Weinkost am PoguschGleich vier Debütanten holten sich einen Sieg

Überraschende Weinkost auf dem Pogusch: Gleich vier Debütsieger und die ruhmreiche Wiederkehr eines guten alten Bekannten.

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Aufgespielt! Die Steirische Streich mit Florian Scheuba, Rudi Roubinek, David Schalko und Robert Palfrader © KLZ/Jürgen Fuchs
 

Das nennt man eine gute Mischung: Gleich vier preisgekrönte Debüts erbrachte diese Kleine-Zeitung-Weinkost auf dem Pogusch.

Ein starkes Indiz für das breite Feld heimischer Top-Winzer und dynamische Qualitätsentwicklung in Sachen Steirerwein. Denn nebst Seriensiegern wie Potzinger, Sabathi, Neumeister, Lackner-Tinnacher gab es diesmal vier erstmalige Gewinner. In der Kategorie „Sauvignon blanc“ sicherte sich das Weingut Dillinger Sabathihof in Leutschach den Sieg. Bei den Alternativweinen teilen sich das Weingut Tauss in Leutschach (SB vom Opok, 2016) und die Domäne Hirschmugl aus Leibnitz (Chardonnay SMC 2015) den obersten Stockerlplatz. Und in Sachen Welschriesling war der Weinhof Konrad im oststeirischen Fehring diesmal nicht zu schlagen.

Die wichtigsten Promi-Sager

„Das ist eine wahnsinnig große Überraschung“, freut sich Sabrina Konrad. Sie betreibt mit ihrer Mutter Silvia die familieneigene Buschenschank Kuruzzenschenke, während ihre Schwester Stefanie und Vater Josef das Weingut betreuen. „Dass er ein ganz typischer Welschriesling ist, resch und angenehm zu trinken, mit schöner Säurestruktur“, habe ihrem Wein zum Sieg verholfen, glaubt die junge Frau. Und vielleicht spielt es ja mit eine Rolle, dass der Familienbetrieb dem in den letzten Jahren etwas aus der Mode gekommenen Welsch die Treue gehalten hat. Rund 70 Prozent ihrer Rebfläche widmen die Konrads der Traube, die einst als Inbegriff steirischer Weinkultur galt. Und siehe da: Aktuell sieht es ganz danach aus, als stünde dem guten alten Welsch ein Comeback bevor. Nicht nur wird er in die neue Herkunftsbezeichnung DAC aufgenommen.

Auch die Winzer sehen wieder Potenzial in der traditionsreichen Sorte: „Alte Rebstöcke bringen extrem spannende, konzentrierte Welschrieslinge“, berichtet Winzerin Katharina Tinnacher. „Der Welsch steht für ausbaubare Identität“, glaubt auch ihr Kollege Wolfgang Maitz. „Alte Reben, kleine Erträge und der Ausbau im großen Holzfass reißen die Sorte aus der Wahrnehmung als reiner Zechwein“, hofft er, „denn es zeigt sich, dass sie auch in der hohen Reife enorme Eleganz beweist.“

Ansonsten war 2017 ein ausgezeichnetes Jahr für den Muskateller, erzählt Verkostungsleiter Arno Bergler, „er hat besonders vom Bilderbuchherbst profitiert. Auch auf die Riedenweine können wir uns in ein, zwei Jahren freuen.“ Da könne 2017 gar zu den Spitzenjahrgängen der Zehnerjahre aufschließen: „Auch wenn er nicht das ganz große Spiel wie 2015, nicht die Würze von 2013 haben sollte, wird 2017 qualitativ wie quantitativ als grandioser Jahrgang in die Geschichte eingehen.“

Auch Wolfgang Maitz glaubt an den 2017er als „extremen Streckenläufer. Der lässt sich auch in 20 Jahren noch gut trinken.“ Bis dahin haben, wenn es nach ihm geht, die Steirer mit ihrem Sauvignon sowieso die Welt erobert. Denn während er international oft als gefällige Aromasorte wahrgenommen wird, bringt er es in der Steiermark nicht nur zu Fruchtigkeit und Frische, sondern auch zu Tiefe und Eleganz: „Wenn es um große Weine geht, nimmt sich unser Sauvignon zurück und lässt das Terroir leuchten“, sagt Maitz. Hier sieht auch Katharina Tinnacher, die sich mit ihrem „Ried Eckberg“ den Sieg bei den Morillons geholt hat, das beherrschende Thema der nächsten Jahre: „Die Sorten treten in den Hintergrund, die größere Rolle spielen künftig die Geschmacksbilder. Dabei kommt es darauf an, wie sich der Charakter der Herkunft im Wein widerspiegelt.“ Genau dafür böten sich die Weinberge der Steiermark mit ihren vielen unterschiedlichen Böden und Kleinklimata auch an, ist Tinnacher überzeugt: „Bei uns entstehen weit spannendere und eigentümlichere Weine als in homogeneren Anbaugebieten.“

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Apropos eigentümlich: Willi Klinger, Chef des Österreichischen Weinmarketings, freut sich besonders über die hohe Qualität der Alternativweine: „Wir brauchen diese ,wilden Winzer‘. Auch wenn das, was sie machen, wohl nie mehrheitsfähig wird, findet man ihre Produkte längst in Spitzenrestaurants von Skandinavien bis Paris“, stellt er fest.
Chefverkoster Bergler würdigt auch die mittlerweile zum Standard erhobene Bio-Produktion der steirischen Spitzenwinzer, „weil wie bei allen High-End-Produkten die Konsumenten eben auch beim Wein wissen wollen, wie er entsteht“. Eine Herausforderung für die Winzer, auch weil sich trotz steigender Produktionskosten die Preisschraube nicht endlos weiterdrehen lässt. Weinvermarkter Klinger hat aber auch für Weinliebhaber mit kleiner Börse Rat parat – mit einem Plädoyer für den klassischen Spritzer ohne Chichi: „Der ist, ganz ohne Blümchen, ohne Schirmchen, noch immer die beste Variante eines Longdrinks auf Weinbasis.“ Ein Teil Wein, ein Teil Wasser. So steht Österreichs liebster Cocktail übrigens sogar in Charles Schumanns legendärer Bar-Bibel.

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