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Projekt der Feuerwehr

Geschichten, Tragödien und Anekdoten: 51 Zeitzeugen erinnern sich

Einzigartiges Projekt hält Erinnerungen von Zeitzeugen aus dem Feuerwehrbereich Deutschlandsberg für die Nachwelt fest. Mehr als zwei Stunden an Interviews wurden bereits auf Video aufgezeichnet.
Von Wilfried Rombold

Engagiertes Team: Hans Amon, Josef Gaich, Alois Gritsch und Helmut Strunz
Engagiertes Team: Hans Amon, Josef Gaich, Alois Gritsch und Helmut Strunz © BFVDL
 

Dieses Erinnerungs-Projekt ist wohl nicht nur in Österreich einzigartig: Mehr als 20 Stunden an Videomaterial hat ein Team um den Feuerwehrhistoriker Alois Gritsch aus Bad Gams gesammelt, Interviews mit 51 Zeitzeugen geführt, Hunderte Fotos gesichtet.

Am Anfang stand die Idee, Anekdoten und Erinnerungen langjähriger Kameraden aus dem Feuerwehrbereich Deutschlandsberg in Form von Videointerviews zu sammeln. Mittlerweile hat das Projekt an Umfang gewonnen. In drei Staffeln wurden in den Rüsthäusern Deutschlandsberg und St. Stefan Zeitzeugen von 28 Feuerwehren, der Bezirkshauptmannschaft und dem Feuerwehrmuseum vom Hohlbacher Kommandanten Josef Gaich interviewt. „Den hab’ ich angeworben. Er macht die Sache wirklich gut, geht auf die Leute ein und wärmt sie ein etwas auf, damit sie lockerer werden“, ist Gritsch voll des Lobes für Gaich. Gefilmt wurde an zehn Drehtagen mit zwei Kameras, die von Helmut Strunz und Hans Amon bedient wurden.

Für Diplomarbeit

Doch was passiert jetzt mit dem vielen Material? Mitarbeiter des Feuerwehrmuseums Groß St. Florian werden im Sommer die Interviews transkribieren, damit sie in schriftlicher Form archiviert werden können. Jede Feuerwehr kann für die Erstellung ihrer Chroniken auf die Daten zugreifen. Aber auch für eine wissenschaftliche Aufarbeitung bietet sich das „Oral-History-Projekt“ an. „Vielleicht findet sich ja ein Student, der eine Diplomarbeit machen will“, so Gritsch. Dasselbe gelte übrigens auch für einen Film, der die Fülle an Interviews und Fotos kompakt zusammenfasst.

Denn an interessanten Geschichten von anno dazumal mangelt es nicht. So erzählte etwa Florian Neßhold von der Feuerwehr Schamberg, wie man seinerzeit den Abprotzspritzenwagen noch mit der Hand vom Feuerwehrhaus bis zur Porzellanfabrik Frauental hinuntergezogen hat. Dort spannte der Bauer vulgo Höchkiegerl seine Pferde vor den Wagen, erst dann ging es flott zum Löscheinsatz.

Florian Neßhold von der FF Schamberg im Interview
Florian Neßhold von der FF Schamberg im Interview Foto © BFVDL

Der ehemalige Landtagsabgeordnete Johann Aichhofer erinnerte sich, wie er 1939 als junger Bursche mit dem Horn die Signale blies. Nicht überall gab es Sirenen, da mussten noch Hornisten das Signal zum Einsatz geben. Viele Frauen und Jugendliche seien im Dritten Reich zu der Feuerwehr zwangsrekrutiert worden, berichtet Gritsch. In Michlgleinz war man zu Kriegsende froh, dass die Feuerwehr noch kein Auto besaß. Alle Fahrzeuge wurden nämlich nach den Bombenangriffen in Graz gebraucht.

Das Foto zeigt die Gründungsfeier der FF Rosegg 1932
Das Foto zeigt die Gründungsfeier der FF Rosegg 1932 Foto © kk

Kameraden erinnerten sich in den Gesprächen sowohl an tragische Ereignisse mit Todesopfern als auch an heitere Geschichten. „So mancher hatte feuchte Augen“, erinnert sich Gritsch. „Wir sind dann hinterher oft noch lange zusammengesessen und haben weitergeredet.“

Das soll auch bei der nächsten Interviewreihe in ein, zwei Jahren so sein. Denn abgeschlossen ist das Projekt noch nicht. Gritsch will es auf eine noch breitere Basis stellen und hofft daher schon jetzt auf viele Rückmeldungen aus den Feuerwehren.

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