WeststeiermarkMann wird öffentlich als Kinderschänder diffamiert

Familie wird tyrannisiert: Nun wurden in der Weststeiermark Plakate aufgehängt, in denen Sohn als „Kinderschänder“ öffentlich an den Pranger gestellt wird. Anwalt spricht von "infamer Verleumdung", Polizei ermittelt auf Hochtouren.

Auch vor Schulen und Kindergärten wurde das Plakat aufgehängt © Privat
 

Als „infame Verleumdung“ bezeichnet Rechtsanwalt Wolfgang Klobassa jene Aktion gegen einen Weststeirer, die seit Montag für Aufsehen in der Region sorgt. Mehr als 30 Plakate wurden von Maria Lankowitz über Köflach, Mooskirchen und Söding-St. Johann bis nach Stainz vor Schulen, Kindergärten und an Bushaltestellen mit Sprühkleber angebracht. Darin wird ein Mann als „Kinderschänder“ diffamiert. Auf den Zetteln zu sehen ist nicht nur ein Foto des Weststeirers sowie ein Bild seines Autos, auch seine Adresse sowie Marke, Farbe und Kennzeichen von drei Autos der Familie sind angeführt.

„Ich habe es von vielen Seiten erfahren. Ich habe mich sofort mit einem Freund aufgemacht, um die Plakate einzusammeln, auch die Polizei war unterwegs“, schildert das öffentlich einer Straftat bezichtigte Opfer. Verfasst ist das Flugblatt in holprigem Deutsch: „Achtung!!! er ist ein Kinderschänder – #metoo gab mir die Kraft so in die Öffentlichkeit zu gehen, konnte im Internet nicht, weil meine Eltern [...] eine Entschädigung erhielten, und dafür eine Verzichtserklärung der Weiterverfolgung unterschrieben haben. Er hat mich gegen meinen Willen Mißbraucht.“

Vorwürfe haltlos

Fassungslos ist man auch bei der Polizei: „Es gibt keine Hinweise auf irgendeine Form von Missbrauch. Das Opfer hat nichts mit Kindern zu tun, weder hat er selbst Nachkommen noch ist er in einem Verein oder arbeitet mit Kindern“, sagt Bezirkspolizeikommandant Johann Hohl. Der Polizeichef ortet „reine Schlechtmacherei einer Person“. Ermittelt wird – vorerst gegen unbekannt – wegen beharrlicher Verfolgung und Verleumdung. Der Strafrahmen: bis zu fünf Jahre Haft.

 

Dieser Zettel wurde zwischen Maria Lankowitz und Stainz Dutzende Male öffentlich plakatiert Foto © Privat

„Am Montag ist der erste Zettel vom Schulwart im Eingangsbereich unseres Gymnasiums entdeckt worden“, schildert Bürgermeister Helmut Linhart, der berichtet, dass der Flugzettel gestern auch digital die Runde im Bezirk gemacht habe. Davor warnt Rechtsanwalt Klobassa, der auch von Postings in sozialen Medien weiß: „Wenn jemand so etwas vorbehaltlos teilt und weiterverbreitet, muss er ebenso mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen.“

Säureanschlag

Die unsägliche Plakataktion ist nur der Höhepunkt einer jahrelangen Tyrannisierung, die die betroffene Familie seit drei Jahren erlebt. Begonnen hatte alles mit anonymen Briefen gegen die Mutter. Bisherige Höhepunkte waren „Morddrohungen“ gegen den Familienhund in Form von zugeschickten Fotos des Tieres samt Rasierklingen.

Vor zwei Jahren wurde sogar ein Buttersäureanschlag auf die Autos der Schwiegertochter und des Sohnes verübt, der nun als „Kinderschänder“ diffamiert wird. Vielleicht gibt es Zeugen, die den Täter beim Anbringen der Plakate gesehen haben – Hinweise bitte direkt an die Polizei Köflach richten: Tel. 059 133-6193.

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