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Umbau in ZwickauAlles Elektro: VW im größten Umbruch in Geschichte

Ab Ende 2019 sollen in Zwickau die ersten elektrischen Serienfahrzeuge der VW-Baureihe ID.3 vom Band gehen. 15.000 Autos sind bereits vorbestellt.

Ab Ende 2019 soll der ID.3 in Serien gehen
Ab Ende 2019 soll der ID.3 in Serien gehen © APA/AFP/Odd Andersen
 

Im Zwickauer Werk von VW läuft die Umrüstung von Verbrenner auf Elektro. Damit von Herbst an der ID.3 vom Band rollt, müssen tausende Mitarbeiter geschult, die Produktion umgekrempelt werden.

Noch ein wenig unsicher greift Martin Lehmann mit seiner Hand nach dem Klimakompressor des ID-Antriebsstrangs. Nach und nach wird der 31-Jährige mutiger, hebt die Fahrzeugkomponente hoch, dreht sie nach links und rechts - beziehungsweise deren virtuelles Abbild. Mit einer VR-Brille auf der Nase steht der Volkswagen-Mitarbeiter in einem virtuellen Showroom, der zum umfassendsten Weiterbildungsprogramm gehört, das der Autobauer in seiner Firmengeschichte bisher auf den Weg gebracht hat.

Massive Umschulung

Denn bevor das VW-Werk in Zwickau-Mosel von November 2019 an zur ersten E-Auto-Fabrik Deutschlands wird, müssen die rund 7.700 Mitarbeiter am Standort fit gemacht werden. Das sind rund 13.000 Trainingstage und mehr als 300 verschiedene Module, die je nach Aufgabenbereich wenige Stunden bis hin zu 24 Monaten für Experten umfassen können. In einem extra aufgebauten Containerdorf auf dem Werksgelände will das Unternehmen seine Beschäftigten für das Auto der Zukunft begeistern. "Wissen spielerisch vermitteln, gleichzeitig den Teamgeist fördern und Feuer entfachen für das Thema Elektromobilität", sagt Projektleiterin Katja Neef.

Unterdessen läuft der Umbau auf Hochtouren. Vor allem im Presswerk, in Montage und Karosserie wird nahezu alles umgekrempelt: Bis Mitte 2020 sollen in Zwickau nur noch Elektrofahrzeuge gebaut werden. Den Umbau bei laufender Produktion beschreibt Reinhard de Vries als "Umziehen im Kleiderschrank". "Alles beengt, muss aber laufen", sagt der Geschäftsführer Technik und Logistik bei VW Sachsen. "Wir haben noch eine Menge zu tun auf dem Weg zur E-Fabrik."

1.500 neue Roboter wurden angeschafft, die Hälfte ist bereits im Einsatz. In der 85.000 Quadratmeter großen Halle 2 für Karosseriebau wurde die alte Produktionsanlage abgerissen, hier und da wird gehämmert, es fliegen Funken vom Schweißen. Ein Teil der Roboter mit den großen Greifarmen wartet noch auf den Einsatz - sie werden gerade neu programmiert für einen E-Geländewagen.

200 Testfahrzeuge

Das erste vollelektrische Fahrzeug, der ID.3, läuft schon automatisch durch die Produktion, mehr als 200 Testfahrzeuge wurden bisher gebaut. Die ersten Serienfahrzeuge rollen Ende 2019 vom Band. "Es überschneidet sich alles, das ist die Herausforderung", erklärt Karosseriebau-Leiter Heiko Rösch. Ist der Umbau im Zwickauer Werk im nächsten Jahr abgeschlossen, läuft vieles automatisch. Viele Teile, etwa das Cockpit, wurden bisher von Hand eingebaut - künftig übernimmt ein Roboter die Arbeit. An der 60 mal 100 Meter langen Anlage stehen künftig nur noch 9 Mitarbeiter, bisher waren es 25 - in einer Schicht.

Volkswagen setzt für seine neuen Modelle auf eine Art Baukastensystem für Elektroautos - dem sogenannten Modularen Elektrifizierungsbaukasten (MEB). Auf eine Plattform wird die Technik samt Batterie - und die jeweilige Karosserie gebaut. Sechs ID-Modelle und drei Konzernmarken sollen künftig aus Zwickau kommen, bisher wurden hier der Golf Variant und der Passat gefertigt. Die Produktion läuft zwar noch, wird aber Stück für Stück herunter gefahren.

15.000 Vorbestellungen

"Zwickau ist die Keimzelle, hier fällt der Startschuss", sagt de Vries - und meint damit den Weg in die E-Mobilität. Er gibt sich optimistisch: Vor gut drei Wochen hat VW die Vorbestellungen für seinen Hoffnungsträger ID.3 im Internet gestartet, mehr als 15.000 Bestellungen für die zunächst auf 30.000 Fahrzeuge beschränkte Premieren-Edition sind schon eingegangen. Bis 2022 soll es dann acht Standorte geben, an denen Volkswagen E-Autos nach dem Baukastenprinzip fertigt, unter anderem in Emden und Hannover aber auch im US-amerikanischen Chattanooga sowie in China.

Rainer Pilz ist VW-ler durch und durch. Seit 1990 stand er am Band in Mosel, zu DDR-Zeiten arbeitete er noch bei Sachsenring. Jetzt bringt der 59-Jährige kurz vor der Pension seinen Kollegen die neue elektrische Realität bei. "Ich habe einfach nochmal eine Herausforderung gesucht und mich zum Trainer ausbilden lassen", erzählt er schmunzelnd. Es mache Spaß, seinen Kollegen die neue Technik zu erklären. "Ich spreche ihre Sprache und kann sie gut abholen, auch wenn sie zunächst skeptisch sind."

Und diese Skepsis scheint durchaus berechtigt: Allein in der Montage wird sich der Automatisierungsgrad von 12 auf knapp 30 Prozent mehr als verdoppeln. Das heißt: weniger Personal. Um diese Veränderungen aufzufangen - laut Personalchef Dirk Coeurs soll keiner seinen Job verlieren - will VW mehr Autos auf die Straße bringen. Statt bisher jährlich 300.000 Fahrzeugen sollen in Zwickau künftig 330.000 und damit jeden Tag 1.500 Autos vom Band rollen.

Verkauft werden sollen sie nicht nur in Deutschland, sondern vor allem im Rest der Welt - allen voran in China, wo der VW-Konzern zuletzt 40 Prozent seiner Jahresproduktion von 10,8 Millionen Fahrzeugen abgesetzt hat. Insgesamt 44 Milliarden Euro investiert der Konzern in den kommenden fünf Jahren in E-Mobilität, autonomes Fahren und Digitalisierung.

 

Kommentare (9)

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Miraculix11
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Nicht einmal die Premieren-Edition ist ausverkauft

Nur 15.000 Bestellungen bisher. Das ist eine halbe Tagesproduktion an Verbrennern.

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scionescio
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Die early Adopters haben schon alle ihr Model 3 vorbestellt ...

... und suchen jetzt verzweifelt Dumme, denen sie ihre Schüssel andrehen können;-)
Gebrauchte eAutos haben aktuell den gleichen Wertverlust wie Handies - da jetzt auch die seriösen Autobauer einsteigen und im Vergleich zu Tesla sogar Ersatzteile und ein umfassendes Werkstättennetz liefern können, natürlich technologisch auf dem letzten Stand sind (so wie jede neue Handygeneration deutlich leistungsfähiger ist, als die Generation vor einem Jahr) und selbstverständlich viel kostengünstiger produzieren können, wird der Markt gerade bei wenig Nachfrage mit gebrauchten Tesla’s überschwemmt ... scheint so, als ob die naiven Fanboys langsam genug von ihrer schleichenden Verzichtserklärung haben;-)

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georgXV
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genauso ist es !!!

gebrauchte Teslas (und andere) sind zur Zeit beim Verkauf von Privat an Privat praktisch unverkäuflich !!!

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scionescio
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... und seriöse Händler nehmen ein gebrauchtes eAuto nur mit einem neuen Akkupack in Zahlung ...

... das aber meistens gleich viel oder sogar mehr kostet, als das ganze eAuto noch wert ist!

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hbratschi
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echt toll,...

...wie sich vw (und auch die meisten anderen autobauer) vor den chinesischen karren spannen lassen. da dürften wieder einige manager ausgesorgt haben. statt auf wirklich inovatives und auch in europa machbares wie wasserstoff zu setzen, rennen sie schön brav den chinesen nach und damit ins selbst für den blindesten blinden vorhersehbare verderben...

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georgXV
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???

die e-Mobilität ist zur Zeit LEIDER nur etwas für den Stadt- und maximal Regionalverkehr !!!
Für den Fernverkehr ist die reine e-Mobilität zur Zeit LEIDER NICHT geeignet !!!
LEIDER forschen Heerscharen von Ingenieuren seit Jahrzehnten (zumindest seit 5 bis 10 Jahren) erfolglos nach neuen Batteriekonzepten !!!
Hier konnte bis jetzt LEIDER noch NICHT der "Stein der Weisen" gefunden werden !!!

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scionescio
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Wie pflegte ein ehemaliger Kollege aus der Forschungsabteilung zu sagen: „Die Physik ist a Hund ...“

Große Sprünge sind in dieser Technologie nicht mehr zu erwarten, die paar Prozent Verbesserung werden die gravierenden Nachteile des Akkus (viel zu wenig Energieinhalt bezogen auf Gewicht und Volumen, Brandgefahr bei leichten Deformationen durch Kurzschluss, Umweltschädlichkeit wegen Fehlens einer wirtschaftlichen Recyclingmöglichkeit, Kosten, ...) auch die nächsten Jahrzehnte nicht kompensieren können - damit sind eAutos mit Akkus maximal Nischenprodukte als Zweitauto für einen sehr begrenzten Anwenderkreis (Eigenheimbesitzer im Speckgürtel mit PV am Dach und maximal 50km zur Arbeit).
Erste wirklich innovative/disruptive Ideen zur Energiespeicherung (Wasserstoff?) werden dem E-Motor zum berechtigten Durchbruch verhelfen - zusammen mit sinnvollen Sharingkonzepten wird es dann erstmals umweltfreundliche Mobilität geben.

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gerbur
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@scionescio

Das dürfte auch VW so sehen, ihre e Auto Initiative ist für längstens 20 Jahre ausgelegt. Inwieweit die Akku Technologie ausgereizt ist, kann ich nicht sagen, nur - man hat sich schon oft bezüglich Technologiefortschritt getäuscht. Ich habe alle Bände des VDI seit 1902 und da gibt es viele Berichte , die sinngemäß folgenden Satz zur Einleitung haben: ... jetzt, da alle großen Erfindungen gemacht wurden, geht es nur mehr um geringfügige Verbesserungen....!

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scionescio
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@Gerbur: selbstverständlich bin ich auch davon überzeugt, dass es ständig technologische Fortschritte geben wird ...

... aber von Zeit zu Zeit muss man das Konzept ändern, um noch große Sprünge machen zu können.
Die Glühbirne war irgendwann so ausgereizt, dass Verbesserungen (zB Glühfaden) nur mehr Effizienzsteigerungen im kleineren Prozentbereich gebracht haben. Daher ist man auf andere Technologien übergegangen (Leuchtstoffröhren, Energiesparlampe, etc.) Aber so wie die Energiesparlampe kann der Akku wegen der elektrochemischen Restriktionen nur ein Zwischenschritt sein - den Durchbruch hat erst die LED gebracht. Daher ist es schade um die Zeit und ganz schlecht für die Umwelt, weiter am Akku als Energiespeicher festzuhalten (leider haben wir diesen Schwachsinn der Geldgier und dem Marketingtalent des Herrn Musk zu verdanken!), statt Geld in die Forschung in eine echte Innovation zu investieren. Mit den zig Milliarden, die allein eine vernünftige Infrastruktur in Europa kosten würde, hätte man unter Garantie in ein paar Jahren eine nachhaltige, umweltfreundliche Alternative finden können - und bis dahin sind in Summe moderne, konventionelle Fahrzeuge die beste Lösung!

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