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Minus 20 ProzentCoronakrise löst schwere Rezession in Großbritannien aus

Die britische Wirtschaft ist deutlich schwerer von der Coronakrise betroffen als jene der EU. Das Scheitern der Verhandlungen zu einem Abkommen mit der EU könnten die Lage verschärfen.

Großbritanniens Premier Boris Johnson
Großbritanniens Premier Boris Johnson © AFP
 

Großbritannien ist wegen der Coronakrise in die schwerste Rezession seit Beginn der Aufzeichnungen gerutscht. Im zweiten Quartal schrumpfte die Wirtschaftsleistung um 20,4 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, wie das Statistikamt ONS am Mittwoch in London nach einer ersten Schätzung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für die Monate April bis Juni mitteilte.

Die Zukunft könnte noch düsterer aussehen: Experten rechnen mit einem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit. Auch der Brexit könnte die Wirtschaft belasten.

Verhandlungen stocken

Großbritannien hat die Europäische Union zwar bereits Ende Jänner verlassen, gehört aber bis Jahresende noch zum EU-Binnenmarkt und zur Zollunion. Die Gespräche zwischen London und Brüssel über ein Anschlussabkommen stocken aber. Ohne Einigung droht zum Jahreswechsel ein harter wirtschaftlicher Bruch mit Zöllen und Handelshemmnissen. Eine Frist zur Verlängerung dieses Übergangszeitraums ließ London Ende Juni ungenutzt verstreichen.

Die "doppelte Bedrohung" durch eine zweite Coronavirus-Welle und die langsamen Fortschritte bei den Brexit-Verhandlungen seien besorgniserregend, sagte Alpesh Paleja vom britischen Industrieverband CBI. Von der Regierung forderte er "maximale Agilität", um die Zukunft der Wirtschaft zu sichern.

Als Folge der Coronakrise rechnen Experten mit einem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit in den nächsten Monaten. Fast täglich kündigen britische Unternehmen bereits Stellenstreichungen an. "Hunderttausende haben ihren Job verloren - und leider werden in den kommenden Monaten noch viel mehr hinzukommen", sagte Finanzminister Rishi Sunak am Mittwoch dem Sender Sky News.

Drastische Maßnahmen

Der Konjunktureinbruch im zweiten Quartal kam nicht überraschend. Denn die Maßnahmen der Regierung zur Eindämmung der Pandemie waren vor allem in diesen Zeitraum gefallen. Großbritannien ist das Land mit den meisten Coronatodesopfern in Europa.

Die Regierung steht in der Kritik, zu spät auf den Ausbruch reagiert zu haben. Nun muss ihr der Spagat zwischen der Eindämmung des Erregers und der Rücksicht auf die Wirtschaft gelingen. Dabei warnen Experten bereits vor einer zweiten Coronawelle im Herbst.

Bereits im ersten Quartal hatten sich in der zweitgrößten Volkswirtschaft Europas Spuren der Pandemie gezeigt. In den Monaten Jänner bis März war die Wirtschaftsleistung im Quartalsvergleich um 2,2 Prozent gesunken. Sinkt die Wirtschaftsleistung zwei Quartale in Folge, sprechen Ökonomen von einer "technischen Rezession". Achtmal ist dies dem Statistikamt zufolge seit Beginn der Aufzeichnungen 1955 in Großbritannien passiert, nie aber in diesem Ausmaß.

Leichte Erholung

Nach dem Einbruch konnte sich die Wirtschaft aber ein wenig erholen. Im Juni stieg die Wirtschaftsleistung laut ONS um 8,7 Prozent im Monatsvergleich. In Großbritannien werden im Gegensatz zu anderen Industriestaaten auch monatliche Wachstumsdaten veröffentlicht.

Nach Angaben des Statistikamts stieg die Fertigung in den Industrieunternehmen im Vergleich zum Mai um 9,3 Prozent. Die Folgen der Coronakrise verdeutlicht aber der Jahresvergleich: Demnach lag die Fertigung im Juni um 12,5 Prozent niedriger als im Juni 2019.

Große Sorgen macht den Briten der prognostizierte starke Anstieg der Arbeitslosigkeit. Bisher federte die Regierung die Folgen der Pandemie mit einem Programm (Job Retention Scheme) ab, das der deutschen Kurzarbeit nachempfunden ist. Doch das läuft nun schrittweise bis Ende Oktober aus. Zahlte der Staat noch bis Ende Juli 80 Prozent der Gehälter und den Arbeitgeberanteil der Sozialabgaben, müssen Unternehmen seit August wieder selbst für die Sozialversicherungsbeiträge ihrer Angestellten aufkommen. Im September und Oktober kommen je zehn Prozent des Gehalts hinzu. Im November zieht sich der Staat dann komplett zurück.

Die Bank of England rechnet nicht mit einer schnellen Erholung. In ihrer kürzlich veröffentlichten Konjunkturprognose geht sie davon aus, dass die Wirtschaftsleistung des Landes erst Ende 2021 wieder das Niveau erreicht, das sie vor der Pandemie gehabt hat.

 

Kommentare (2)

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ichbindermeinung
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die schaffen das

sollte kein Problem sein, da sie keine 6-7 Milliarden pro Jahr mehr netto an die EU schicken müssen bzw. sie auch nicht die ca. 390 Milliarden Cornahilfsgleder anteilsmäßig zurückzahlen müssen. Interessant wäre mal nebenbei zu erfahren wie viele von den ca. 50.000 EU-Mitarbeitern Briten sind bzw. wie viele britische EU-Verwaltungs- Pensionisten es gibt und wer deren Gehälter/Pensionen in Zukunft zahlen wird u. wie viel das pro Jahr ausmacht

Peterkarl Moscher
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Wahrheit tut weh !

Raus aus der EU um jeden Preis die noch offenen Beträge
wird die EU wahrscheinlich nie bekommen und eine
teure Monarchie die Millionen kostet. Die englischen Politiker
führen das Land in eine Sackgasse, wo die Rückkehr sehr
teuer werden wird.