US-Zölle auf Alu und StahlSo wird die türkische Währungskrise weiter angeheizt

Türkische Lira verliert an einem Tag 19 Prozent ihres Werts. Erdogan ruft zum Tausch von Fremdwährungen auf. US-Präsident Trump erhöht Zölle.

Der Kurs der Lira fällt dramatisch
Der Kurs der Lira fällt dramatisch © AP
 

Inmitten eines erbitterten Streits um die Inhaftierung eines US-Pastors und des dramatischen Absturzes der türkischen Lira hat US-Präsident Donald Trump neue Strafzölle gegen die Türkei verhängt. Unter Verweis auf die schlechten Beziehungen zur Türkei verkündete Trump am Freitag im Kurzmitteilungsdienst Twitter eine Verdoppelung der Zölle auf Stahl und Aluminium.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan rief zum "nationalen Kampf" gegen den "Wirtschaftskrieg" auf, während die Lira um 19 Prozent einbrach.

"Ich habe gerade die Verdoppelung der Zölle auf Stahl und Aluminium aus der Türkei genehmigt, da ihre Währung, die türkische Lira, rasch gegenüber unserem sehr starken Dollar fällt!", schrieb Trump auf Twitter. "Unsere Beziehungen mit der Türkei sind derzeit nicht gut!" Die Beziehungen der beiden NATO-Partner werden derzeit durch eine ganze Reihe von Streitfragen belastet, darunter die Inhaftierung des US-Pastors Andrew Brunson.

Bereits in vergangenen Tagen dramatisch eingebrochen

Trump verhängte vergangene Woche Sanktionen gegen zwei türkische Minister, nachdem ein Gericht das Verfahren gegen den evangelikalen Geistlichen aufrecht erhalten hatte. Ein hochrangiges Treffen am Mittwoch in Washington brachte keine Lösung. Ökonomen fürchteten bereits, dass die USA den Druck weiter erhöhen würden.

Angesichts des Streits um Brunson war die türkische Lira bereits in den vergangenen Tagen dramatisch eingebrochen, doch trieb die Verhängung der Strafzölle die Währung nun weiter in den Abgrund. Nach Trumps Tweet erreichte die Lira 6,62 zum Dollar - das war ein Verlust von 19 Prozent an einem Tag. Befeuert wird der Absturz aber auch durch die Untätigkeit der Zentralbank und die Unwilligkeit der Regierung, ihren wirtschaftspolitischen Kurs anzupassen.

"Nationaler Kampf gegen den Wirtschaftskrieg"

Bei einer Kundgebung in Bayburt rief Präsident Erdogan zum "nationalen Kampf" gegen den "Wirtschaftskrieg" auf. Zudem appellierte er an die Türken, ihre ausländischen Devisen in Lira umzutauschen, um ihren Kurs zu stützen: "Wenn Ihr Dollar, Euro oder Gold unter dem Kopfpolster habt, geht zur Bank und tauscht es in türkische Lira. Dies ist ein nationaler Kampf."

Noch während Erdogan in Bayburt sprach, stürzte die Lira weiter ab. Der Präsident, der wiederholt eine ausländische Verschwörung gegen die Türkei beklagt hatte, machte in der osttürkischen Stadt eine "Zinslobby" für den Verfall der türkischen Währung verantwortlich. Am Vorabend hatte er gesagt: "Sie mögen ihre Dollar haben, doch wir haben unser Volk, unser Recht und unseren Gott."

Die Äußerungen Erdogans verstärkten den Eindruck, dass der Präsident weiter nicht gewillt ist, gegen den Verfall der Lira einzuschreiten. Ökonomen drängen auf eine Anhebung der Leitzinsen, doch ist Erdogan ein erklärter Gegner hoher Zinsen. Zwar ist die Zentralbank nominell unabhängig, doch steht sie massiv unter Druck der Regierung.

Finanz- und Wirtschaftsminister Berat Albayrak, der zugleich der Schwiegersohn Erdogans ist, betonte am Freitag bei der Vorstellung eines "neuen Wirtschaftsmodells" für die Türkei die Bedeutung der Unabhängigkeit der Zentralbank. Seine Äußerungen hatten jedoch keine Auswirkungen auf den Lirakurs.

EZB in Alarmbereitschaft

Die Turbulenzen rund um die türkische Landeswährung Lira wirken sich negativ auf die Mailänder Börse aus. Unter Druck gerieten am Freitag die Aktien der Bank-Austria-Mutter UniCredit, die in der Türkei die Tochter Yapi Kredi kontrolliert, sowie des Autobauers Fiat Chrysler (FCA), der in der Türkei den Konzern Tofas besitzt.

Die EZB-Bankenaufseher schauen sich einen Medienbericht zufolge wegen des drastischen Verfalls der türkischen Währung die Verbindungen europäischer Geldhäuser zu dem Land an. Insgesamt würden die Aufseher die Situation zwar noch nicht als kritisch einstufen, berichtete die "Financial Times" am Freitag unter Berufung auf zwei mit dem Vorgang vertraute Personen.

Die Großbanken BBVA aus Spanien, die italienische Bank-Austria-Mutter UniCredit und die französische BNP Paribas seien aber besonders exponiert. Diese hätten bedeutende Geschäfte in dem Land am Bosporus. Die Aufseher würden die Situation schon seit einigen Monaten verfolgen.

Kommentare (3)

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hermannsteinacher
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"Uni-Credit besonders exponiert"

klingt aber nicht besonders gut.

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voit60
1
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Kampf der Wahnsinnigen

ich gönne es dem Türken.

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tisi
1
2
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Schmalspursuldan

Trump läst sich nicht wie die EU vom möchtegern Suldan auf der Nase herumtanzen.

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