Lehre in der Fischl Apotheke Mag. Pharm. Birgit Abuja Primus
Aysegül Özgür mit Lehrherrin Birgit Abuja in der Fischl Apotheke in Klagenfurt: "Man lernt nie aus und das ist schön." © Kleine Zeitung / Weichselbraun
 

Natürlich verkostet sie ihre Himbeerpralinen aus selber gerne: Veronika (16) hat sich für den neuen Lehrberuf Chocolatière entschieden und absolviert derzeit ihr erstes Lehrjahr in der steirischen Schokoladen-Manufaktur Zotter.

Der Lehrberuf Bonbon- und Konfektmacher wird aufgelassen, weil er nicht mehr in die Zeit passt. "Schokolade hingegen ist im Trend. Die Kunden sind informierter und anspruchsvoller geworden. Neue Verarbeitungsmethoden und Maschinen – Stichwort bean-to-bar, also Bohne zu Bar – verändern das Berufsbild ebenso wie die steigende Anforderungen an Verpackung, Kreativität und Marketing", heißt es von der Wirtschaftskammer. Ebenso aufgelassen werden die Lehrberufe Kristallschleiftechnik sowie Stempelerzeuger und Flexograf.

In Kärnten gibt es derzeit (noch) keinen Chocolatier-Lehrling. Wohl aber stoßen die anderen sechs Lehrberufe auf Interesse, die das im August in Kraft getretene neue Lehrberufspaket beinhaltet, weil sie modernisiert wurden: Betonfertigteiltechnik, Drogist bzw. Drogistin, Konditorei bzw. Zuckerbäckerei, Pharmazeutisch-kaufmännische Assistenz, Veranstaltungstechnik sowie Vergolden & Staffieren. "Die Modernisierung reagiert auf Anforderungen wie Spezialisierung, breitere Produktpalette oder neue Techniken", sagt Mariana Kühnel, stellvertretende Generalsekretärin der Wirtschaftskammer Österreich. "Und die Abschlussprüfungen finden nun zum Teil digital statt", ergänzt Miriam Franziska Legner, Referentin in der Berufsausbildungsabteilung der Wirtschaftskammer Kärnten.

Insgesamt spreche man über die sieben "neuen" Berufen 3000 junge Menschen in Österreich an.

Zum Beispiel die Klagenfurterin Aysegül Özgür (23), die bei Birgit Abuja in der Fischl Apotheke in Klagenfurt eine Lehre zur pharmazeutisch-kaufmännischen Assistentin macht. Özgür hat nach der Matura ein Pharmaziestudium in Graz begonnen, aber umgeschwenkt, weil sie gleich im Beruf tätig sein und wieder zurück nach Kärnten wollte. "Es ist Beruf, in dem man nie auslernt", sagt sie. Und betont die Abwechslung: Kunden bedienen, Regale auffüllen, Cremen anmischen. "Ich beschäftige mich auch in meiner Freizeit mit dem Thema Pharmazie. Mich interessiert zum Beispiel, welches Medikament zu welchem Schmerzmittel passt."

Ayseguel Oezguer Lehre in der Fischl Apotheke Mag. Pharm. Birgit Abuja Primus
Lehrling Aysegül Özgür beim Anrühren einer Salbe: "Da ist so viel Abwechlsund" Foto © Kleine Zeitung / Weichselbraun

Abuja, die es in den vergangenen Jahren durchaus nicht einfach hatte, Lehrlinge zu finden, spricht von Özgür als "der Besten, die ich je hatte". Empathie hält die erfahrene Apothekerin als eine der wichtigsten Fähigkeiten in ihrem Beruf. Im Herbst will sie einen zweiten Lehrling aufnehmen.

Moritz Kuschar macht eine Lehre zum Veranstaltungstechniker bei Daniel Götzinger. "Ich mache meine Hobbys zum Beruf" Foto © KK

Der Klagenfurter Moritz Kuschar (17) macht eine Lehre als Veranstaltungstechniker - und damit seine Hobbys zum Beruf. "Musik, Ton, Video, Foto: Damit habe ich mich immer schon gerne beschäftigt", sagt er. An diesem Tag wird eine Band erwartet - für Audio-Aufnahmen. Aber auch mit Steckverbindungen, Funkfrequenztechnik, XLR-Kabel und STI-Kabeln geht Moritz gerne um. Als Lehrherr hat er Daniel Götzinger, den Gründer und Inhaber der Strelux GmbH in Klagenfurt, gefunden, der selbst gelernter Tontechniker ist, und dem es Spaß macht, sein Wissen weiterzugeben.

Moritz am Arbeitsplatz bei Strelux in Klagenfurt. "Mehrere Berufe in einem" Foto © KK

"Das Umgehen mit neuen Medien ist essenziell", sagt Götzinger. Und: "Der Beruf Veranstaltungstechniker vereint mehrere andere Berufe in sich." Corona hat der Branche ganz schön zugesetzt. Götzinger hält sie dennoch für krisensicher: "Veranstaltungen abhalten und feiern werden die Menschen immer."



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