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Um 400 Millionen EuroDaimler baut Stammwerk in Stuttgart zu Elektro-Campus um

Monatelang wurde um die Zukunft des Traditionsstandorts gestritten. Jetzt gibt es einen Plan.

Daimler Stuttgart
Daimler Stuttgart © (c) APA/dpa/Sebastian Gollnow (Sebastian Gollnow)
 

Das Daimler-Stammwerk in Stuttgart soll auch im Elektrozeitalter der wichtigste Standort des Konzerns für die Antriebstechnologie sein. Mehr als 400 Millionen Euro nimmt der Konzern in die Hand, um in Untertürkheim den "Mercedes-Benz Drive Systems Campus" aufzubauen. Wie bisher bei Verbrennungsmotoren soll das Werk damit künftig auch bei elektrischen Antrieben der Maßstab für das weltweite Produktionsnetz sein, wie Daimler am Freitag ankündigte.

Unternehmen und Betriebsrat hatten zuvor monatelang über die Zukunft des Standorts mit seinen rund 18.000 Beschäftigten verhandelt. Arbeitsplätze wird das Vorhaben auf lange Sicht allerdings trotzdem kosten - wie viele, ist offen.

Daimler-Forschungsvorstand Markus Schäfer, zugleich verantwortlich für das operative Geschäft der Autosparte Mercedes-Benz, sprach von einem "historischen Tag", und auch Betriebsratchef Michael Häberle befand: "Es gibt keine Verlierer."

"Es ging nur um die Geschwindigkeit der Umsetzung"

Untertürkheim soll nun deutlich mehr Elektro-Aufgaben bekommen als ursprünglich geplant. Unter anderem wird die Produktionskapazität für den sogenannten elektronischen Antriebsstrang verdoppelt. Zudem will Daimler künftig selbst Batteriezellen fertigen - wenn auch nur in Kleinserie vor allem für Testflotten. An der Ansicht, dass sich eine eigene Großserienproduktion nicht lohnt, hält der Konzern fest.

Weil der Bau von Elektroantrieben tendenziell weniger Beschäftigte erfordert als der von Verbrennern, war die Auslastung des Standorts der Knackpunkt in den Verhandlungen gewesen. Der Betriebsrat hatte sich vehement dagegen gesperrt, dass Verbrenner-Technologie abgezogen wird, um Platz für den Elektro-Campus zu schaffen, ohne dass es eine Kompensation für die wegfallende Arbeit gibt. Die gibt es nun. Dafür muss etwa die Kurbelwellenproduktion in Teilen tatsächlich weichen. Sie wird ins polnische Jawor verlagert.

"Grundsätzlich waren wir uns immer mit dem Betriebsrat einig, dass die Transformation umgesetzt werden muss", sagte Schäfer der Deutschen Presse-Agentur. "Es ging nur um die Geschwindigkeit der Umsetzung." Und es sei klar, dass die zunehmen müsse. Ganz glücklich ist Schäfer nach eigener Aussage nicht damit, dass man nun Monate mit Verhandlungen verbracht hat. Er würde am liebsten gleich nächste Woche mit dem Umbau beginnen.

"Sicherheit und Perspektiven"

Häberle betonte, der Betriebsrat habe immer gesagt, dass er zu Veränderungen bereit sei - "aber nicht zum kompensationslosen Streichen". Was man jetzt ausgehandelt habe, sei ein klares Bekenntnis zum Standort und seiner Belegschaft. "Es stellt Untertürkheim zukunftsfähig auf und gibt unseren Kolleginnen und Kollegen Sicherheit und Perspektiven", sagte Häberle.

Jobs kosten wird die Transformation trotzdem, auch wenn in einigen Bereichen sogar neue Arbeitsplätze entstehen sollen. "Wir werden die Belegschaft anpassen", sagte Schäfer. "In Summe wird es eine reduzierte Beschäftigung am Standort Untertürkheim sein." Um wie viele Stellen es geht, wollte am Freitag allerdings niemand sagen. Das sei in den Verhandlungen auch kein Thema gewesen, betonten Häberle und auch Werksleiter Frank Deiß.

An der "Zukunftssicherung 2030" rüttelt auch die neue Vereinbarung nicht. Stattdessen soll es - auch für Mitarbeiter der Produktion - freiwillige Abfindungsangebote geben. Beschäftigte, deren Stelle wegfällt, sollen sich zudem für andere Aufgaben qualifizieren lassen oder in ein anderes Werk wechseln können.

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