Die steigenden Spritpreise beschäftigen derzeit nicht nur die Politik und Wirtschaft, sondern vor allem auch jene, die ihr Auto oft tagtäglich benutzen müssen. In sozialen Medien machen viele Menschen ihrem Ärger Luft und beschweren sich über die vermeintlich nur in gewissen Ländern gestiegenen Preise. Dabei werden Informationen jedoch teilweise aus dem Kontext gerissen oder irreführende Preise zum Vergleich herangezogen.

Einschätzung: Zwar haben einige Regierungen einen Preisdeckel für Benzin eingeführt, infolge des Iran-Kriegs ist der Ölpreis aber weltweit gestiegen. Ein virales Bild einer spanischen Anzeigetafel einer Tankstelle stammt aus Fuerteventura, wo generell spezielle, niedrigere Spritpreise gelten. Auch andere Behauptungen zu Spritpreisvergleichen halten einer Überprüfung nicht stand.

Ölpreis gestiegen

Überprüfung: Wegen der Eskalation im Nahen Osten nach den Angriffen der USA und Israels auf den Iran sind die Öl- und Gaspreise in die Höhe geschnellt. Erstmals seit fast vier Jahren stieg der Ölpreis wieder auf mehr als 100 Dollar pro Barrel.

Vergleich Deutschland mit Spanien

Ein Bild, das aktuell für Diskussionen sorgt, zeigt Preisvergleiche von Tankstellen aus Deutschland und Spanien, wobei die Preise in Deutschland dabei vermeintlich doppelt so hoch sind wie jene in Spanien. Mithilfe einer Foto-Rückwärtssuche lässt sich das Foto einer spanischen Tankstelle in Fuerteventura lokalisieren. Ein Vergleich mit einem ähnlichen Stockfoto, das mit dem Aufnahmeort „Puerto Del Rosario, Spanien“ versehen ist, zeigt einige Übereinstimmungen mit dem auf Facebook geteilten Bild. So verlaufen auf beiden Fotos an der rechten oberen Seite der Anzeigentafel drei Stromkabel, links eines. Im Vordergrund sind Palmen zu sehen, auf dem Schild selbst sind zwei Rundungen zu erkennen.

Über Google Street View sind nur alte Aufnahmen von Preisanzeigen anderer Tankstellenanbieter zu sehen. Allerdings zeigen aktuelle User-Aufnahmen aus der Ferne, dass im aktuellen Jahr bereits eine Anzeigetafel des in den Postings erkennbaren Anbieters installiert worden ist.

Anfrage bestätigt Standort

Dass die Aufnahme tatsächlich aus Puerto del Rosario auf der kanarischen Insel Fuerteventura stammt, bestätigte das Unternehmen IR Maxoinversiones, das die Tankstelle gemeinsam mit dem spanischen Energiekonzern Repsol betreibt. Auf APA-Anfrage erklärte ein Sprecher, dass es sich tatsächlich um ein Foto einer ihrer Tankstellen auf Fuerteventura handelt.

Ein Blick auf das Vergleichsportal „Geoportal Gasolineras“ der spanischen Regierung, in dem die Spritpreise aller spanischen Tankstellen – inklusive alter Preise – eingesehen und verglichen werden können, zeigt, dass der Preis an der Tankstelle Puerto Del Rosario auf Fuerteventura derzeit etwas höher ist als auf dem geteilten Bild. Auch ein Blick in andere Vergleichsportale bestätigt die dennoch relativ geringen Preise, die aber weit unter denen vom spanischen Festland liegen.

Sonderstatus Kanarische Inseln

Dafür gibt es auch einen Grund. Der Vergleich mit Benzinpreisen auf Fuerteventura hinkt nämlich generell. Die Kanarischen Inseln haben seit Spaniens EU-Beitritt 1986 einen Sonderstatus innerhalb der Union, um die Nachteile der abgelegenen Lage im Atlantik im Vergleich zum Festland zu mindern. Dies äußert sich vor allem in Form von niedrigen Steuersätzen. Treibstoff kann somit auf den kleineren Inseln deutlich billiger sein als auf dem spanischen Festland.

Das im Sharepic geteilte Vergleichsbild einer angeblich deutschen Preisanzeige ließ sich in den Recherchen hingegen nicht verorten. Die im Hintergrund zu sehenden Leitplanken könnten allerdings auf eine Tankstelle auf der Autobahn hindeuten, die grundsätzlich 20 bis 30 Prozent teurere Spritpreise verzeichnen. Auch eine Bildmanipulation ist nicht gänzlich auszuschließen.

EU-Vergleich voller Unstimmigkeiten

Die Zahlen in einem anderen viralen Sharepic zu aktuellen Diesel-Preisen in Europa stammen offenbar von verschiedenen Zeitpunkten, was einen Vergleich schwierig macht. Einige Werte (etwa Polen und Tschechien) stimmen mit den aktuellen Tagesdurchschnittspreisen überein, die die Europäische Kommission jeden Donnerstag veröffentlicht. Die Werte für Österreich und Deutschland sind im Sharepic unterdessen deutlich höher als sie von der EU angeführt wurden.

Allerdings stammen die neuesten Zahlen vom Bulletin vom 5. März 2026, das wiederum auf Werte vom 2. März zurückgreift. Die Spritpreise zogen seither in allen Ländern deutlich an. So kostet ein Liter Diesel in Tschechien derzeit im Schnitt umgerechnet 1,59 Euro, in Österreich 1,96 Euro und in Deutschland knapp 2,20 Euro. In der Ukraine lag der Preis am Tag der Veröffentlichung des Postings bei 1,50 Euro. Der letzte für Russland genannte Wert war 84 Cent und damit mehr als das Doppelte der Behauptung.

Die Glaubwürdigkeit der Inhalte im Sharepic sollte generell angezweifelt werden, zumal selbst die Länderflaggen teilweise falsch sind. Ungarn wurde mit der Flagge von Bulgarien bebildert, die Flagge für Österreich ist eine hellere Variante der lettischen und Tschechien, das nachträglich in das Bild eingefügt wurde, ist mit der philippinischen Flagge versehen.

Kraftstoffpreise stiegen in Deutschland besonders stark

Ein weiteres Posting, das von einem kurzen KI-generierten Videoclip begleitet wird, stellt die Behauptung auf, dass die Spritpreise anderswo nicht gestiegen seien. Ein Blick auf aktuelle Daten widerlegt das. Fakt ist aber auch, dass die Spritpreise in Deutschland zuletzt rund doppelt so stark stiegen wie in anderen Ländern Europas.

Als Gegenmaßnahme brachte Tomaso Duso, Chef der deutschen Monopolkommission, jüngst das österreichische Modell vor: Hierzulande dürfen Preisänderungen nach oben im Gegensatz zu Senkungen nur einmal täglich vorgenommen werden, um Verbraucher vor plötzlichen Preissprüngen zu schützen. Dies wird in Österreich ab kommender Woche sogar verschärft, sodass nur dreimal die Woche nach oben angepasst werden darf. Als erste Maßnahme zum Gegensteuern gab Deutschland am 11. März einen Teil seiner nationalen Ölreserven frei.