Ringen um MAN-Werk in Steyr Investor Wolf bessert nach und tritt "gemeinsam" mit Raiffeisen an

Siegfried Wolf bessert sein abgelehntes Angebot für den MAN-Standort in Steyr nach und holt dafür die Raiffeisenbank an Bord. Indessen will auch ein weiteres Konsortium in "vertraulichen Gesprächen" mit MAN sein.

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
Investor Siegfried Wolf (rechts) im MAN-Werk in Steyr
Investor Siegfried Wolf (rechts) im MAN-Werk in Steyr © APA/WERNER KERSCHBAUMMAYR
 

Das Ringen um die Zukunft des von der Schließung bedrohten MAN-Standorts Steyr hat am Freitag zu einer neuerlichen Wendung geführt. Zunächst berichtete die Krone, dass Investor Siegfried Wolf, gegen dessen Übernahme zwei Drittel der Belegschaft Anfang April gestimmt hatten, sein Angebot nachbessern will. "Sag niemals nie" hatte der Unternehmer bereits am 8. April zur Kleinen Zeitung auf die Frage gesagt, ob das Thema für ihn nun endgültig erledigt ist.

Am Abend nahm Wolf selbst in der "Zeit im Bild 2" zu den Gerüchten Stellung und bestätigte diese. Er habe in den letzten Wochen "nur von Schließungsszenarien gehört". Das hätten sich die Mitarbeiter in Steyr "nicht verdient". In einer "großen Arbeit" hätte sich deswegen Wolf gemeinsam mit vielen politischen Vertretern "Gedanken gemacht", wie man "mehr Arbeitsplätze längerfristig erhalten könne".

1400 von 1900 Jobs sollen "gerettet" werden

Entwickelt wurden etwa ein Arbeitsstiftungsmodell für 150 Mitarbeiter und eine spezielle Form der Altersteilzeit. Insgesamt stellt Wolf damit die Rettung von 1400 Jobs in Aussicht, hinzu kommen noch 166 Lehrlinge. Mit dem ersten Angebot hatte Wolf noch die Rettung von 1250 der 1900 Arbeitsplätze in Aussicht gestellt. 

Er, so Wolf im ZiB2-Interview, sei jedenfalls "bereit" für ein weiteres Angebot. Die Raiffeisen Oberösterreich werde sich nun "beteiligen". "Wir werden gemeinsam auftreten", sagt der Investor. So sei auch das "Geld sichergestellt". Nun sollen Einzelgespräche folgen. Wolf will "mit jedem Mitarbeiter und jeder Mitarbeiterin reden".

MAN München: Derzeit wird nicht verhandelt

Aus der MAN-Konzernzentrale in München hieß es zuvor allerdings, derzeit werde nicht mit dem Ex-Magna-Chef verhandelt. Grundsätzlich hätten sich MAN und Wolf aber "auf eine Verlängerung der Exklusivität bereits Ende März und damit vor dem Mitarbeitervotum verständigt. Eine befristete Exklusivität wird in solchen Verkaufsprozessen üblicherweise vereinbart", hieß es weiter in der Stellungnahme. Das bisher kolportierte Ende jener Exklusivität mit Ende April habe demnach nicht gegeben.

MAN München hielt neuerlich fest, dass Wolf "als einziger Interessent ein industriell logisches und fundiertes Konzept für eine Nachnutzung des Standorts vorgelegt hat". Eine Nachbesserung gelte es jedoch mit den Arbeitnehmern zu besprechen.

Arbeiterbetriebsrat Helmut Emler wusste bis dahin auch noch nichts darüber, dass Wolf offenbar wieder im Rennen ist. Der Belegschaftsvertreter wiederum erklärte, dass die Geschäftsführung in Steyr bei den Verhandlungen über den Sozialplan mit Betriebsrat und Gewerkschaftsvertretern am Mittwoch zugestimmt habe, dass Nachnutzungskonzepte unter Beteiligung der Mitarbeiter möglich seien. Ex-SPÖ-Minister und jetziger Leiter der Abteilung der Sozialpolitik der Produktionsgewerkschaft PRO-GE, Alois Stöger, der mit am Verhandlungstisch von MAN sitzt, sei mit der Aufgabe betraut worden, Interessenten zu sichten, meinte Emler.

Stöger bestätigte, dass sich inzwischen rund eine Handvoll bei ihm gemeldet hätten - teils mit weniger, teils mit mehr ausformulierten Ideen. "Grundsätzlich sind wir natürlich weiter offen für Gespräche zu einer möglichen Nachnutzung des Werks mit Dritten", versicherte auch München. Allerdings: "Das Zeitfenster dazu schließt sich, wir setzen die Schließung des Standorts als derzeit einzige konkrete Option konsequent weiter um."

Vertrauliche Gespräche von weiterem Konsortium

Freitagnachmittag ging dann das Green-Mobility-Konsortium rund um den Linzer Unternehmer Karl Egger (KeKelit) aus der Deckung. Dessen Sprecher Gerald Ganzger teilte mit, "dass das Konsortium mit MAN München eine NDA - Non-Disclosure Agreement, Vertraulichkeitserklärung - zur Aufnahme weiterer Gespräche abgeschlossen hat". Gemeinsam mit dem Consulter Deloitte Wien werde an der Endausarbeitung eines Konzepts gearbeitet.

Es solle "nach Ablauf der Exklusivitätsfrist" nach München übermittelt werden. "Wir sind an den eingeleiteten konstruktiven, vertraulichen Gesprächen mit MAN sehr interessiert, um im Sinne der Belegschaft in Steyr und allen Stakeholdern ein besseres Ergebnis zu erzielen als bisher vorliegt", so Ganzger.

Kommentare (32)
andrea84
0
1
Lesenswert?

Leichtfrieds Hilfe

Herr leichtfrieds, als er noch Minister war, hat natürlich VW zu Zeiten des Dieselskandals mit Prozeß und Haftung voll attackiert.
Die Arbeiter bei Man Steyr haben ihm jetzt viel zu ver danken. Andernfalls hätte es für sie die gleiche Lösung bekommen, wie die deutschen MAN Werke. Die laufen nämlich ganz normal weiter.

wischi_waschi
2
0
Lesenswert?

Raiffeisen

Na, ja wo Raiffeisen drauf steht, würde ich sofort die Finger davon lassen....
Ist aber nicht mehr mein Problem

leserderzeiten
7
0
Lesenswert?

Ah, nichts los hier.

Vielleicht weil Wolf und die "Konzernboy Fans" a bissl falsch gelegen sind mit ihren Verteufelungen des Betriebsrat?
Sonst sind ja die KlZ "Wirtschaftskapitäne" bei MAN Artikel ja fest am drauf hauen.
Ca. 200 Arbeitsplätze mehr, Altersteilzeit, Arbeitsstiftung....

Respekt an die Belegschaft für den Mut zur Abstimmung, und dem Betriebsrat für die sachliche Arbeit für den Arbeiter- die Angestellten.

Es lohnt sich, Widerstand zu leisten.

leserderzeiten
15
5
Lesenswert?

Wolf hat gestern in der ZiB2 davon gesprochen, dass man nicht um Arbeitsplätze pokern soll.

Tja Herr Wolf, Sie haben mit der pokerei begonnen und verloren. Selbst wenn nur 1 einziger Arbeitsplatz gerettet werden würde, hat die Belegschaft und Gewerkschaft gewonnen.
Das noch was geht, zum Wohl der Arbeitnehmer, sieht man ja jetzt.

ReinholdSchurz
10
10
Lesenswert?

Der Staat ist in Steyer in der Verantwortung 🙋🏻‍♂️

Steyer ist seit jeher eine Industriestadt und erst unter Vranitzky 2 ( Regierung ) wurde der österreichische Konzern gesplittet.
Zur Aufklärung wär Veanitzky war, ein hoch bezahlter Banker im Dienste der SPÖ und so ist es mit allen Unternehmungen dieser Zeit kurzfristiger Profit vor langfristigen Statement zur Entwicklung in Steyer.
So wird man dann leider von ausländischen Firmen abhängig, Steyer Autos, Traktoren und noch vieles mehr waren Qualität Made in Austria also das Beste am Markt durch Unfähigkeit vernichtet.👣🎪

Horstreinhard
4
14
Lesenswert?

Unverkäufliche Stery-LKW

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie die LKW aus der Produktion in Steyr unverkäuflich waren und die damaligen Bundesstraßenverwaltungen LKW bekommen haben, die sie nicht benötigt haben und die in Garagen vor sich hin gerostet haben.
Der Staat ist als Käufer eingesprungen….

ReinholdSchurz
9
13
Lesenswert?

Und weiter🙋🏻‍♂️

Stimmt nicht!
Die laufen Heute dort noch so wie bei beim Militär über all in der Welt waren Pinzauger und Haflinger gefragt und was war mit der Wirtschaftskrise Anfang der 80 Jahre verursacht durch die Schuldenpolitik des roten Sonnenkönlgs ( Dr. Bruno Kresky ).

gberghofer
0
0
Lesenswert?

Was für ein Unsinn!

Was hat das jetzt mit Kreisky zu tun?

ReinholdSchurz
0
10
Lesenswert?

Und noch was🙋🏻‍♂️

Das der Staat für seine Zwecke Gerätschaften aus eigener österreichischen Produktion kauft finde ich für Selbstverständlich 👣🎪

hornet0605
18
9
Lesenswert?

Raiffeisen???

Dann lieber gleich schliessen!!!

pescador
3
21
Lesenswert?

.

Eine ziemlich einfältige und naive Stellungnahme.

Hieronymus01
2
9
Lesenswert?

Die Belegschaft hat gelernt.

Auch seinerzeit als Steinach den Steyr-Daimler-Puch-Konzern erworben hat, hat er diesen im Nachhinein um ein Schnäppchen bekommen.

Betriebe die nicht zum Magna-Kerngeschäft gehörten gewinnbringend veräußert und einen funktionierenden Betrieb mit hochqualifizierten Mitarbeiten bekommen.

Dies hätte er nur schwer selbst irgendwo in Europa von Null weg errichten können.

selbstdenker70
3
17
Lesenswert?

...

Bei MAN bzw VW sind täglich mehr Menschen im Krankenstand als in Steyr arbeiten. Aber in Österreich wird so getan als wäre dieses Werk der Motor für die heimische Wirtschaft. Ja, ca 2000 werden arbeitslos, und die 2000 werden wieder neue Arbeit bekommen. Es hat schon viele große Schließungen gegeben, und jeder einzelne hat wieder einen Job. Der Österreicher hat das größte Problem mit Veränderungen..... Darum zieht sich bei uns auch alles wie ein Kaugummi....

oekoLogisch
1
9
Lesenswert?

Morgen kommt der Böhmermann

Der wird es dann richten, weil der weiß ja alles besser. Vor allem weiß der, wie Korruption in Österreich funktioniert und kann dadurch gleich zu den Richtigen gehen. (Achtung Satire!!)

madermax
26
76
Lesenswert?

Einfach komplett Schließen…

... und 1.900 Menschen zum AMS schicken… Dann soll Wolf das Werk zum Schnäppchenpreis kaufen und einfach wieder 1.400+166 Leute wieder einstellen. Wenn die 1.900 Mitarbeiter keinen Lust auf einen Job haben, finden sich auch andere Menschen die Arbeit suchen…

Ich versteh das gehate und gepashe nicht? Freie Marktwirtschaft funktioniert nun mal nicht anders…

rand
2
11
Lesenswert?

Die Mitarbeiter

haben die Arbeitslosigkeit gewählt. Dafür sollen sie vom AMS noch Arbeitslosengeld bekommen NEIN.

derleobner
10
7
Lesenswert?

Frage, sind Sie

mit Wolf verschwägert oder in gerader Linie verwandt, dann wäre ihre Position verständlich, ansonsten eher nicht.

schadstoffarm
13
9
Lesenswert?

Damit erreichst

Dass die qualifizierteren gehen und der Rest aufs Angebot einsteigen muss. Und MAN riskiert die einklagbare standortgarantie, du genie.

checker43
3
33
Lesenswert?

Die

Marktwirtschaft hat es auch an sich, dass das erste Angebot nie das beste ist. Verhandeln bzw. ablehnen kann sich auszahlen. Und schließen wird MAN nicht, da sind hohe Abfertigungen bzw. Sozialpläne fällig und der Prozess, 1400 Leute neu einzustellen ist auch nicht gratis.

scionescio
44
37
Lesenswert?

Wie kann der selbstlose Wohltäter plötzlich nachbessern ...

... wo er doch vorher behauptet hat, dass sein Angebot nur so Sinn macht, weil es sonst nicht wirtschaftlich ist ... der gute Mann wird doch da nicht etwa die Unwahrheit gesagt haben - oder glaubt jemand ernsthaft, dass ihm plötzlich die Mitarbeiter, die ihm erst vor kurzem zu Recht eine Abfuhr erteilt haben, so am Herzen liegen, dass er für sie in die eigene Tasche greift?

schlauer77
10
23
Lesenswert?

Nachbesserung?

Warum möchte Herr Wolf Mitarbeiter haben die sich gegen Ihn entschieden haben?
Also entweder ist er ein Wohltäter und blauäugig, oder er sieht auch ohne der 100% Belegschaft eine weitere Chance.
Ich befürchte leider man hat sich bei MAN verstimmt!

schadstoffarm
6
10
Lesenswert?

Du bist schlauer

Als der Wolf, alles klar.

dieRealität2020
23
42
Lesenswert?

Diese Raubersgeschgichten die man von verschiednen Seiten hören und lesen kann sind im Endeffekt bedeutunsgs- und wertlos. Phantasiegebilde der Gewerkschaft und Arbeitnehmer.

.
Die Gewerkschaft träumt von Schwammerln im Winter. Kaufmännisch finanzieller Abwicklung interessiert MAN(VW) noch ein Nachnutzungskonzepte unter Beteiligung der Mitarbeiter (das ist dann Sache eines Nachfolgers-Investors), noch das Arrangement eines Sozialplans. Anscheinend hält man MAN/VW und Wolf oder andere Investoren für Wohltäter. So bitter und traurig das für manche Arbeitnehmer ist, aber auch VW/MAN hat letztendlich die Verantwortung für seine Mitarbeiter.
.
Die Marke Volkswagen beschäftigt weltweit rund 200.000 Mitarbeiter, davon etwa 120.000 in Deutschland. Kann das verstanden werden, das sich nicht alles um Steyer dreht? Was sichtbar war, in Steyer hat man gedacht wir regeln das nach österreichischer Mentalität. Zahlt sowieso der Staat.
.
MAN/VW hat festgestellt, dass sich diese Werk nicht mehr rechnet. Und daher wird es geschlossen, So einfach ist das. Das geschieht seit Jahrzehnten weltweit, nur in Österreich träumt man immer von warmen Eislutscher im Winter. >>>>>> Man versucht so kostengünstig wie möglich auszusteigen. <<<<<< Alles andere ist Nebensache.

hbratschi
3
4
Lesenswert?

"MAN/VW hat festgestellt, dass sich diese Werk nicht mehr rechnet."...

...es "rechnet" sich schon, denn es wirft gewinne ab. aber in diesen pervertierten zeiten genügen gewinne (vor allem den großkonzernen) nicht mehr, sie müssen ja unbedingt maximiert werden. und das natürlich auf kosten der "kleinen", nur damit die fetten noch fetter werden...

mschloegl
50
30
Lesenswert?

Hat er sich verrechnet

oder wollte er beim Erstangebot die Leute über den Tisch ziehen?

georgXV
15
36
Lesenswert?

MAN

eines steht sicher fest: Siegfried Wolf ist KEIN Wohltäter und Samariter.
Welche Interessen verfolgt er ?
- will er nur die gebrauchten Maschinen und Anlagen ?
- will er nur die Immobilien (Grundstück und leeren Hallen) ?
- will er das Know-How und die Arbeitskraft der MAN-Mitarbeiter ?
Ich gewinne LEIDER den Eindruck, daß Betriebsrat und Gewerkschaft in der Sache ÜBERFORDERT und auch NICHT gut im VW-Konzern vernetzt sind.
Die anstehenden großen Themen werden sicher NICHT in Steyr, sondern in München und Wolfsburg entschieden.

 
Kommentare 1-26 von 32