Sommergespräch aus der SüdsteiermarkGranada-Sänger Thomas Petritsch: "Man muss sich selbst treu bleiben"

Der Südsteirer Thomas Petritsch feiert mit der Band Granada Höhenfluge. Aber was hält er vom Vergleich mit Wanda und von Alkohol auf der Bühne? Und wann spielt es in der Heimat Granada?

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Entspannt im Gastgarten der Gamlitzer Weinstube in Graz: Thomas Petritsch, Sänger, Texter und Musiker von Granada © Thomas Wieser
 

Sie sind Sänger der Band Granada, die derzeit sehr erfolgreich ist. Kürzlich kam das zweite Album heraus, es gibt in den kommenden Wochen viele Auftritte in Deutschland und Österreich. Aber wieso kann ein Südsteirer so gut auf Wienerisch singen?
THOMAS PETRITSCH: Wienerisch ist das nicht. Es ist kein Versuch, den Wiener Dialekt nachzumachen. Es ist ein städtisches Österreichisch, eher noch Grazerisch als Wienerisch. Die Sprache in den Städten vermischt sich ja.


Ihre Band Granada ist inzwischen kein Geheimtipp mehr. Sie wird auch schon mit Wanda, Bilderbuch oder dem Nino aus Wien in einem Atemzug genannt? Eine Ehre? Oder auch eine Bürde?
Schon eine Ehre. Aber das einzig Vergleichbare ist, dass wir auch eine österreichische Band sind. Wir erzählen in unseren Liedern Geschichten, wir sind breit aufgestellt, haben verschiedene Stile. Und unser Alleinstellungsmerkmal ist das Akkordeon. Der Vergleich mit Wanda ist unpassend, wir machen eine andere Musik, eher Richtung STS. Der Sound ist eher südländisch.


Wo und wie wurden Sie musikalisch sozialisiert?
In der Volksschule habe ich Gitarre gelernt. Aber ich habe lieber gekickt, in Großklein und St. Johann. Erst mit 16, 17 habe ich mich aktiv für Musik interessiert. Uriah Heep, die Stones, die Beatles bis hin zum Indie der Hamburger Schule habe ich alles gehört. Ich habe in der Schulband Bass gespielt, Songs gecovert, herumexperimentiert. Dann ist mein Soloprojekt Effie entstanden und es ist ruckzuck gegangen. Ich habe viel Unterstützung vom Radio Soundportal gekriegt, meinen Manager kennengelernt und mache seither professionell Musik.

Zur Person und zur Band

Thomas Petritsch (32) wuchs in St. Johann im Saggautal auf. Nach der Matura am Gymnasium in Leibnitz studierte er in Graz Germanistik.

Im Jahr 2015 gründete er die Band Granada. Thomas Petritsch ist als Sänger und Songwriter tätig, weitere Mitglieder sind Jürgen Schmidt (gebürtig aus Voitsberg), Roland Hanslmeier (gebürtig aus Bairisch Kölldorf), Lukas Custos und Alexander Christof (beide stammen aus Niederösterreich). Dieser Tage erschien das zweite Album „Ge Bitte“.


Am 19. August spielen Granada im Parkhaus Graz, am 7. September im Cafe Lederhaas in Arnfels. Im Grazer Orpheum gibt es am 7. Dezember ein weiteres Konzert. Bis Weihnachten spielen Granada zahlreiche Konzerte, die meisten davon in Deutschland.


Das Soloprojekt Effi liegt zur Zeit aber auf Eis?
Mein Hauptaugenmerk gilt im Moment Granada. Rundherum geht sich da nur wenig aus. Außerdem braucht man auch Inspirationspausen. Es ist schwer, jedes Jahr ein Album herauszubringen.


Im Lied „Ottakring“ beschreiben Sie das bittersüße Leben – mit einem fröhlichen Südsee-Sound. Wie passt das zusammen?
Wir haben eine Dur-lastige Musik, aber der Text ist nicht so in Dur gehalten. Das bringt eine gewisse Spannung. Wir haben in unseren Texten eine gewisse Melancholie, es gibt viele Wortspielereien, viel zu entdecken.

Granada (im Bild mit Jazzgitti) gibt es seit 2015. Für den Film „Planet Ottakring“ wurde ein Album produziert Foto © Kamarama


Von wem kommen die Texte?
Hauptsächlich von mir, hin und wieder auch vom Gitarristen Lukas. Wir harmonieren in der Band sehr gut. Wir mögen uns alle gerne, sitzen auch oft privat zusammen.


Geht man sich beim Proben, Touren und im Studio nicht auch auf den Geist?
Sicher, manchmal schon. Wenn man zwei Wochen gemeinsam im Studio steht, ist man manchmal grantig.


Sie leben in Graz, sind aber viel unterwegs. Wie oft kommen Sie zurück in die Südsteiermark?
Hin und wieder. Dann bin ich bei meiner Familie oder meiner Cousine. Sie hat in Fresing ein cooles Kaffeehaus, mit einem extrem guten Kaffee.

Granada spielten kürzlich beim Donauinselfest in Wien Foto © APA/Oczeret


Zwischen den vielen Auftritten in Deutschland und in den großen Städtenin Österreich: Kann man Granada auch in der Südsteiermark einmal hören?
Wir spielen am 7. September ein Benefizkonzert für die Tageswerkstätte im Cafe Lederhaas in Arnfels. Es wird von der Akustik her sehr reduziert, eine ganz spezielle Show.


Wäre es auch ein Thema, so wie einst Willi Resetarits mit dem Stubnblues in Buschenschänken zu spielen?
Das passt wohl nicht so gut, das haben wir nicht am Programm.


So nebenbei: Wie schaut es mit Alkohol auf der Bühne aus?
Das geht sich nicht aus. Das sollen andere machen. Man muss voll fokussiert sein.


Ihr wart mit den Sportfreunden Stiller auf Tour, habt beim Donauinselfest vor Zigtausenden Besuchern gespielt und füllt große Säle. Was kommt als nächstes? Headliner beim Nova Rock?
Dazu passen wir nicht. Es ist nicht das Wichtigste, bei großen Festivals zu spielen. Wir mögen generell die kleineren Sachen lieber. Man muss sich immer selbst treu bleiben, darf nie die Bodenhaftung verlieren. Aber das fällt einem Steirer vielleicht leichter.

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