Keine Einigung Land beendet Verhandlungen mit Flughafen-Investor

Die Verhandlungen über die Anteilserhöhung am Klagenfurter Flughafen sind beendet, lässt Beteiligungsreferent Martin Gruber (ÖVP) wissen. Die Bedingungen der Landesaufsicht seien nicht erfüllt gewesen. Investor ist verwundert über den Abbruch.

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Lilihill hält derzeit 74,9 Prozent am Klagenfurter Flughafen. © Weichselbraun
 

Die Verhandlungen rund um die von Investor Franz Peter Orasch gewünschte Anteilserhöhung am Klagenfurter Flughafen sind beendet, wie der zuständige Beteiligungsreferent Martin Gruber (ÖVP) in einer Aussendung mitteilt. Eineinhalb Jahre hatten sie gedauert. Der Investor war nicht bereit, auf die Bedingungen des Landes einzugehen. Orasch hatte ja den Wunsch, die Anteile von derzeit 74,9 Prozent um mindestens 15 Prozent zu erhöhen.

Derzeit halten Land Kärnten und Stadt Klagenfurt zusammen 25,1 Prozent. Der Flughafen war vor drei Jahren teilprivatisiert worden. "Die Bedingungen der Landesaufsicht waren nicht erfüllt. Ich werde keine Schwächung der Rechte der öffentlichen Hand und keine Vertragsklauseln zulasten des Landes akzeptieren", sagt Gruber.

Meinung zu gescheiterten Verhandlungen

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Die Verhandlungen über die Anteilserhöhung hatten so lange gedauert, weil die Vorstellungen über die Bedingungen weit auseinander lagen. Vor 14 Tagen hat Gruber dem Investor dann ein Ultimatum gestellt. Mit Punkten, die aus seiner Sicht erfüllt sein müssen. Unter anderem eine Investitionsverpflichtung und das Erreichen einer Mindestanzahl von Passagieren. Außerdem soll abgesichert werden, dass das Land nicht aus dem Vertrag gedrängt werden kann. Und Bürgermeister Christian Scheider (Team Kärnten) wollte sichergestellt haben, dass "ohne die Zustimmung der öffentlichen Hand kein Verkauf von Liegenschaften am Flughafen stattfinden darf".

Lilihill: "Aus den Medien erfahren"

Bedingungen, die Orasch und seine Lilihill-Gruppe so wie es aussieht nicht akzeptieren wollten. Lilihill selbst sieht das Ganze ein wenig anders. Man habe am Mittwoch aus den Medien erfahren, dass die jahrelangen Vertragsverhandlungen zur Aufstockung der Anteile der Lilihill Capital Group auf 99 Prozent von Landesrat Gruber abgebrochen wurden. Was auch deshalb "irritierend" sei, weil "die letzten offenen Punkte zur Aufstockung der Anteile auf 99,99 Prozent vorletzte Woche in einem persönlichen Gespräch mit Landesrat Gruber positiv geklärt wurden". Die Lilihill Capital Group sei "den Wünschen des Minderheitseigentümers vollinhaltlich entgegengekommen".

Wie es jetzt weitergeht, wenn alles beim "Alten" bleibt, wird man sehen. Von den versprochenen Millioneninvestitionen ist bisher am Flughafen jedenfalls nichts zu sehen. Eine Rückabwicklung des Vertrages war auch immer wieder im Raum gestanden. Vorerst aber bleibe der Vertrag aus dem Jahr 2018 bestehen und man werde damit weiterarbeiten.

Land überlegt anteilige Mitfinanzierung

Gruber schlägt jetzt außerdem eine Alternative vor: "Um das klare Bekenntnis des Landes zum Flughafen Klagenfurt zu unterstreichen und Investitionen zu beschleunigen, kann ich mir eine anteilige Mitfinanzierung in notwendige Infrastruktur des Flughafens, insbesondere den Terminal, vorstellen." Er will den Vorschlag im nächsten Aufsichtsrat der Kärntner Beteiligungsverwaltung (KBV) thematisieren.

Lilihill sieht Minderheitseigentümer in der Pflicht

Für Lilihill ist auch das nicht ganz schlüssig und "überflüssig". Er nehme aber zur Kenntnis, dass der Minderheitseigentümer künftig bei Investitionen mitfinanzieren wolle. "Denn dazu, Investitionen, die für die Wirtschaftlichkeit des Flughafens nötig sind, mitzutragen, sind die Minderheitseigentümer laut aktuellem Vertrag sowieso verpflichtet. Die Tatsache, dass die Minderheitseigentümer dieser Verpflichtung im Sinne des Unternehmens bisher nicht nachgekommen sind, ist letztendlich auch der wesentliche Grund dafür, warum die Lilihill Gruppe bisher keine größeren Investitionen am Flughafen tätigen konnte."

Scheider: "Zurück an einen Tisch"

Bürgermeister Scheider nimmt "zur Kenntnis", dass "das Land Kärnten und Lilihill nicht zusammengekommen sind". Als Stadt Klagenfurt wolle man nun aber im Detail informiert werden, woran die Verhandlungen gescheitert seien. Es sei ihm wichtig, so Scheider, dass der Flughafen sich weiterentwickle. Deshalb müssten sich alle wieder an einen Tisch setzen und zusammenarbeiten. "Der Abbruch der Verhandlungen darf keinesfalls zu Lasten der Steuerzahler gehen."

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Danke für Ihr Verständnis.

Robinhood
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3Jahre nichts

Lilihill kam vor 3 Jahren und hat bis heute nichts gemacht und investiert außer 2Flugbaracken abgerissen. Schätze das hat 100T € gekostet. Die Grundstücke sind allemal viel Wert um sogar Verluste vom Flughafen, der sich niemals wirtschaftlich führen lässt, abzudecken.
Rückabwicklung des noch immer geheimen Vertrages ist die einzige Lösung.

one2go
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Verhältnismäßigkeit

Auf der einen Seite Herr Gruber (Landwirt) und auf der anderen Seite Dr. Orasch (langjähriger erfolgreicher Manager in vielen großen österreichischen und internationalen Unternehmen) - wie soll das Land Kärnten durch eben diesen Herrn Gruber gut vertreten werden - das ist ob ein Porsche mit einem Trabi um die Wette fährt! Armes Kärnten, wenn nun auch der Flughafen zusperren müsste👎🤢!

joektn
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Ja genau…

Jetzt wird man erst wieder Millionen in den Flughafen stecken und damit erhöht sich der Wert der Immobilien erst wieder. Der Investor liegt vermutlich nun lachend am Boden. Er tut absolut nichts und trotzdem wird quasi umsonst sein Flughafen modernisiert und erhält eine Wertsteigerung mit Steuergeld.
Er muss jetzt eig nur warten und nichts tun. Die Zeit spielt für ihn. Meine Meinung wäre eine Rückabwicklung das sinnvollste, aber dann bitte so, dass der Herr Investor nicht auch noch Millionen als Abfindung erhält….

robertpustritz
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Super!

Haftet jetzt Gruber für das Millionengrab?

eston
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Den 1. Vertrag erfüllen

oder "Abflug'.

Avro
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Anteilige Mitfinanzierung?

Schau ich mir an, Land hat kein Geld, Stadt schon gar nicht und einen zeitgemäßen Terminal errichten wird nicht unbedingt billig.
Also macht die Kärntner Politik was sie am Besten kann. Ideen und Investitionen verhindern....

georgXV
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Klagenfurter Flughafen

um die jährlich anfallenden Kosten für diesen Flughafen halbwegs rechtfertigen zu können, braucht der Flughafen MINDESTENS 500000 (eher 1 Million) Passagiere !
Woher sollen die kommen bzw. wohin sollen die fliegen ?
Sicherlich NICHT durch die AUA / Lufthansa !

Avro
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Die existieren schon

Ich würde mal behaupten das schon jetzt (bzw. vor Corona) eine Million Kärntner Passagiere unterwegs waren.
Allerdings waren GRZ, MUC, SZG, VCE, VIE, LJU die großen Gewinner.
Wenn man will das diese weiterhin hunderte Kilometer mit dem Auto fahren um wegzufliegen dann soll man das so kommunizieren. Wenn man einen starken Wirtschaftsstandort (zu dem gehört Infrastruktur wie ein Flughafen) haben will dann wird man investieren müssen.
Entsprechend muss der Airport das Angebot sicherstellen. LH und OS sind nicht alles.

lamagra
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Vollkommen richtig!

Klagenfurt hatte bis zu einer Million Passagiere. Allerdings nicht in einem, sondern in 10 Jahren!
Das einzige was dieser Investor will, ist die Piste für auf max. Learjetgröße zurückbauen und den gewonnen Grund teuer verkaufen.
(Wird sich aber mMn nicht spielen, da Klagenfurt noch immer ein öffentlicher Flughafen ist und für die Eurofighter eine gewisse Größe braucht)

Hieronymus01
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@Arvo

Jetzt bleiben sie bitte am Boden der Realität.

Graz schafft mal mit Ach und Krach die 1Mio Grenze.
Und Sie Glauben in Klagenfurt ist diese Zahl auch zu schaffen.

Das sind die gleichen größenwahnsinnigen Gedankenansätze wie beim Wörtherseestadion.

Wir brauchen es, wir bauen es und zahlen sollen es die anderen.

joektn
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Äh

Klagenfurt hatte erst ein einziges Mal über 500.000 Passagiere und das war so Ryainair nach London flog und es Tickers um 1 Cent gab. Gefördert und gesponsert mit Millionen an Steuergeld unter Haider. Das war rechtswidrig übrigens wie man heute weiß.

madmote
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Geschäftsidee: Mit dem Gefängnis,

Dass nebenan gebaut werden soll, eignet sich das ganze als Hub für Gefangenentransporte und Abschiebeflüge. CONAIR 2.0