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EU-Projekt

Verborgene Schätze an der Grenze

Wehranlagen, Siedlungen, Tumuli, und Pungen – ein EU-Projektuntersuchte die vielen archäologischen Schätze im steirisch-slowenischen Grenzraum. Von Walter Schmidbauer

Mittels Laser Scanning aus der Luft wurden neue Fundstellen entdeckt.
Mittels Laser Scanning aus der Luft wurden neue Fundstellen entdeckt. © KK
 

„Es stellt sich die Frage, ob die Leute wissen, was sie alles aus der Vergangenheit vor Ort haben. Hier besteht ein Aufholbedarf, zu erklären, was noch vorhanden ist“, so der Leiter der Abteilung Archäologie des Universalmuseums Joanneum, Karl Peitler. Licht in so manches Dunkel aus grauer Vorzeit brachte nun das Projekt BorderArch-Steiermark.

Dabei wurde der slowenisch-österreichische Grenzraum von der Soboth bis St. Anna am Aigen ein Jahr lang archäologisch unter die Lupe genommen. Partner bei diesem EU-Projekt waren das Joanneum, die archäologische Abteilung Ljubljana und das slowenische Denkmalamt. Die Ergebnisse der einjährigen Forschungsarbeit wurden bei einer Abschlusskonferenz in Wagna und im Pavelhaus Laafeld präsentiert.

Anfang April wird dazu auch ein Buch erscheinen. „Eines der vorrangigen Ziele des Projektes ist es, Fundstellen entlang der Grenze möglichst vollständig zu erfassen, zu registrieren und die gewonnenen Daten der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, hoben Stefanie Gaberz und Miha Mihelic bei der Präsentation hervor. Das bilaterale Team unter der Leitung von Marko Mele vom Joanneum erkundete die Region aus der Luft, durch Begehungen auf dem Boden, mit archäologischen Grabungen und geophysikalischen Vermessungen unter der Erde.

Die Grenzregion zwischen der Soboth und St. Anna am Aigen wurde untersucht.
Die Grenzregion zwischen der Soboth und St. Anna am Aigen wurde untersucht. Foto © Fotobank

Einbezogen wurden in die Arbeit auch Daten aus Archiven, Fundobjekte aus verschiedenen Museen und bestehende Literatur. „Viele Fundstellen waren auf Grund der politischen Situation für die archäologische Forschung lange nicht zugänglich“, so Projektleiter Mele. Zwei Beispiele dafür sind Bubenberg/Novine bei Spielfeld und Platsch/Placki vrh. Bubenberg ist eine sehr komplexe archäologische Fundstelle mit einer zentral befestigten Siedlung über der Mur und zahlreichen Hügelgräbern. Dort nahm das Team auch Grabungen vor. Die Untersuchungen haben gezeigt, dass hier bereits in der Kupferzeit (ca. 3.500 v. Chr.) Menschen gelebt haben.

Untersucht und registriert wurden insgesamt über 900 Fundstellen. Allein 257 davon befinden sich im Bezirk Südoststeiermark, 206 in Leibnitz. Weitere 54 Fundstellen sind im Bezirk Deutschlandsberg und rund 400 in Slowenien erfasst. „Wir haben auch viele neue Strukturen entdeckt. 28 dieser Fundstellen waren bisher nicht bekannt“, berichtet Mele. Dazu gehören vor allem Hügelgräber, Wölbäcker und Pingen, aber auch Siedlungen und Gebäude. Pingen zeugen davon, dass etwas abgebaut wurde. Meist war es Lehm oder Oberflächenerze. Wölbäcker entstanden durch Verwendung von nicht wendbaren Pflügen. Es waren lange Äcker mit einer Erhöhung in der Mitte. Vor allem östlich von Leibnitz und südlich von Mureck, teils in Waldstücken, haben sich diese Strukturen erhalten und weisen auf eine ausgedehnte Landwirtschaft im Mittelalter hin. „Wir sehen, wie Landschaft im Laufe der Epochen geformt wurde. Daraus ergeben sich auch Zusammenhänge mit archäologischen Funden“, erzählt Mele.

Neue Fundstellen entdeckt

Entdeckt wurden die neuen Fundstellen vor allem durch eine Schlüsseltechnologie zur Erforschung archäologischer Landschaften, der Fernerkundung. Dazu gehören Luftbildaufnahmen und das Laser Scanning aus der Luft, das ALS (Airborne Laser Swath Mapping) auch bekannt als LiDAR (Light Detection And Rainging). Diese Methoden lassen Landschaften in einem neuen Licht sehen. So wurde damit in der KG Klapping in der Gemeinde St. Anna am Aigen eine bisher nicht bekannte Fundstelle, eine Gruppe von Hügelgräbern, entdeckt. Das größte dieser Tumuli hatte einen Durchmesser von vermutlich bis zu 55 Meter.

Nicht weit davon entfernt, in der KG Sotina der slowenischen Region Goricko, wurde durch diese Methode ein Plateau mit Festungsmauern gefunden. Das etwa 1,3 Hektar große Areal war vermutlich in der Urgeschichte besiedelt. Warum vermutlich, erklärt Marko Mele: „Den wissenschaftlichen Beweis würden erst Grabungen bringen.“ Klapping ist eine von 21 neuen Fundstellen in der Südoststeiermark. Aufgespürt wurden auch eine Wehranlage in Goritz bei Radkersburg und eine seit 2005 nahe Dedenitz vermutete Villa Rustica.

Alle gewonnenen Daten sind nun digital erfasst und unter www.interarch-steiermark.eu für jedermann einsehbar. Sie sollen eine gute Basis für neue grenzüberschreitende Projekte bieten, bei denen Archäologie, Denkmalpflege und Tourismus voneinander profitieren können. Erarbeitet wurden auch Vorschläge, was in die Tourismusangebote der Regionen eingebunden werden kann. Wichtige Daten ergingen an das Bundesdenkmalamt, um Schutzmaßnahmen festlegen zu können. „Am besten sind die Funde im Erdboden aufbewahrt“, meint Karl Peitler.

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