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Teurer Rechtsstreit in PolenRBI stellt sich auf schleppendes erstes Halbjahr ein

Etwas höhere Neubildungsquote bei Risikovorsorgen erwartet, Institut hält an geplanter Dividende von 0,48 Euro je Titel fest. RBI in Polen weiter mit teurem Frankenkredit-Rechtsstreit beschäftigt.

RBI-Chef Johann Strobl
RBI-Chef Johann Strobl © (c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)
 

Nach dem Coronajahr 2020 dürfte auch heuer kein allzu leichtes Jahr auf die Raiffeisen Bank International (RBI) zukommen. Zumindest für das erste Halbjahr rechnet die Bank nur mit einem geringen Kreditwachstum, erst in der zweiten Jahreshälfte sei Besserung in Sicht. Konjunkturell dürfte es aber heuer wieder etwas bergauf gehen, nach den BIP-Einbrüchen 2020 rechnet die RBI für die für sie relevanten Märkte wieder mit einem Wirtschaftswachstum zwischen 3 bis 5 Prozent.

Das erste Halbjahr werde noch stark von den Corona-Infektions- und -Impfzahlen bestimmt sein, sagte Konzernchef Johann Strobl am Mittwoch bei der Bilanzpressekonferenz. Das dürfte sich in einem weiterhin schwachen Kreditwachstum niederschlagen. Für das zweite Halbjahr hofft Strobl dann auf eine Beschleunigung der Dynamik.

Ein dynamisches Kreditwachstum erwartet die Bank unter anderem in Tschechien, das Land soll ein neuer Schwerpunktmarkt werden. Im vergangenen Jahr sei in dem Land besonders auf die Kosten geachtet worden, die Personalkosten konnten um 15 Prozent reduziert werden, auch das Filialnetzwerk wurde gestrafft. In Tschechien werde auch das digitale Banking stark genutzt, 89 Prozent der Kunden würden die digitalen Kanäle nützen.

Die RBI will sich vor allem durch organisches Wachstum in Tschechien weiterentwickeln, in den vergangenen Wochen wurden aber mit der Equa Bank und dem Zahlungsverkehrsanbieter Akcenta auch Zukäufe getätigt. Darüber hinaus darf die RBI die tschechischen Privatkunden der ING-Bank, die sich aus dem Land zurückzieht, übernehmen. Mittelfristig, bis 2023, will die Bank ihre Kundenzahl in Tschechien auf 1,75 Mio. steigern. Tschechien ist nicht der einzige Markt, in dem sich die RBI Wachstum erhofft. Auch in Ungarn, Russland und Serbien sieht Strobl noch Potenzial für ein solides Kreditwachstum.

Höhere Risikovorsorgen

Bei den Risikovorsorgen bleibt die Bank weiter vorsichtig und rechnet heuer wegen der auslaufenden Moratorien und dem Ende der Staatshilfeprogramme mit einer Neubildungsquote von rund 75 Basispunkten. Ende 2020 lag sie bei 68 Basispunkten (0,68 Prozent). Ende 2020 waren noch Kredite in Höhe von 2,8 Mrd. Euro von Moratorien betroffen. Im Juli 2020 lag der Höchststand noch bei 10,7 Mrd. Euro. Das gesamte Kundenkreditvolumen lag zum Jahresende bei 90,7 Mrd. Euro (minus 0,6 Prozent zum Jahr 2019). Für Kreditausfälle legte die Bank 630 Mio. Euro zurück. Davon waren 288 Mio. Euro als "Stage 3", also als tatsächlich ausgefallen, klassifiziert. Der Rest seien Vorsorgen für die Zukunft, sagte Chief Risk Officer (CRO) Hannes Mösenbacher.

An den übrigen Mittelfristzielen hält die Bank weiter fest. Bei der Kostenquote (Cost-Income-Ratio) werden weiterhin 55 Prozent angepeilt, allerdings sei dies auch abhängig davon, wie rasch sich die Konjunktur erholt. Das mittelfristige Ziel für die Eigenkapitalrentabilität (Return on Equity/RoE) liegt bei 11 Prozent, für die harte Kernkapitalquote (CET1) bestätigt die RBI das Ziel von 13 Prozent (Ende 2020: 13,6 Prozent).

Auch an der geplanten Dividendenausschüttung von 0,48 Euro je Aktie hält das Institut fest. "Wir verfügen über eine gute Kapitalausstattung, die es uns erlaubt, mit unseren Kunden zu wachsen und gleichzeitig unsere Anteilseigner am Erfolg der RBI zu beteiligen", sagte Strobl laut Aussendung. Das Jahr 2020 sei schwierig und ungewöhnlich gewesen. Unter den gegebenen Umständen habe die Bank aber sehr gut performt. Die Zahlen blieben im wesentlichen unverändert zu den vorläufigen Ergebnissen, die bereits Anfang Februar veröffentlicht wurden.

Unterm Strich verdiente die Bank 804 Mio. Euro, das war in etwa ein Drittel weniger als im Vorjahr. Der Zinsüberschuss ging um 5 Prozent auf 3,2 Mrd. Euro zurück und der Provisionsüberschuss fiel um 3,3 Prozent auf 1,7 Mrd. Euro. Das Kundenkreditvolumen lag Ende 2020 bei 90,7 Mrd. Euro (minus 0,6 Prozent zum Jahr 2019).

Teurer Frankenkredit-Rechtsstreit in Polen

Auch rund zwei Jahre nach dem Verkauf der Polbank ist die RBI unterdessen in Polen mit Rechtsstreitigkeiten rund um das Thema Frankenkredite beschäftigt. "Das Thema wird uns noch einige Zeit beschäftigen und auch finanziell belasten", so Strobl. Bis Ende 2020 wurden für anhängige Rechts- und Steuerfälle in Polen knapp 90 Millionen Euro zurückgestellt.

Der Gesamtstreitwert der Fremdwährungsverfahren in Polen lag zum Ende des Jahres 2020 bei 159 Millionen Euro. Im worst case könnte jedoch ein Schaden von bis zu 800 Millionen Euro auf die Bank zukommen, so Strobl. Dies wäre aber nur dann der Fall, wenn alle betroffenen Kunden zum Gericht gingen und alle Gerichtsurteile zu dem Ergebnis kämen, dass die Kunden unfair behandelt wurden und das gesamte Wechselkursrisiko von der Bank zu tragen wäre. Strobl geht aber nicht davon aus, dass dieser schlimmste Fall auch eintreten wird. Das Schweizer Franken Portfolio liege derzeit noch bei etwas über 2 Milliarden Euro, so Strobl. Zum Zeitpunkt des Verkaufs der Raiffeisen Bank Polska (Polbank) 2019 lag es bei 3 Milliarden Euro.

Die bisherigen Gerichtsurteile in Polen zeigten eine sehr unterschiedliche Spruchpraxis, so Strobl. Es gebe jedoch derzeit Bestrebungen, die Grundfragen zu vereinheitlichen, weshalb der Oberste Gerichtshof in Polen nun mit der Beantwortung einiger Grundsatzfragen befasst werden solle. Eine Entscheidung wird für Ende März erwartet, heißt es im Geschäftsbericht der RBI. Das EuGH-Urteil vom Herbst 2019 habe lediglich eine Interpretationshilfe für die nationalen Gerichte geliefert, es bleibe aber weiter abzuwarten, wie die Gerichte im Einzelfall entscheiden.

Die Bank begrüße jedenfalls alle Bemühungen, die zur Reduktion der Unsicherheit in dieser Rechtsfrage führen, und sei weiter an einer Lösung sehr interessiert, so Strobl. Aus einer Initiative der polnischen Finanzaufsichtsbehörde (KNF) habe man sich allerdings zurückgezogen, da diese die Banken aus Sicht der RBI stärker belasten würde, aber keine Rechtssicherheit herstelle. Die Behörde habe in Polen tätige Banken gebeten, ein Konzept für einen möglichen freiwilligen Vergleich mit Frankenkreditkunden zu prüfen, bei dem die Kredite rückwirkend so behandelt werden sollten, als wären sie in polnischen Zloty gewährt worden. Damit würde die Belastung durch das Fremdwährungsrisiko aber zur Gänze auf die Banken übertragen, so die RBI.

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