Bitcoin-BetrugRocket-Chain: Nun werden Optioment-Opfer unter Druck gesetzt

Rocket-Chain verspricht Opfern des Bitcoin-Betrugs Optioment Ausgleichszahlungen. Allerdings nur, wenn diese stillhalten. Die Hintermänner waren Teil des Optioment-Systems.

Im Webarchiv existieren noch Abbilder der Optioment-Webseite
Im Webarchiv existieren noch Abbilder der Optioment-Webseite © www.archive.org
 

In der Causa Optioment ermitteln Staatsanwaltschaft und Interpol wegen verlorener Anlegergelder. Die Spur der verlorenen Bitcoins führt offenbar in die Karibik zur Firma "GoUrl.io", berichtet der "Standard" am Dienstag. Nach der Kleinen Zeitung, berichtet nun auch die "Presse"über "Rocket-Chain", einem dubiosen "Ausgleichsfonds", der gezielt Opfer von Optioment anspricht und mit abstrusen Renditen wirbt.

100 Prozent pro Monat.

Die geschädigten Anleger, die ihr - echtes - Geld in das Bitcoin-Anlegermodell von Optioment steckten, werden nun vom angeblichen Anlegerhilfsverein "RCIID" (Rocket Chain Institute for International Development) angesprochen, der auf seiner Homepage mit dem Motto "Von uns für uns" wirbt. Dahinter sollen laut den Zeitungsberichten aber teilweise dieselben Leute wie bei Optioment stehen. Gründungsmitglieder von Rocket-Chain sollen organisatorisch direkt unter den drei Musketieren gestanden sein. Laut Informationen der Kleinen Zeitung haben sie bis zu 30 Prozent der Investments als Provision einbehalten. Geld, das sie den Opfern allerdings nicht anbieten.

Opfer des Betrugsnetzwerkes haben sich bei der Kleinen Zeitung gemeldet und berichten, dass die Hintermänner von Rocket-Chain damit drohen, dass man nichts vom "Ausgleichsfonds" bekomme, wenn man sich an die Staatsanwaltschaft wendet oder Rocket-Chain öffentlich kritisiert. Die Betroffenen wollen anonym bleiben, weil sie weiterhin  hoffen, zumindest einen Teil des Gelds zurückzubekommen.

Während Optioment mit "2 bis 4 Prozent Rendite pro Woche" beworben wurde, werden für RCIID in einer Präsentation nun noch exorbitante "100 bis 200 Prozent pro Monat" versprochen, so die "Presse". Gratis ist die Teilnahme an dem angeblichen "Ausgleichsfonds" aber auch nicht, ein Mitgliedsbeitrag wird gefordert.

Spur in die Karibik

Mit rund 100 Millionen Euro bezifferte die Landespolizeidirektion Wien kürzlich den Schaden im mutmaßlichen Pyramidenspiel des Bitcoin-Portals Optioment, so der "Standard". Die Spur der Bitcoin-Zahlungsflüsse von Optioment führe in die Karibik, wo auf der Antillen-Insel Dominica eine Firma namens GoUrl.io, ein Zahlungsdienstleister für Kryptowährungen, ihren Sitz habe, zitiert die Zeitung Johannes Grill, Vorstand des Vereins Bitcoin Austria. Was GoUrl.io - die Länderdomain kennzeichnet das Britische Territorium im Indischen Ozean - mit dem eingegangen Geld gemacht habe, sei nicht mehr einsehbar. GoUrl.io ist eine Schnittstelle, wo man kryptografisches gegen herkömmliches Geld wechseln kann.

Ermittlungen laufen

In der Sachverhaltsdarstellung der Finanzmarktaufsicht FMA an die Staatsanwaltschaft bezüglich Optioment ist diese Vereinskonstruktion jedenfalls bereits erwähnt, so der "Standard". Die Finanzmarktaufsicht (FMA) hatte Optioment im Jänner mit dem Verdacht auf Betrug, Pyramidenspiel und Verletzung des Kapitalmarktgesetzes angezeigt. Neben den drei Musketieren dürfte ein weiterer Österreicher in den Fall verwickelt sein. Der namentlich bekannte Tiroler Unternehmer soll den Kontakt zwischen den Musketieren und den angeblichen Gründern von Optioment hergestellt haben. Seine Rolle in dem System ist allerdings unklar.

Experten warnen seit langem, dass Versprechungen von sehr hohen Renditen und Prämien für die Werbung weiterer Anleger auf Unseriösität und ein hohes Risiko bzw. auf ein Pyramidenspiel, das in absehbarer Zeit zusammenbrechen muss, hindeuten.

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