Als erste Firma in Österreich 30-Stunden-Woche bei vollem Gehalt

Ein IT-Unternehmen aus Oberösterreich will in die nachhaltige Mitarbeiterzufriedenheit investieren und plant ab Oktober die 30-Stunden-Woche bei gleichbleibendem Gehalt einzuführen.

Die Firma eMagnetix führt ab Oktober die 30-Stunden-Woche bei vollem Gehalt ein © eMagnetix
 

Die eMagnetix Online Marketing GmbH in Bad Leonfelden in Oberösterreich geht in Zeiten, wo um eine ausnahmsweise Höchstarbeitszeit von 12 Stunden am Tag gefeilscht wird, den umgekehrten Weg: Sie führt ab Oktober die 30-Stunden-Woche ein, bei gleichbleibendem Gehalt. "Wir investieren in nachhaltige Mitarbeiterzufriedenheit", sagte Geschäftsführer Klaus Hochreiter.

Laut eigenen Angaben als erstes Unternehmen in Österreich und Europa führt eMagnetix die 30-Stunden-Woche ein. Mehr Lebensqualität, positive Auswirkungen auf Gesundheit, Motivation und Produktivität der Angestellten und ein Argument für schwer zu findende neue Mitarbeiter soll sie der Online-Marketing-Firma bringen. Das Gehalt bleibe gleich, um der Annahme von Zweitjobs und Altersarmut nicht Tür und Tor zu öffnen. Das wäre genau nicht der Sinn der Aktion, die die Work-Life-Balance verbessern soll.

UMFRAGE

Ein IT-Unternehmen aus Oberösterreich führt die 30-Stunden-Woche bei vollem Gehalt ein. Marketing-Gag oder beispielhafte Mitarbeiterförderung?

Diese Umfrage ist seit Donnerstag, 22. Februar 2018 22:00 Uhr zu Ende!

Finanzierung über Prozess-Optimierung

Finanziert werden soll das Modell durch Prozess-Optimierungen und zum Teil durch Reinvestitionen aus dem Gewinn. Die Entscheidung dafür wurde im Jänner getroffen, nach einer zweimonatigen Testphase im Herbst. Bereits im Mai 2016 wurde die Idee den 22 Mitarbeitern das erste Mal kommuniziert, erklärte Hochreiter. "Wir haben ihre Hilfe benötigt." Nur so war zu eruieren, wo Zeit einzusparen ist.

Zwischenschritt: 34 Stunden

In einem Zwischenschritt ab Juni wird die Arbeitszeit auf 34 Stunden gesenkt. Die wenigen Teilzeitkräfte müssen natürlich nicht durch die Finger schauen. "Sie erhalten eine aliquote Lohnerhöhung", versicherte Hochreiter. Mehr Leute sollen wegen der gesunkenen Arbeitszeit nicht eingestellt werden, aber das 2008 gegründete Unternehmen wachse ohnehin seit Jahren. "In den letzten 5 Monaten haben wir 6 neue Mitarbeiter bekommen", so der Geschäftsführer.

Erfolgreiche Testphase

Die Zusammenarbeit zwischen den Mitarbeitern habe durch die Arbeitszeitverkürzung in der Testphase nicht gelitten, betonte Hochreiter. Positive Effekte waren mehr Zeit für Sport, Familie, andere Hobbys und: "die Mitarbeiter haben noch Tageslicht abgekriegt im Winter", führte er einen wichtigen gesundheitlichen Aspekt an. Galt im Test eine Tagesarbeitszeit von 8 bis 14 Uhr, soll das ab Oktober flexibler werden. Man kann auch einmal einen Tag 8 Stunden arbeiten und dafür ein anderes Mal - noch - früher gehen. "Wir haben sowieso Gleitzeit. Es ist wichtig, diese Flexibilität zu erhalten."

"Das Modell funktioniert bei uns, das heißt nicht, dass es auch bei anderen funktionieren muss", spielt der Geschäftsführer auf Versuche in einem schwedischen Altersheim an, die zu erheblichen Mehrkosten geführt haben und eingestellt wurden. Für den 1981 Geborenen ist der Paradigmenwechsel bei den jungen Generationen - nicht "leben um zu arbeiten", sondern "arbeiten um zu leben" - nichts Fremdes. "Wir sind persönlich davon überzeugt", spricht er auch für den zweiten Geschäftsführer Thomas Fleischanderl.

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eleasar
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Ich arbeite auch seit Jahren bewusst in einer 32-Stunden-Woche.

Bin den ganzen Tag im grafischen Bereich am Computer tätig und bringe in dieser konzentrierten Zeit einfach mehr weiter, als wenn ich gezwungenermaßen 38,5 oder mehr Stunden arbeiten müsste. In dieser Zeit bin ich zu 100 % da, topmotiviert, hochkonzentriert und dadurch sehr produktiv. Unproduktive Leerlaufzeiten durch Müdigkeit am Morgen oder Abend fallen weg. Auch die Fehlerhäufigkeit sinkt, wodurch ich weniger Arbeiten zweimal machen muss. Wie hier andere schon geschrieben haben, ist gute Arbeit eine Frage der Intensität und nicht unbedingt der Anwesenheitszeit.

Natürlich gibt es Branchen, in denen das anders läuft. Gesundheitsbereich und Handel zB.

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Balrog206
18
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Wer

38,5 Std arbeitet, in der Woche , kann für mich nicht überlastet sein ! Bei 50-70 Std und das über längeren Zeitraum ok !

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Butterkeks
0
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...

Nicht die Länge machst, sondern die Intensität.

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Sonne100
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Unverantwortlich!

Ich bezeichne mich als Sozi, kann aber so ein Verhalten absolut nicht verstehen! Warum unsere Roten diese Thema immer noch nicht aufgegriffen haben, ist mir absolut unverständlich!
-> zum Thema: wir haben über 400000 Arbeitssuchende, die sich freuen würden arbeiten zu dürfen (auch für etwas weniger Geld). Auf der anderen Seite völlig überlastete AN, welche nicht wissen was zuerst gemacht werden soll und kurz vor einem Burnout stehen.
Und hier redet man über 30h bei vollem Lohnausgleich! Wie wäre es mit gerechter und sozialer Arbeitsverteilung???
Hr. Kern das wäre doch mal ein Thema für Sie!

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büffel
2
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Zitat

"Ich zahle nicht gute Löhne, weil ich viel Geld habe, sondern ich habe viel Geld, weil ich gute Löhne bezahle."

Robert Bosch (deutscher Industrieller, Ingenieur und Erfinder)

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duesentrieb1
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Fast nicht zu glauben

Es gibt also doch noch Unternehmen, die sich gegenüber ihren Mitarbeitern verantwortlich zeigen. Denen das Wohlbefinden der Kollegen etwas wert ist. Alle Achtung

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selbstdenker70
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...

Ja, und was macht so eine Firma wenn die Gewinne nicht mehr da sind?? Dann wird als erstes beim Personal eingespart. Da hast dann etwas davon. Zwei, drei Jahre weniger arbeiten dafür bist dann arbeitslos. Jede Medaille hat zwei Seiten. Geschenktes Geld gibt es in Berufsleben nicht.

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glashaus
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Weitsicht

dazu gehört eben Weitsicht der Führungsriege und nicht immer nur das schielen auf Gewinnmaximierung. Leider fehlt dies bei vielen Unternehmen. Lieber auf die Gewerkschaften schimpfen und den Druck auf die Arbeitnehmer permanent erhöhen.

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