Bezirk VoitsbergMärz 1938: Jubel und Widerstand in der Region

51 von 62 Gemeinden im Bezirk hatten 1938 mit 100 Prozent für den Anschluss an Deutschland gestimmt. Es gab aber auch Widerstand.

Am 6. April 1938 kamen rund 4000 Menschen zur Werbeveranstaltung für das bevorstehende Anschluss-Referendum am 10. April 1938 © Fotomeister Max Koren sen.
 

Die Not und die Arbeitslosigkeit in den 1930er-Jahren waren auch im Bezirk Voitsberg unermesslich groß. Als Adolf Hitler am 13. März 1938 die Eingliederung Österreichs in das Deutsche Reich verkündete und die Wehrmacht in Österreich einmarschierte, brandete in der Region Jubel auf. Am 16. März wurde die aus München kommende „motorisierte Aufklärungsabteilung 7“ von Tausenden Menschen am Voitsberger Hauptlatz begrüßt. Bürger überreichten den Soldaten bei ihrer Ankunft Blumen.

In den ersten Wochen bestand die Hauptaufgabe der NSDAP, einen sogenannten „Wahlfeldzug“ für die Volksabstimmung und Wahl zum Großdeutschen Reichstag am 10. April 1938 durchzuführen. „In den Stadtkinos in Voitsberg und Köflach lief die Wochenschau, Lautsprecherwagen waren im Bezirk unterwegs und die SA übte natürlich auch bei Hausbesuchen Druck aus“, schildert Historiker Ernst Lasnik.

Am 16. März 1938 traf die "motorisierte Aufklärungsabteilung 7" am Hauptplatz in Voitsberg ein Foto © Fotomeister Max Koren sen.

Höhepunkt dieses Wahlfeldzuges in der Region war eine große Werbeveranstaltung am 6. April 1938 auf dem Voitsberger Hauptplatz, zu der rund 4000 Menschen gekommen waren. Zu diesem Anlass war die gesamte Innenstadt mit Hakenkreuzfahnen bestückt, von den Fassaden einiger Häuser am Hauptplatz prangten „Alle stimmen mit Ja“-Tafeln.

Mehr als 100 Prozent

Beim Anschluss-Referendum im Bezirk waren 99,97 Prozent der gültig abgegebenen Stimmen für den Anschluss, steiermarkweit waren es 99,87 Prozent. In 51 der damals 62 Gemeinden des Bezirks gab es sogar ein 100-Prozent-Votum, diese Kommunen erhielten die Ehrenbezeichnung „Führergemeinde“. „Aus ein paar Gemeinden haben übereifrige Beamte sogar Ergebnisse mit mehr als hundertprozentiger Zustimmung vermeldet“, weiß Lasnik. Teilweise wurden Gegenstimmen aussortiert.

 

Die Voitsberger Innenstadt (hier eines der Stadttore und der Hauptplatz) war für den Anschluss "geschmückt" ©

Zudem waren Leute, von denen man angenommen hatte, sie würden dagegen stimmen, in Arbeitslager gebracht worden, um sie fernzuhalten.
Zu einer Reise, die man als friedlichen Widerstand gegen das aufkeimende Regime bezeichnen kann, brach im selben Jahr Hedwig Kurz auf. Die Weststeirerin, die bis heute als verschollen gilt, soll im Jahr des Anschlusses nach Rom gereist sein. Dort wollte sie mit Papst Pius XI. über Adolf Hitler und dessen Pläne, welche viel Unheil über die Menschen bringen sollten, sprechen.

Kurz soll sogar geplant haben, den Führer höchstpersönlich aufzusuchen. Über das Schicksal der Weststeirerin, die am 8. Oktober 1888 in Köflach zur Welt gekommen war, herrscht Unsicherheit. Maler Franz Weiss hatte Kurz noch gesehen, wie sie 1938 vom Voitsberger Bahnhof in Richtung Rom aufgebrochen war. Diesen Augenblick verewigte er auf der Tregister Dorfkapelle mit dem Werk „Hedwig Kurz, Bekennerin Christi aus dem Tregisttal“.

 

Die verschollene Hedwig Kurz wollte zum Papst nach Rom Foto © Ernst Lasnik

Weitere Informationen in: „Voitsberg – Porträt einer Stadt und ihrer Umgebung“ von Ernst Lasnik.

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