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SozialpartnerCorona-Kurzarbeit wird verlängert und reformiert

Die Sozialpartner haben sich auf eine Verlängerung und Neuregelung der Corona-Kurzarbeit um drei Monate geeinigt.

In Österreich wird weiter auf Kurzarbeit gesetzt
In Österreich wird weiter auf Kurzarbeit gesetzt © APA
 

Jetzt ist klar: Kurzarbeit soll in Österreich weiter forciert werden. Allerdings wird die zurzeit geltende Covid-19-Kurzarbeit adaptiert. Damit sollen Arbeitsplätze in der Krise gesichert werden, so die Vertreter von Arbeiterkammer, ÖGB und Wirtschaftskammer am Montag.

Die Corona-Kurzarbeit war zunächst mit drei Monaten befristet und kann nun um bis zu drei Monate verlängert werden. Vereinbarungen, die zum frühestmöglichen Zeitpunkt am 1. März begonnen haben, können also mit 1. Juni verlängert werden.

"Ein erfolgreiches Modell geht in die Verlängerung", freut sich ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian. Die Netto-Ersatzrate für Arbeitnehmer bleibe bei 80, 85 bzw. 90 Prozent. In Zukunft könne Arbeitnehmern kein Entgeltnachteil aus der Möglichkeit der Arbeitszeitdurchrechnung entstehen, da sich die Arbeitszeitdurchrechnung nicht auf die Entgeltfindung auswirke.

Arbeitgeber kann höhere Arbeitszeit anordnen

WKÖ-Präsident Harald Mahrer und WKÖ-Generalsekretär Karlheinz Kopf begrüßten in einer Aussendung ebenfalls die Sozialpartnervereinbarung: "Die Kurzarbeit ist ein wesentliches Instrument im Hilfspaket der Bundesregierung. Wir sichern damit Arbeitsplätze in unseren Betrieben und stützen den Wirtschaftskreislauf." Die neue Sozialpartnervereinbarung gelte sowohl für neue Anträge als auch für Verlängerungen und stehe seitens der WKÖ unter https://bit.ly/2LSP31A zur Verfügung.

Um das Hochfahren der Wirtschaft zu erleichtern, kann der Arbeitgeber nun unter bestimmten Voraussetzungen eine höhere Arbeitszeit anordnen als grundsätzlich vereinbart, so die WKÖ. Unternehmen müssten künftig nicht mehr die Sozialpartner bei Arbeitszeitänderungen verständigen. Der Beschäftigtenstand soll gehalten werden, die Vereinbarung sehe hier aber auch Klarstellungen und Lockerungen vor, so entfällt etwa mit Zustimmung der Gewerkschaft oder des AMS-Regionalbeirats die Behaltepflicht nach der Kurzarbeit.

Arbeit auf Abruf ist verboten

"Wir wissen nicht, wie lange diese Krise noch andauert, daher ist die Verlängerung der Corona-Kurzarbeit wichtig und richtig", sagt AK Präsidentin Renate Anderl.

Anderl streicht die verbesserte Planbarkeit für Arbeitnehmer hervor. In der neuen Vereinbarung ist Arbeit auf Abruf dezidiert verboten, Arbeitgeber müssen mindestens drei Tage im Voraus bekannt geben, wenn sie höhere Arbeitszeiten benötigen werden. "Ein weiterer wichtiger Punkt war uns, dass die Beschäftigten in Kurzarbeit die tatsächlich jedes Monat geleistete Arbeit auch bezahlt bekommen - nach dem Motto was es wiegt, das hat's."

Neu geregelt ist auch die Bezahlung für Lehrlinge, sie bekommen beim Wechsel des Lehrjahres oder bei erfolgreicher Lehrabschlussprüfung eine höhere Lehrlingsentschädigung beziehungsweise mehr Lohn und Gehalt. Außerdem sieht die Neuregelung eigene Dienstzettel für die Zeit der Kurzarbeit vor.

Kurzarbeit: Österreich auf Platz Zwei

Die Coronakrise hat indes in ganz Europa die Arbeitsmärkte voll erfasst. Alleine in den fünf größten Volkswirtschaften Europas seien 40 Millionen Menschen in Kurzarbeit, teilte die Agenda Austria am Montag mit. Anteilsmäßig liege Österreich an zweiter Stelle, nur in der Schweiz ist der Anteil höher.

Der Anteil der Kurzarbeit in Prozent der Erwerbswilligen (Arbeitskräftepotenzial: Erwerbstätige und Arbeitslose) lag den Agenda-Austria-Angaben zufolge in Österreich im April bei 29 Prozent, in der Schweiz waren es 40,1 Prozent. An dritter Stelle der insgesamt sieben untersuchten Länder befand sich Belgien (25,8 Prozent), gefolgt von Irland (25,4 Prozent) und Deutschland (23,8 Prozent). Am geringsten war der Kurzarbeitsanteil in Schweden mit 9,4 Prozent.

Kommentare (14)
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wirklichnicht
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Warum können Firmen mit Kurzarbeit hohe Gewinne an Eigentümer ausschütten?

Kurzarbeit soll ja verhindern, dass entweder die Mitarbeiter gekündigt werden oder die Firma pleite geht.
Derzeit ist es aber oft so, dass Firmen mit satten Gewinnen und guter Auftragslage auch um Kurzarbeit ansuchen, obwohl sie es aus eigener Kasse abdecken könnten.
Sie bekommen somit Geld vom Steuerzahler und schütten es danach als Gewinn an die Eigentümer aus. Das ist nichts anderes als eine Förderung auf Kosten des Steuerzahlers. Es wäre zumindest fair, wenn man Gewinnausschüttungen dann verbieten würde.

Amadeus005
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Weil manche Mitarbeiter nix zu tun haben und andere viel

Beispiel: Software-Verkauf boomt, bzw. ist unverändert. Aaber die Trainer sind arbeitslos, da die nicht zu Kunden dürfen. Ist nur ein Beispiel. Trotzdem bekommen Trainer Kurzarbeit und werden vom Staat anstatt der Firma durchgefüttert.

airzl
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Eigentümer haben auch Rechnungen

Vielleicht deswegen weil auch Eigentümer von Firmen Rechnungen zu bezahlen haben?
Kurzarbeit ist nicht gedacht um eine Firma, sondern um einen Arbeitsplatz zu retten, daher gibts hier keinen Zusammenhang ob eine Firma profitabel war/ist und Gewinne abwirft.

Balrog206
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Wer

hat nach dem lockdown gewusst wie es weiter geht ? Also haben natürlich viele angesucht , schon einmal rein aus Vorsicht !

wirklichnicht
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Na klar, rein aus Vorsicht...

... hat der Chef gesagt, als er den Gratis-Mercedes in Empfang genommen hat. Denn damit kann man Corona ja davonfahren.

fans61
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Die derzeit geltende Regelung funktioniert schon nicht.

Wie viele Unternehmer können es sich leisten Gehälter monatelang vorfinanzieren?
Dieser umständliche und sinnlose Weg über die WK anstatt über das Finanzamt erschwert die Auszahlungen dramatisch.
Oder traut Kurz seinem Freund und Finanzminister Blümel nicht über den Weg oder NICHTS zu?

scionescio
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"Ein weiterer wichtiger Punkt war uns, dass die Beschäftigten in Kurzarbeit die tatsächlich jedes Monat geleistete Arbeit auch bezahlt bekommen - nach dem Motto was es wiegt, das hat's."

Sinnentleertes Statement: der AN hält immer (unabhängig von der Anzahl der tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden solange es weniger als 90% der Normalarbeitszeit ist) 80,85 oder 90% seines Nettogehalts, nur für den AG ändert sich die Anzahl der Ausfallsstunden und damit der Zuschuss.
Entweder ist das Statement völlig aus dem Zusammenhang gerissen oder Frau Anderl weiß nicht im Ansatz wovon sie redet.

chrispap
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Was heist das ???

Wenn ich 80 Stunden im Monat arbeite,bekomme ich ja trotzdem nur 80 % von meinen Lohn,egal ob ich 10 std oder 100 stunden arbeite...mein Lohn wird immer nur 80% sein,oder???

scionescio
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@chrispap: Nein - das heißt es nicht unbedingt ...

... wenn du mehr als 90% der Normalarbeitszeit arbeitest (bei 38,5h ist die Normalarbeitszeit 166,71h pro Monat - 90% sind dann 150 Stunden) fällst du aus der Kurzarbeit heraus und bekommst den vollen Lohn (macht ja wohl auch Sinn: wenn du praktisch voll arbeitest, gibt es auch keinen Grund für Kurzarbeit).

Wenn du weniger als 90% und mehr als 10% der Normalarbeitszeit arbeitest, bekommst du immer 80,85 oder 90% (abhängig von deinem Gehalt) deines Nettogehalts - unabhängig davon, wie viele Stunden du tatsächlich in diesem Rahmen leistest.
Falls du in KUA bist, sollte dir das dein Betriebsrat (so vorhanden) erklärt haben oder dein AG hat dich ein Dokument unterschreiben lassen, wo dir genau das erklärt wird - anderfalls gibt das AMS dem Antrag auf KUA nicht statt ...

DukeNude
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das ist der derzeitige Stand

Achtung: wir befinden uns noch immer in einer provisorischen Abrechnung!
Mich irritiert, dass gerade wieder mit Netto-Garantien hantiert wird, da vorige Woche von einem Mitarbeiter der Task-Force die Aussage kam, dass wahrscheinlich auf Brutto-Garantien umgestellt würde, um genau dieses Problem zu beheben, da es genau wegen dieser Ungleichbehandlungen in einigen Unternehmen schon gewaltig rumort.

scionescio
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@DukeNude: da hast du Recht - und es ist traurig genug, was sich da die Regierung gerade leistet ...

... selbst zum Thema Urlaub/ZA während der KUA und der richtigen Abrechnung dazu bekommst du von drei Stellen vier Ansichten dazu ... durch die permanente Umfärbelung ist die Arbeitsfähigkeit der Beamtenschaft in arge Mitleidenschaft gezogen worden und die Vetternwirtschaft des Herrn Kurz macht es auch nicht besser

martinhs
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Urlaub und ZA

muss voll bezahlt werden und wird aus der Kurzarbeit herausgerechnet.

Mezgolits
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Wir sichern damit Arbeitsplätze in unseren

Betrieben und stützen den Wirtschafskreislauf.
Ich meine: Leider werden auch umweltschädli-
che Arbeitsplätze gesichert und - die stützen
die Miß-Wirtschaft. Erfinder Stefan Mezgolits

melahide
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I bin

Neugierig, wie viele von den 1,5 Millionen wieder zurück in die Arbeitswelt kommen. Die ganzen Konzerne wittern jetzt die Möglichkeit der Automatisierung, Verkleinerung, effektive Gewinnmaximierung.

Ohne tiefgreifende regionale Reform und regionalem Konsum wird das nichts mehr!