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Krisengewinner Versandhandel"Urknall" in der Handelslandschaft erwartet

Die Versandhandelsgruppe Unito, zu der unter anderem Marken wie Quelle, Otto oder Universal gehören, sieht sich als einen der Krisengewinner. Massive Rabattschlachten werden erwartet.

Unito-Chef Harald Gutschi ist überzeugt, dass im Handel kein Stein auf dem anderen bleiben wird © Christian Jungwirth
 

Jede Krise hat auch ihre Gewinner. Die Versandhandelsgruppe Unito, zu der unter anderem die Marken Quelle, Otto und Universal gehören, sieht sich als einen. Nach einer ersten Schockphase von sieben bis zehn Tagen liegen die Umsätze bei Unito seither zweistellig über dem Vorjahr. "Der Vertriebskanal online ist der Gewinner der Krise", sagte Unito-Chef Harald Gutschi am Mittwoch im APA-Gespräch.

Gutschi sieht die Coronakrise als Zäsur im Handel, er rechnet mit einem "Urknall" in der österreichischen Handelslandschaft. Geht es nach ihm, dürfte kaum ein Stein mehr auf dem anderen bleiben. In der nächsten Zeit erwartet der Unito-Chef massive Rabattschlachten und ein Händlersterben. Geschätzt jeder dritte Händler werde diese Phase wahrscheinlich nicht überstehen. Andere würden ihre Flächen reduzieren. Profitieren werde, wer online gut aufgestellt sei, vermutet Gutschi. Selbst im Lebensmittelhandel habe sich die Zustellung inzwischen durchgesetzt.

Einkaufsgewohnheiten geändert

In der Krise haben viele ihre Einkaufsgewohnheiten geändert. Bisherige Umfragen zeigten, dass die Menschen nun seltener einkaufen gehen als zuvor, dafür zielgerichteter, vermehrt im Internet und bargeldlos. "Der Wandel im Handel, der normalerweise in den nächsten zehn Jahren stattgefunden hätte, findet nun in einem deutlich kürzeren Zeitraum statt", so Gutschi.

Vor allem Möbel und Technik

Insbesondere in den Bereichen Möbel und Technik werde sich der stationäre Handel schwertun, Kunden zurückzubekommen, die nun der Onlinehandel für sich gewonnen habe, prognostiziert Gutschi. "Wir erwarten, dass hier zwei von drei Kunden online bleiben." Anders im Textilgeschäft, da werde vermutlich nur einer von drei Kunden online einkaufen.

Umsatzmäßig laufe es bei Quelle, Otto, Universal & Co derzeit sehr gut. Unito habe noch nie so viele Kühl- und Gefriergeräte, Laptops, Drucker, Spielkonsolen oder Yogamatten verkauft wie in den letzten Wochen. "Ich hätte nie gedacht, dass die Republik so viele Kühlgeräte braucht", sagte Gutschi. Zuerst hätten die Menschen Lebensmittel gehamstert und dann Kühlschränke, um diese zu lagern. "Wir gewinnen gerade viele Neukunden."

Rabattschlachten bereits in vollem Gange

Die Kehrseite der Medaille ist die Ertragssituation. Die Rabattschlacht im Handel ist bereits im Gang. Aufgrund der langen Schließperiode sind die Lager voll, viele locken daher mit günstigen Preisen, um ihre Ware loszuwerden. "Die Österreicher werden noch nie so günstig eingekauft haben wie zu dieser Zeit", sagte Gutschi. Für das Geschäftsjahr 2020/21 ließe sich der Ergebnisplan bei Unito nicht erreichen. Eine Umsatzprognose wagte Gutschi aufgrund der unsicheren Zeit nicht.

Zur Unito-Gruppe gehören fünf Marken (Otto, Universal, Quelle, Lascana, Oko) in sechs Ländern, wobei Österreich der Hauptmarkt ist. Unito gehört zwar zur deutschen Otto-Gruppe, hat aber in Graz und Salzburg Niederlassungen.

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