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Deutschlandsberg

Viele Wegbegleiter zur Integration

Gut 100 Menschen aus Syrien, Afghanistan oder dem Irak werden in der Stadt Deutschlandsberg betreut. Das Miteinander funktioniert, auch dank vieler Freiwilliger. Von Thomas Wieser und Bettina Kuzmicki

Engagierte Hilfsinitiative aus Stainz
Engagierte Hilfsinitiative aus Stainz © Langmann
 

Sie sind längst angekommen in der Stadt Deutschlandsberg: Junge Frauen und Männer aus Syrien, Afghanistan oder dem Irak. Manche Frauen tragen ein Kopftuch, manche haben eine etwas dunklere Hautfarbe. Asylwerber, die noch auf einen gültigen Asylstatus warten oder auch anerkannte Flüchtlinge, sie sind präsent in der Stadt und in anderen Gemeinden. Aber wurden sie auch aufgenommen?


„Das Zusammenleben läuft grundsätzlich gut“, erklärt Roswitha Zerha, Obfrau im Ausschuss für Soziales, Familie, Wohnen und Integration in der Stadt. „Es gibt in der Stadt viele Leute, die mithelfen und etwas tun. Eine Herausforderung ist oft die Vernetzung.“ So helfen Pensionisten und Lehrer, den Menschen, Deutsch zu lernen. „Andere fahren mit ihnen auf die Alm oder zum Wandern.“ Das Theaterzentrum bringt sich ebenso ein wie der eigens gegründete „Verein für Willkommenskultur und Solidarität“.


Sonja Kiendl, EDV-Technikerin und Humanenergetikerin, ist da die Obfrau. 20 engagierte Mitstreiter hat sie in Deutschlandsberg, Groß St. Florian und in Graz. „Wir betreuen die Flüchtlinge in der Freizeit, wir helfen bei der Suche nach Wohnungen oder Fahrrädern, lernen mit ihnen Deutsch oder begleiten sie zum Arzt“, erzählt sie. Darüber hinaus gibt es hin und wieder auch eine finanzielle Unterstützung, etwa für Zugkarten oder Prüfungsgebühren.

Insgesamt sind es an die 100 Menschen, die Hilfe erhalten. Die Herausforderungen: „Sicher das Erlernen der Sprache.“ Daneben kämpfen laut Kiendl viele der Neuangekommenen mit Depressionen, mit Heimweh. Die Ungewissheit, ob sie im Land bleiben dürfen, zehrt ebenso. „Ziemlich alle, die zu uns kommen, sind traumatisiert.“


Ehrenamtliche Helfer


33 junge Burschen und Mädchen zwischen 16 und 18 werden in Deutschlandsberg von Jugend am Werk betreut, sieben Tage in der Woche von acht bis 20 Uhr persönlich, darüber hinaus gibt es eine Rufbereitschaft. Untergebracht sind sie in kleinen Wohnungen, ein Betreuer kümmert sich um maximal fünf Jugendliche. „Dann gibt es noch rund 20 Ehrenamtliche, die bei uns mithelfen“, erzählt Teamleiterin Christiane Smaal. Wichtig sei es, den jungen Menschen eine Tagesstruktur zu bieten, mit ihnen zu lernen, ihnen die hiesigen Werte und Gepflogenheiten zu vermitteln. „Ziel ist es, dass die Leute in Deutschlandsberg integriert werden.“


Zarte Ansätze gibt es: Lehrlinge wurden in einer Bäckerei und einer Tageswerkstätte untergebracht. Nur die Versuche, eine Beschäftigung im Wirtschaftshof zu organisieren, scheiterten bisher. Roswitha Zerha: „Man kann den Leuten nicht nur ein Werkzeug in die Hand drücken. Sie müssen auch betreut werden.“

Weitere Initiativen

Indes gibt es in der Süd- und Weststeiermark zahlreiche weitere Initiativen. Einheimische verlassen sich nicht auf die Politik, öffentliche Institutionen und Hilfsorganisationen, sondern packen selber an.

Zweimal monatlich soll in Wildon das völkerverbindende „kult.cafe“ stattfinden, das von der Plattform „Gemeinsam in Wildon“ initiiert wird. Wildoner und Asylwerber haben so die Möglichkeit, sich in gemütlicher Atmosphäre kennenzulernen.


29 Mitglieder aus vier afghanischen und einer syrischen Familie sind derzeit in Stainz untergebracht. Bei ihnen stellte sich die Arbeitsgemeinschaft für Willkommenskultur in Stainz mit Lernbehelfen, Schreibutensilien und einem Flipchart ein. Begleitet wurde die Übergabe mit dem Angebot, die Bewohner in den laufenden Deutschunterricht einzubeziehen. „Wir könnten weitere Freiwillige brauchen“, so Koordinatorin Ingeborg Stelzer.

Auch der Verein für Willkommenskultur und Integration in Deutschlandsberg kann Unterstützung brauchen. Wer mithelfen will, möge sich an Obfrau Sonja Kiendl wenden (Tel. 0664 41 31 143).


Sprachkurse sind auch in Oberhaag ein großes Thema. Besonders engagiert ist hier Erika Swoboda, die dabei aus ihrem Freundeskreis große Unterstützung erfährt. Zur Unterkunft von Flüchtlingsfrauen und ihren Kindern ist indes der Pfarrhof Lang geworden. Projektträger ist die Caritas. Wobei sich vor Ort viele Ehrenamtliche rund um die Koordinatorin Karin Maitz enorm engagieren.

Die Theatergruppe aus Groß St. Florian
Die Theatergruppe aus Groß St. Florian Foto © kk


In Groß-St. Florian bietet die Theaterpädagogin und Integrationslehrerin Sabine Schlick-Kummer einen Theaterworkshop für neun Kinder und junge Erwachsenen aus Afghanistan und Syrien an, die im Ort wohnen. „ Bei einem Fest der Begegnung am 14. Oktober wird das Stück aufgeführt.