Magna, Daimler, Mondi und Co.So funktioniert die Steueroase Österreich

Multinationale Konzerne sparen in Österreich rund 80 Prozent der Steuerleistung. Dabei gehen die Firmen äußerst trickreich vor.

Wien: Drehscheibe des Steuerfluchtkarusells?
Wien: Drehscheibe des Steuerfluchtkarusells? © APA/HELMUT FOHRINGER
 

Viel wurde in den vergangenen Jahren getan, um Österreich davor zu schützen, als Steueroase gebrandmarkt zu werden. Doch Untersuchungen des Consulting-Unternehmens Orbis, die der deutschen Wochenzeitung Zeit vorliegen, zeigen, dass vor allem internationale Konzerne in Österreich ideale Bedingungen vorfinden, um ihre Steuerleistung zu reduzieren.

Ein Beispiel findet sich in Lannach. Die Magna Powertrain, zuständig für die Entwicklung und Produktion von Antriebssträngen, hat 2015 einen Umsatz von rund einer Milliarde Euro erwirtschaftet und 35 Millionen Euro Gewinn geschrieben. Die Steuerleistung: 45.000 Euro. Hier handelt es sich auch keineswegs um einen Einmaleffekt. Denn die Zahlen für die Jahre 2012 bis 2014 sind ähnlich. In einer Stellungnahme gegenüber der Kleinen Zeitung schreibt Magna International: "Wir sind ein global tätiges Unternehmen und kommen unseren Steuerpflichten nach. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir darüber hinaus keine weiteren Angaben öffentlich machen können."

Zum Vergleich: Ein Unternehmer, egal ob Gastwirt, Taxifahrer oder Trafikant, der es schafft im Jahr 100.000 Euro Gewinn zu schreiben, kommt auf eine Steuerleistung von rund 38.000 Euro.

Steuerflucht mit System

Das Beispiel von Magna ist in Österreich kein Einzelfall. Wie weitreichend das Steuersystem auf legalem Weg ausgenutzt werden kann, zeigt auch das Beispiel Unilever, bekannt durch Marken wie Knorr, Lipton, Eskimo, Dove uvm. Weltweit macht der Konzern rund sieben bis acht Milliarden Euro Gewinn und führt rund um den Globus dafür gut zwei Milliarden Euro an Steuern ab, im Schnitt also gut 25 Prozent.

Nicht so in Österreich: Denn die Unilever Österreich schreibt seit vielen Jahren Verluste. 2015 betrug das Minus elf Millionen Euro, bei einem Umsatz von 290 Millionen Euro. Besonders Paradox: Obwohl kein Gewinn erwirtschaftet wurde, kam es dennoch zu Steuerzahlungen von 850.000 Euro. Ein Prozentsatz, der sich anhand der geltenden Steuergesetze nicht so ohne weiteres nachvollziehen lässt. Eine Anfrage der Zeit blieb allerdings unbeantwortet.

Allerdings ist aus anderen Ländern bekannt, wie Unilever vorgeht. In einem Land werden zwei Gesellschaften gegründet, beide im Eigentum des Konzerns. Dann gibt der Konzern einer der beiden Töchter einen hohen Kredit zu sehr ungünstigen Bedingungen, mit diesem Geld kauft die eine Tochter die andere Tochter zu einem stark überhöhten Preis. Die Zinszahlungen für den Kredit und die durch den hohen Kaufpreis hohe Abschreibung verringern den versteuerbaren Gewinn. Übrigens: In großen Märkten, wie den USA, China oder Indien verzichtet Unilever auf dieses Modell.

Faire Steuern

Doch wie errechnet man einen fairen Steuerwert für multinationale Konzerne. Dafür kann ein sogenanntes Fair-Tax-System angewendet werden. Zuerst vergleicht man den weltweiten Umsatz mit den weltweit gezahlten Steuern und erhält einen Prozentsatz von Steuern zu Umsatz. Diesen kann man dann auf die jeweiligen Länder umlegen. Dieses System kann keineswegs als exakt betrachtet werden, doch es gibt eine Einschätzung darüber, wie stark Konzerne Steuern umgehen.

Besonders drastisch fällt dieser Vergleich in Österreich laut dem Artikel der "Zeit" beim Pharmakonzern Novartis aus. 300.000 Euro wurden an Steuern gezahlt. Nach Fair-Tax hätten es 49 Millionen Euro sein können. Auch das Beispiel von Magna Powertrain ist bemerkenswert. Rund 50.000 Euro stehen einem Fair-Tax-Wert von 21 Millionen Euro gegenüber. Beim Papierhersteller Mondi stehen 10 Millionen Euro Steuerleistung einem Fair-Tax-Wert von 50 Millionen Euro gegenüber, bei Daimler sind es  zwei Millionen Euro Steuern versus 18 Milliarden Euro Fair-Tax.

Ein positives Beispiel ist der Handelskonzern Rewe. Hier entspricht die tatsächliche Steuerleistung von 14 Millionen Euro auch dem Wert, der mit Fair-Tax errechnet werden kann.

Novartis dementiert Zeit-Bericht

Der Pharmakonzern Novartis bezeichnet die Darstellung nur 300.000 Euro Steuern zu zahlen als falsch und irreführend. Das Unternehmen versichert in einer Reaktion, sich an alle Steuergesetze zu halten: "Novartis führt in Österreich Körperschaftssteuer für seine Gesellschaften via die Novartis Austria GmbH ab. Der oben angeführte Betrag repräsentiert daher nicht die Steuerleistung des Konzerns in Österreich. Das Unternehmen hat völlig in Einklang mit den österreichischen Steuergesetzen in den vergangenen Jahren jeweils zweistellige Euro-Millionenbeträge an Körperschaftssteuer (KÖSt) abgeliefert." Tatsächlich weißt das Firmenbuch für das Unternehmen im Jahr 2016 unter dem Posten "Aktive latente Steuern" einen Wert von 21,3 Millionen Euro aus. Weiters wird betont, Novartis löse durch sein wirtschaftliches Engagement in Österreich eine direkte und indirekte Wertschöpfung von 1,4 Milliarden Euro auslöse.

80 Prozent Verlust

Die Zeit hat für das Jahr 2015 mehrere Konzerne untersucht, deren Steuerleistung gerade einmal 61 Millionen Euro betragen hat. Der faire Beitrag wären allerdings 308 Millionen Euro gewesen. Umgelegt auf die Gesamtsteuerleistung von multinationalen Konzernen entgeht dem Staat rund 80 Prozent der Steuerleistung.

Kommentare (28)

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UVermutung
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Der zugrundeliegende "Zeit" Artikel

Ist wirklich äußerst interessant und aufschlussreich.
Loeger scheint das auch gelesen zu haben.
Aber das wäre einmal ein lohnendes Thema für eine EU weite Lösung um das Lizitieren von Kleinstaaten um Betriebsstätten von multinationalen Konzernen zu unterbinden.

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homerjsimpson
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Dazu kommen dann noch die Billiarden....

...die im Jahr weltweitverschwinden.... alles natürlich Schätzungen, aber so 10% der Wirtschaftsleistung verschwinden (zB als Schwarzgeld in Steueroasen). Aber bei der Mindestsicherung oder Arbeitlosenunterstützung soll gespart werden... das sind nämlich die die Welt ruinieren, nicht milliardenschwere Firmen oder Personen, die alles tun um keine Steuern zu zahlen.

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fersler
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die

meist nach kollektivvertrag bezahlten Mitarbeiter der genannten unternehmen sind die einzigen die pünktlich und ohne einer (leider oft erlaubten) möglichkeit zu tricksen, ihre steuern abliefern.

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checker43
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Bitte den Artikel nochmals überarbeiten

"hat 2015 einen Umsatz von rund einer Milliarde Euro erwirtschaftet und 35 Millionen Euro geschrieben."

35 Millionen WAS?

"Zuerst vergleicht man den weltweiten Umsatz mit den weltweit gezahlten Gewinnen und erhält einen Prozentsatz von Steuern zu Umsatz. "

Die "gezahlten Gewinne"??? Sind nicht eher "gezahlten Steuern" gemeint?

"Euro Gewinn zuschreiben, "
"Die Zeit hat für das Jahr 2015 mehrere Konzerne untersucht, der Steuerleistung ... "
"im Schnitt als gut 25 Prozent"

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homerjsimpson
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60% der Leute die sich über sowas aufregen...

....haben mit schwarz-blau plus Neos genau das gewählt. Gegen Steuergerechtigkeit, für Reichenprivilegien sind ÖVP, FPÖ und teilweise die Neos.

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heintirol
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Steuern

Darum ist es an der Zeit, solche Geschäftspraktiken zu unterbinden und den erzielten Umsatz -nicht Gewinn- zu versteuern.

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checker43
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Was

nicht sehr gescheit wäre.

Firma A: 500.000 Euro Umsatz und 50.000 Euro Gewinn
Firma B: 5 Mio Euro Umsatz und 50.000 Euro Gewinn

Soll jetzt Firma A gleich viel Steuern zahlen wie Firma B?

Es geht darum, Lücken bei gewinnreduzierenden Betriebsausgaben zu schließen.

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homerjsimpson
9
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Dazu hätte man aber nicht blauschwarz wählen dürfen...

..die machen eher das Gegenteil.

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Katschy
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Die ÖVP verhindert

bereits seit Jahren jede gesetzliche Initiative, Konzerne zur Steuergerechtigkeit zu bewegen.

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Natur56
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Ja

Schon komisch oder hab ich was verpasst, die letzten Jahren waren aber schon die Roten an der Macht, und was war da .......nix!

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CuiBono
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@Natur56

Sie haben tatsächlich etwas verpasst.

Nämlich sich zu den wirtschaftlichen und politischen Ereignissen der letzten Jahre zu informieren.
Sonst könnten's so einen Blödsinn wie da oben nicht schreiben. Ausser es ist absichtlich, also mit Vorsatz - aber da lass ich jetzt (noch) die USV gelten.

Also, bitte zuerst bilden, dann kommentieren.
Und wenn es geht, konstruktiv.
Danke.

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checker43
5
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Ja,

da haben Sie was verpasst. Es waren nicht die Roten an der Macht, sondern Rot und Schwarz mit ausschließlich schwarzen Wirtschafts- (seit den 80ern) und schwarzen Finanzministern seit 2007.

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rand
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Aber

der Bundeskanzler (Chef einer Regierung) war ein Sozialist. Und die sehr verehrte Frau Gemahlin des Ex Kanzler Kern gründet ihre Firma gleich in Israel. Frage warum?

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checker43
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Auch

ein Bundeskanzler muss sich an den Koalitionspakt halten. Und dass in einem solchen Pakt die ÖVP niemals einem Schließen von Steuerschlupflöchern für Großunternehmen oder dem Überantworten der Unternehmensbesteuerungsgesetze an die SPÖ zugestimmt hätte, dürfte bekannt sein. Im Gegenteil: Als Bedingung für die Regierungsbeteiligung wurden seit 2000 Zuckerln für die Konzerne von der ÖVP eingefordert.

Also lassen Sie die Verantwortung für die bestehenden Steuerschlupflöcher da, wo sie hingehört.

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schteirischprovessa
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Das ist ein Aufgabengebiet, bei dem sich die neue Regierung

wirklich profilieren kann.

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homerjsimpson
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Könnte ja, wird sicher nicht.

ÖVP ist ein verlängerter Arm der Industriellenvereinigung, und die FPÖ ist sogar gegen Erbschaftssteuer, also für die Superreichen und gegen Durchschnittsverdiener (von Armen ganz zu schweigen).

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CuiBono
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@schteirischprovessa

Also so wie ich Sie nach Ihren bisherigen zahlreichen Kommentaren - zumindest jenen, die ich gelesen hab - beurteilen darf, ist Ihre Aussage da oben sicherlich ironisch gemeint.

Oder vielleicht doch nicht?!

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Katschy
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*lol*

Diese Angst brauchen die Konzerne mit Sicherheit nicht zu haben! *kotz*

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earlofcarinthia
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Wenn man bedenkt was man

Den Kleinbetrieben die letzen Jahre aufgehalst
Hat von Registrierkasse usw
Da vergeht einem alles, und die kammer kasiert
Und schweigt.

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homerjsimpson
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Die Kammer lobbyiert genau dafür, die schweigt nicht mal.

Als kleines Unternehmen müsste man aus der Wirtschaftskammer austreten....aber dank Zwangsmitgliedschaft.... Magna und Co, für die ist die WK da.

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jg4186
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Und immer die Kleine!

Und die Regierung redet immer nur von den Kleinen - Mindestsicherung, Frühpension, Sozialhilfe etc! Denn bei diesen geht es leichter, was zu holen, Steuergeld zu sparen. Und die Großen lässt man in Ruhe. Das ist das eigentliche Unrecht in unserem Land, in Europa. Da sollen sich alle einmal zusammentun und das endlich abstellen. Da kommt man sich als kleiner Steuerzahler echt blöd vor. Die Firmen erwischen und die Steuerberater, die so was organisieren, gleich dazu. Und endlich Regeln, Gesetze schaffen, die man nicht austricksen kann. Kompliment an REWE!

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UHBP
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@jg4186

Wenn aber der Wähler es so will, kann man wohl nichts machen.

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UHBP
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Wenn die Konzerne auch nur einen Bruchteil der ersparten Steuern,

als Spenden für Parteien aufwenden, ist das eine klassische Win-Win-Situation - Für die Konzerne und den Parteien.
Der Staatsbürger zahlt natürlich drauf, aber das kapiert eh rund die Hälfte der Wähler nicht.
PS: Lustigerweise ist unser Finanzminister gegen mehr Transparenz! Warum Wohl?

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SoundofThunder
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🤔

Weil der Pierer dagegen ist?

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scionescio
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Und noch immer gibt es schlichte Menschen, die Frankie Boy abnehmen, dass ihn nur die Liebe zur Heimat nach Österreich getrieben hat ...

... wenn man jetzt noch die Subventionen, die Arbeitsstiftungen, etc. dazurechnet, kommt man schnell drauf, dass der Steuerzahler nur die Profite von Stronach/Magna finanziert hat und mit dem gleichen Geld viel mehr Arbeitsplätze in einer zukunftsweisenden Sparte hätten geschaffen werden können.

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Leberknoedel
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Bitte nur ein Beispiel zu nennen

In welcher Sparte? Würde mich echt interessieren.

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