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GewerkschaftTourismus-Jobs: Zufriedenheit sinkt erneut

Angestellte im Tourismus sind mit ihren Jobs selten zufrieden. Vor allem im Umgang mit Führungskräften hapert es. Touristiker kritisieren "politische Agitation".

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Symbolbild © MNStudio - stock.adobe.com
 

Die Jobzufriedenheit im Tourismus ist aus Gewerkschaftssicht traditionell keine Erfolgsgeschichte. Nach einer Aufholbewegung im Arbeitsklima Index der Arbeiterkammer Oberösterreich in den Jahren 2016 und 2017, zeigte der Trend im vergangenen Jahr wieder nach unten und setzt sich auch heuer fort. Besonders der Führungsstil der Vorgesetzten wird so schlecht wie nie zuvor bewertet.

Im Vergleich zu anderen Branchen sind die Beschäftigten in Gastronomie und Hotellerie generell unzufriedener mit ihrem beruflichen Umfeld. Vor allem die Dienstplangestaltung und das Einkommen werden schlecht bewertet, geht aus der Sonderauswertung des Arbeitsklima Index hervor. Zudem sind Mitarbeiter im Tourismus mehr körperlichen Belastungen und Stress ausgesetzt - dies wird oft den direkten Vorgesetzten angelastet. "Es zeigt sich, wie wichtig eine gute Zeiteinteilung durch die Führungskraft für ein gutes Arbeitsklima ist", so der Vorsitzende des Fachbereichs Tourismus in der Gewerkschaft vida, Berend Tusch, am Donnerstag.

Arbeitgeber betonen Bedeutung der Mitarbeiter

Die obersten Touristiker der Wirtschaftskammer reagieren verärgert auf die "politische Agitation" der Gewerkschaft und der Arbeiterkammer, welche die Arbeitsbedingungen im Tourismus in einer Pressekonferenz anprangerten. "Wir sind uns selbstverständlich der enormen Bedeutung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bewusst, arbeiten laufend an Verbesserungen und haben bereits viel weitergebracht."

Dabei verwies die WKÖ auf die Lehrlingsentschädigungen, den Mindestlohn, die Mitarbeiterquartiere und die Überarbeitung der Berufsbilder und die Arbeitssicherheit. Die Bundessparte habe zudem ein Saisonverlängerungsmodell erarbeitet, das eine verlängerte Beschäftigung von Saisonmitarbeitern ermögliche.

Befehlsstruktur

Vor allem in der Gastronomie sind die Mitarbeiter in punkto Vorgesetzte frustriert. Die größte Unzufriedenheit herrscht laut der Auswertung bei Mitarbeitern aus den Bereichen Reinigung und Service. "Viele Chefs sind nicht beziehungsfähig", meinte Tusch. Oft herrsche Befehlsstruktur.

Auffallend ist, dass auch die jüngeren Mitarbeiter in Gastronomie und Hotellerie von ihren direkten Vorgesetzen nicht begeistert sind - in anderen Branchen hingegen ist diese Altersgruppe eher zufrieden. Das liege unter anderem an der schlechten Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, so IFES-Projektleiter Georg Michenthaler.

Ein geeigneter Führungsstil sei aber ein großer Hebel, um Mitarbeiter langfristig zu binden. Wer mehr Handlungsspielraum hat, ist mit der Führungskraft zufriedener. "Mitarbeiter wollen sich einbringen", so Tusch. Auch die allgemeine Jobzufriedenheit, das Arbeitsklima und die Zeiteinteilung beeinflussen die Wahrnehmung der direkten Vorgesetzten. Das Einkommen habe auffälligweise keinen großen Effekt auf die Führungszufriedenheit, meinte Michenthaler.

Bessere Ausbildung für Führungskräfte

Tusch fordert ein partnerschaftliches Miteinander, um kurzfristige "Job-Quickies" zu reduzieren und wünscht sich besser ausgebildete Führungskräfte wie Sous-Chefs oder Restaurantleiter. Er betonte, Verbesserungen auf sozialpartnerschaftlicher Ebene vorantreiben zu wollen. Um junge Mitarbeiter anzusprechen, verwies Tusch auf neue Hotelprojekte, etwa in Wien, in denen es lockerer zugehe. Da müssten aber auch die Gäste mitspielen, räumte Tusch ein.

Damit die Branche zum Beschäftigungsmagnet wird, fordert die Gewerkschaft von der künftigen Regierung Unterstützung. So soll es etwa zweckgewidmete Förderungen für die Schaffung von Personalunterkünften geben. Dafür könnten bestehende Betriebe, die nicht mehr rentabel sind oder nicht weitergeführt werden, herangezogen werden. "Flächen sind in jedem Bundesland vorhanden", so Tusch. Zudem soll die Ruhezeit der Beschäftigten wieder auf elf Stunden erhöht werden. Im Vorjahr ist sie von elf auf acht Stunden gekürzt worden. Tusch schlägt auch eine Tourismuskasse, wie in der Baubranche, vor.

Undurchsichtig

Die Befragung, die die Arbeitnehmervertreter heute als Auskoppelung vom Arbeitsklima Index der Arbeiterkammer Oberösterreich vor Medienvertretern präsentierten, sei "undurchsichtig", kritisiert die Wirtschaftskammer, werde ständig aus der Schublade geholt und habe zudem mit einer viel zu kleinen Stichprobe von 330 Befragten "wenig Aussagekraft". Eine erfolgreiche Branche werde jedes Jahr aufs Neue "angeschwärzt", so die Obfrau der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft, Petra Nocker-Schwarzenbacher, Hotellerie-Obfrau Susanne Kraus-Winkler und Gastronomie-Obmann Mario Pulker in einer Stellungnahme.

"Geflissentlich verschwiegen werden in dem Index wesentliche Tatsachen, wie etwa, dass der Jobmotor Tourismus- und Freizeitwirtschaft brummt und seit Jahren die Anzahl der Beschäftigten im Tourismus steigt, so Nocker-Schwarzenbacher. Allein in den vergangenen sechs Jahren seien 25.000 zusätzliche Beschäftigungsverhältnisse geschaffen worden.

Auch der Zeitpunkt für "die medialen Tiefschläge" sei perfide gewählt: "Wir rekrutieren gerade Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Wintersaison." Aktuell starte zudem eine Offensive der Branchen Hotellerie und Gastronomie gemeinsam mit dem Arbeitsmarktservice (AMS), um die Chancen in Tourismusberufen aufzuzeigen.

"Gäste kommen nur dann zu uns, wenn sie sich wohlfühlen, und dieses Wohlfühlen wird vor Ort zu einem großen Teil von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vermittelt, verwies die Kammer auf "gelebte Gastfreundschaft".. Die Basis dafür sei eine ordentliche Betriebsführung und ein Miteinander. Um weitere Verbesserungen in der Branche herbeizuführen, wünscht sich die Wirtschaftskammer als Vertreterin der Arbeitgeber "konstruktive Gespräche" mit den Gewerkschaften und der Arbeiterkammer anstelle von "permanentem und konzertiertem Negativ-Bashing" über die Medien.

Kommentare (1)

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Reipsi
1
6
Lesenswert?

Vielleicht sollte man

mehr für seine Angestellten tun um sie zu halten, Sklavenhaltung ist heute nicht mehr in.

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