VerkehrAufregung um neue Abgastests: Das steckt dahinter

Ein Plan des Verkehrsministeriums sieht vor, dass die Endrohrmessung bei Abgastests von Fahrzeugen entfallen könnte. Das schlägt hohe Wellen. Eine Klarstellung.

THEMENBILD: ABGASMESSUNG / EMISSIONSMESSUNG / NEFZ-TEST
© APA/HELMUT FOHRINGER
 

Für Aufregung sorgt seit einigen Tagen die geplante Änderung bei Abgastests von Fahrzeugen im Zuge der Pickerl-Überprüfung. Ein Gesetzesentwurf des Verkehrsministeriums sieht vor, dass die Endrohrmessung unter bestimmten Voraussetzungen entfallen könnte. Greenpeace, die Grünen und auch die Umweltanwaltschaften übten Kritik an Verkehrsminister Norbert Hofer, gleichwohl der Gesetzesentwurf nicht von ihm, sondern von seinem Vorgänger Jörg Leichtfried stammt. Hofer ließ es bisher offen, ob das Gesetz so komme oder nicht: Es hänge davon ab, wie die Stellungnahmen der Experten dazu ausfallen, heißt es aus dem Ministerium.

Laut dem Entwurf dürfte die Endrohrmessung nur entfallen, wenn die Diagnose-Software keine Fehler anzeige.

Eine negative Stellungnahme liegt jedenfalls bereits von der niederösterreichischen Umweltanwaltschaft vor: Sie verweist darauf, dass in Deutschland die Endrohrmessungen nach dem Dieselskandal gerade wieder eingeführt worden seien.

"Moderne Abgastests"

Anders sieht es der Autofahrerklub ÖAMTC, der in einer Aussendung versucht, Sachlichkeit in die Debatte einzubringen. "Bei der §57a-Überprüfung wurden bisher mittels Endrohrmessung lediglich Feinstaubwerte, jedoch keine Stickoxid-Werte gemessen. Bei dieser Form der Überprüfung ist technisch auch nicht mehr möglich. Und für die Überprüfung des Abgassystems ist die Onboard-Diagnose bei modernen Fahrzeugen wesentlich genauer", stellt Bernhard Wiesinger, Leiter der ÖAMTC-Interessenvertretung, klar. Von einem Rückschritt bei der Überwachung der Einhaltung von Abgasnormen könne nicht die Rede sein. "Bei neueren Fahrzeugen ist die Überwachung der Motorelektronik und der Abgasnachbehandlung so weit entwickelt, dass mögliche Fehler durch eine Computer-Diagnose bereits erkannt werden können, bevor sie bei einer Abgasprüfung auffallen." Den Kritikern dieser Methode hält der ÖAMTC "technisches Unwissen" vor.

Für 40 Prozent des Fahrzeugbestandes relevant

Konkret soll mit der Novelle der Prüf- und Begutachtungsstellen-Verordnung bei Fahrzeugen der Klassen Euro 5 und Euro 6 die Funktionsfähigkeit des Abgassystems mit Hilfe der Onboard-Diagnose bestimmt werden statt wie derzeit mit einer Endrohrmessung. Dies wäre für rund 40 Prozent des Fahrzeugbestandes in Österreich relevant.

Die Onboard-Diagnose habe den weiteren Vorteil, dass sie Motoren schone. Denn bei der Endrohrmessung läuft das Fahrzeug ohne eingelegten Gang einige Sekunden auf Vollgas, dieser Belastung halten nicht alle Motoren stand. In etwa 20 Fällen pro Jahr komme es dadurch zu Motorschäden.

Kommentare (1)

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Prutschw
2
8
Lesenswert?

Gerade der ÖAMTC

der jahrelang nicht gecheckt hat (wie anscheinend auch der große Bruder ADAC in Deutschland), dass seinen Mitgliedern x tausende manipulierte Autos angedreht wurden, meldet sich da als Experte !
Oder wusste man es und hat nichts gesagt ?
Zur Erinnerung: Aufgeflogen ist die Sache ("Dieselskandal") ausgerechnet in den USA durch einen Herrn German.
Wärs nicht tragisch, wärs direkt zum Lachen.
Na dann ....

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