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Geschichten von früherDie vergessene Dichterin Aline Aliberti

Das Schreiben hielt die in Wies geborene Dichterin am Leben. Eine Auswahl ihres Werkes erschien kürzlich im Kürbis- Verlag.

Marie Knittelfelder - alias Aline Aliberti - und ihr Ehemann Hermann
Marie Knittelfelder - alias Aline Aliberti - und ihr Ehemann Hermann © KK
 

Sie war Ehrenbürgerin von Wies und pflegte Bekanntschaften mit den literarischen Größen ihrer Zeit. In Straß erinnern noch heute eine Grünanlage und eine Gedenktafel an sie. Die Rede ist von der weststeirischen Dichterin Aline Aliberti, alias Marie Knittelfelder. Geboren wurde sie am 9. Dezember 1885 als Maria Leitner in Wies – als jüngstes von drei Kindern. Die Mutter wuchs in Ehrenhausen auf und war die erste Postmeisterin der Steiermark. Der Vater war als Volksschullehrer in Wolfsberg im Schwarzautal tätig. Das Paar ließ sich schließlich in Wies nieder, wo Johann Leitner die vier Prinzessinnen der Familie Lichtenstein auf Schloss Burgstall unterrichtete.

Ihre ersten literarischen Versuche unternahm Marie schon in jungen Jahren. Mehrere Notizbücher und Veröffentlichungen zeugen davon. Beruflich tritt sie später in die Fußstapfen des Vaters. Sie besucht die Lehrerbildungsanstalt in Algersdorf bei Graz und wird Volksschullehrerin.


Unter ihrem Pseudonym Aline Aliberti erscheinen 1906 zwei Gedichte im Berliner Jahrbuch „Neue deutsche Dichtung“. Ab 1911 verfasst sie regelmäßig Reiseberichte, Kurzgeschichten und Buchrezensionen für die Grazer Tagespost. Die meisten ihrer Gedichte veröffentlicht sie über Jahre hinweg in der Sonntagsausgabe des Blattes. Ihr sehnlicher Wunsch nach einer Buchveröffentlichung bleibt ihr jedoch verwehrt. Trotz prominenter Fürsprecher lehnen die Verlage ihre Manuskripte ab. Für Lyrik gebe es keine Käufer, sagt man ihr.

Porträt der Dichterin Aline Aliberti
Porträt der Dichterin Aline Aliberti Foto © KK

1910 heiratet Marie Leitner den aus St. Nikolai im Sausal stammenden Hermann Knittelfelder. Mit ihm übersiedelt sie nach Straß, wo beide an der Volksschule unterrichten. 1919 wird sie Mitglied des Grazer Künstlerbundes Freiland. 1928 wird sie in den Steirischen Schriftstellerbund aufgenommen. Ihr Mann wird Direktor der Volksschule Straß. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1938 wird er allerdings zwangspensioniert. Er stirbt im Sommer 1939 im Alter von nur 55 Jahren an einem Herzschlag.

Der Tod ihres Seelenverwandten trifft Marie schwer. Sie widmet ihm ein Requiem und vermerkt in ihrem Taschenkalender: „Abschluss meines Lebens. Sinnlose Hälfte eines wundervollen Ganzen“. Von nun an beherrscht die Traurigkeit ihr Dasein, was sich auch in ihrem literarischen Schaffen zeigt. Sie übersiedelt nach Pölfing-Brunn, wo sie sehr zurückgezogen lebt. Täglich besucht die trauernde Dichterin das Grab ihres Mannes in Wies. Im Zwiegespräch mit dem Verstorbenen findet sie Trost. Im Ort belächelt und verspottet man sie dafür.

Doch Aline Aliberti bringt weiter ihre Gedanken zu Papier. Das Schreiben hält sie am Leben. 1955 endlich erscheint ihr erstes eigenes Buch. Es ist ein Gedichtband mit dem Titel „Schwermut löscht der goldnen Zeile Glänzen“. 1957 wird sie zur Ehrenbürgerin ihrer Heimatgemeinde Wies ernannt. 1958 erhält sie den Lyrikpreis der Stadt Graz.

Am 14. Mai 1959 stirbt Aline Aliberti. Tags zuvor hatte sie noch ein Manuskript zur Post gebracht. Nach ihrem Tod nahm sich der Dichter Paul Anton Keller um ihr literarisches Erbe an. Mit seiner Hilfe erschienen ihre gesammelten Werke schließlich in einer fünfbändigen Ausgabe. Dennoch gerieten ihre Schriften rasch in Vergessenheit.

Nun hat sich der aus Kitzeck stammende Schriftsteller Christian Teissl erneut auf die Spuren von Aline Aliberti begeben. Das Ergebnis ist ein Auswahlband, der einen Querschnitt durch das Werk der Autorin liefert und bislang unveröffentlichte Texte aus ihrem Nachlass enthält. Das Buch „Nun breite deine Flügel, Wind!“ ist im Wieser Kürbis Verlag erschienen.

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