Bitte warten - Ihr Zugang wird eingerichtet.

Pleitewelle 2022 befürchtetTourismus in Österreich: Der Totalausfall und seine Folgen

Wien und Westösterreich am stärksten betroffen. Im Gesamtjahr 2021 Halbierung der Umsätze gegenüber dem Vor-Corona-Niveau erwartet. Pleitewelle in den kommenden Jahren befürchtet.

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
Tourismus stark von Corona betroffen ++ THEMENBILD ++ CORONA: SKILIFT / SKIURLAUB / SKI-LOCKDOWN..
++ THEMENBILD ++ CORONA: SKILIFT / SKIURLAUB / SKI-LOCKDOWN.. © (c) APA/BARBARA GINDL (BARBARA GINDL)
 

Die ersten vier Monate der laufenden Tourismus-Wintersaison – November bis Februar – seien praktisch ein Totalausfall gewesen, sagen die Wifo-Ökonomen in ihrer aktuellen Analyse und rechnen auch für das Gesamtjahr 2021 mit einer Halbierung der Umsätze gegenüber dem Vor-Corona-Jahr 2019. Am stärksten gelitten haben unter dem Lockdown die Beherbergungsbetriebe in Wien sowie in den westlichen Bundesländern Salzburg, Tirol und Vorarlberg mit Einbußen um mehr als 95 Prozent.

Während der mit Anfang November 2020 verhängte Lockdown in der zweiten Februarwoche 2021 für den Handel aufgehoben wurde, blieben Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe weitgehend geschlossen. Nur Geschäftsreisende und Kurgäste durften Unterkünfte in Anspruch nehmen. Dementsprechend gingen die Gästeankünfte im Jahresabstand um 95,1 Prozent zurück, die Nächtigungen und Einnahmen brachen um 93,5 Prozent ein, schätzt das Wirtschaftsforschungsinstitut in seiner Tourismusanalyse.

In absoluten Größen wurden in den österreichischen Beherbergungsbetrieben von November 2020 bis Februar 2021 nur rund 0,7 Millionen Ankünfte und etwa 3,5 Millionen Übernachtungen gezählt, die Umsätze im Gesamtreiseverkehr (einschließlich Tagesreisen und Aufwendungen im Zuge von Verwandten- und Bekanntenbesuchen) beliefen sich ersten Schätzungen des Wifo zufolge auf nominell 0,76 Mrd. Euro.

Wifo: Wiedereröffnung frühestens im Mai

Am stärksten betroffen waren die Bundeshauptstadt und Westösterreich: In Wien gingen die Nächtigungen und Umsätze um 94,4 Prozent zurück, in Salzburg, Tirol und Vorarlberg um durchschnittlich 97,4 Prozent. In Niederösterreich seien immerhin rund 37 Prozent des Niveaus von 2019/20 erreicht worden, nämlich durch den nach wie vor aufrechten Betrieb in Kuranstalten, die Beherbergung von Arbeitskräften (vor allem im Baugewerbe) sowie durch Sportveranstaltungen, erklären die Wifo-Ökonomen.

Auch in Oberösterreich und im Burgenland konnte trotz Lockdowns zumindest rund ein Viertel bzw. gut ein Fünftel des bereits stark reduzierten Nächtigungs- bzw. Umsatzniveaus des Vorjahres erzielt werden. Der Februar stellt in einem normalen Winter mit etwa einem Viertel der Saisonnächtigungen den wichtigsten Wintermonat dar. Mit nur rund 184.900 Ankünften und 912.800 Übernachtungen lag das Ergebnis im Februar 2021 um 96,0 Prozent bzw. 95,5 Prozent unter dem Vergleichswert 2020.

Mit einer Wiedereröffnung der Beherbergungsbetriebe rechnet das Wifo frühestens Mitte Mai – "urlaubende Übernachtungsgäste dürften daher im Winter 2020/21 die Ausnahme darstellen, vielmehr beschränkt sich die insgesamt sehr geringe Nachfrage auf Geschäftsreisende und Kurgäste", heißt es in der Analyse.

Wien droht stärkster Rückgang

Unter der Annahme, dass die Aufhebung des touristischen Betretungsverbotes für Beherbergungsbetriebe in der zweiten Maihälfte erfolgt und die Reisewarnung für die wichtigsten Auslandsmärkte Mitte Juni aufgehoben wird, erwartet das Wifo für das Kalenderjahr 2021 Nächtigungseinbußen im Vergleich zum bereits schwachen Coronajahr 2020 um rund ein Fünftel. Gegenüber dem bisherigen Höchstwert im Jahr 2019 bedeutet das einen Rückgang um 49 Prozent.

Wien muss im Gesamtjahr mit den stärksten Einbußen rechnen, hier könnten die Nächtigungen um 58 Prozent zurückgehen, schätzen die Wifo-Experten. Salzburg, Tirol und Vorarlberg dürften im Durchschnitt nicht einmal das halbe Jahresvolumen von 2019 erreichen (minus 55 Prozent), während die Lücke in den übrigen Regionen jeweils rund ein Drittel betragen könnte.

Das alles gilt unter der Annahme, "dass es bis zum Beginn der Sommerhauptsaison gelungen sein wird, das Infektionsgeschehen durch Impfungen nachhaltig einzudämmen und es auch im Herbst 2021 zu keinem weiteren erheblichen Aufflammen der Pandemie kommen wird".

Die dramatischen Nächtigungsrückgänge dürften wahrscheinlich zu einer Pleitewelle im Tourismus führen, "allerdings würden wir die nicht für heuer erwarten, sondern erst im Laufe der kommenden Jahre, wenn die Kredite, die die Unternehmen bekommen haben, dann zurückzuzahlen sind", so Wifo-Tourismusexperte Oliver Fritz im Ö1-Gespräch.

Kommentare (8)
Kommentieren
Helga Baurecht
0
22
Lesenswert?

bin mir sicher...

die Chinesen reiben sich schon die Hände und warten aufn Abverkauf in Europa!

eston
26
3
Lesenswert?

Gewinnwarnungen

wurden die letzte Jahre auch nicht abgegeben. Nächsten Winter stellen sich Hotelliere wieder mit der Scheibtruhen voller Geld beim Einzahlungsschalter der Bank an.

dude
15
31
Lesenswert?

Das "Pleitewellen-Szenario" der Wirtschaftsforscher im Tourismus ...

... kann ich nicht ganz nachvollziehen. Ich bin wesentlich optimistischer!
Es gibt eine bestehende Tourismusinfrastruktur. Beherbergungsbetriebe, Skilifte, etc. Die stehen jetzt coronabedingt still. Wenn die Pandemie vorüber ist, wird der Schlüssel umgedreht, geputzt und inbetriebgenommen. Dass die Gäste in Scharen kommen werden, erwarte ich, wie das berühmte "Amen im Gebet". Die Menschen sind gierig nach Urlaub.
Wenn die Banken noch vor Ende der Pandemie ALLE Tourismuskredite fällig stellen, gehen natürlich ALLE Tourismusunternehmen in Konkurs. Da dies aber dann ein massives Problem für die Banken darstellt, werden sie die Kredite nicht fällig stellen, wenn von den Betrieben nach Ende der Pandemie Gewinne zu erwarten sind!
Betriebe, die allerdings vor Corona-Zeiten bereits in Schieflage waren, oder jene, die sich schon lange einen Verkauf überlegen, oder jene, die von einem Konkurs profitieren, werden wohl den Weg in den Konkurs finden. Massenphänomen erwarte ich mir keines.

Dr.B.Sonnenfreund
3
17
Lesenswert?

Gelddruckmaschinen

Die Gelddruckmaschinen werden also wieder angeworfen werden müssen, oder sehe ich das etwa falsch bei diesem Totalaus/reinfall....tragisch einfach nur

leonie11
7
4
Lesenswert?

Schulden

Soweit ich informiert bin wurden und werden keine Gelddruckmaschinen ( wie nach dem 1.Weltkrieg ) angeworfen, sondern Geld aufgenommen.
Diese Schulden zurück zuzahlen wird Aufgabe der Regierung sein, wobei ich dies der aktuellen türkis dominierten Regierung, welche neue Steuern für Vermögende ausschließt, nur insofern zu traue, in dem sie Sozialleistungen kürzt.

Dr.B.Sonnenfreund
2
6
Lesenswert?

Schulden zurückzahlen

Die Schulden zurückzuzahlen ist leider nicht die Aufgabe der Regierung, sondern die des Volkes,
Das ist die bittere Wahrheit liebe Leonie. Ein bisschen Lebenserfahrung (junges Alter, Rückschluss bei deinem Vornamen) fehlt dir wohl noch...

leonie11
6
3
Lesenswert?

Regierung/Schulden

Habe mit meinem Namen ein Pseudonym ( meiner Frau )gewählt.
Die Regierung nimmt Schulden auf - das Volk zahlt sie zurück - scheint Ihre Lebenserfahrung zu sein.
PS: Ersuche Sie mit allem Respekt mich NICHT zu duzen.
Wo bleibt Ihre Lebenserfahrung??

gluschitsch
0
0
Lesenswert?

leonie11

Feigling Pseudonym - zum posting und Namen stehen! dann Respekt einfordern!