Interview mit Bloggerin Katharina Haas"Ohne Handy bist du sofort inaktiv"

Die Bloggerin Katharina Haas (21) alias „mylifeaskathii“ verdient auf der Plattform Instagram ihren Lebensunterhalt: Sie wirbt für Mode und Kosmetika und hat fast 100.000 Follower. Die Steirerin über ihren ungewöhnlichen Job, ihre Tipps für junge Blogger und die Schattenseiten des Internet-Business.

Bloggerin Katharina Haas (alias mylifeaskathii) © Privat
 

Wie hat deine Karriere als Influencerin angefangen? War das eine bewusste Entscheidung, dass du gesagt hast, „ab jetzt möchte ich Influencerin werden“?

Kathi Haas: Es war nie meine Absicht, Influencerin zu werden. Es hat mit der Schulzeit angefangen. Ich habe mir Instagram gemacht, da all meine Freunde diese App benutzten. Mir fiel dann auf, dass ich viel schneller an Follower gewonnen habe. Glück spielte eine wichtige Rolle dabei. Zwischen einer Followeranzahl von 9000 und 10.000 hat eine Beauty-Firma einen Beitrag von mir gerepostet und andere User wurden auf mich aufmerksam und abonnierten mich. Ab diesem Zeitpunkt habe ich mehr Qualität in meine Bilder gelegt. Ich wusste, dass es mit YouTube geht, dachte aber nicht, dass es mit Instagram auch möglich ist.

 

Gibt es einen Blogger/Influencer der für dich eine Inspiration ist?

Ich wollte mich nie mit Jemanden vergleichen. Das zieht einem nur runter. Ich möchte mir selber treu bleiben. Aber ich habe mir damals gerne die YouTube Videos von „shaaanxo“ angeschaut. Durch sie bekam ich einige MakeUp-Looks-Inspirationen.

 

Wirst du auf der Straße erkannt? Du bist derzeit Studentin, wie reagieren die Studenten, wenn sie dich sehen?

Ich höre ab und zu meinen Namen auf der Straße. Sie fotografieren mich, aber sprechen mich nicht direkt an. Das kann ich verstehen. Ich werde mich aber sehr freuen, wenn sie auf mich zukommen und mich ansprechen. Es gab aber auch eine Situation, wo ich im Auto saß und die Leute mich einfach abfotografiert haben. Da musste ich mir mein Buch vor das Gesicht halten.

Privat
Eines der Bilder von Katharina Haas auf Instagram © Privat

 

Gibt es Tage, an welchen du Angst hast, dass es als Influencer nicht mehr aufwärts gehen könnte?

Nein, das war hauptberuflich nie mein Traum beziehungsweise mein Ziel.
Ich würde niemals bloggen, ohne eine Ausbildung zu absolvieren. Ich studiere derzeit auf Lehramt und unterrichte nebenbei. Wie heißt es doch so schön „Wer hoch fliegt, der kann auch tief fallen“.

 

Wie hat deine Familie, dein Freundeskreis von deiner Tätigkeit erfahren? Wie war ihre Reaktion darauf, als sie es erfahren haben?

Meine Freunde interessieren sich nicht so sehr für das. Sie wissen auch nicht, mit welcher Firma ich zusammenarbeite. Mein bester Freund aber schon und er schießt auch die Bilder von mir. Meine Familie erfuhr es, als sie mich zum ersten Mal in der Zeitung gesehen hat.

 

Hast du Tipps für Jugendliche, die weniger an Selbstbewusstsein ausstrahlen?

Bleib einfach du selber und stehe zu deiner Persönlichkeit. Vergleich dich nicht mit anderen Personen. Du kannst alles schaffen. Du musst es nur selber wollen.

 

Wirst du auf Veranstaltungen eingeladen? Wie zum Beispiel zur Glow in Deutschland, wo sich viele Influencer auf einem Fleck treffen?

Ich wurde öfters nach Wien eingeladen, konnte aber nie dabei sein, da ich Uni hatte. Ich werde niemals die Uni schwänzen. Wenn in Graz eines ist, dann werde ich dorthin eingeladen, aber das findet eher selten statt.

Zur Person

Katharina Haas (21) aus Wildon hat auf Instagram fast 100.000 Follower. Ihr Alias: "mylifeaskathii". Sie wirbt für Kosmetika und Mode. Sie studiert Geschichte und Religion (Lehramt) in Graz.

 


Verdienst du alleine durch das Posten eines Bildes? Kann man alleine durchs Influencer-Sein leben?

Ich verdiene pro Bild, wenn es in Kooperation mit Firmen in Verbindung steht. Wenn ich das Produkt für eine Firma bewerbe, dann steht deutlich „Werbung“ da. Bis das Bild zum Hochladen fertig ist, brauche ich eine Stunde, um ein Bild zu machen, und eine Stunde für das Bearbeiten. Bildbearbeitung macht viel aus. Ich greife auf Apps wie „Facetune 1“, „Facetune 2“, „VSCO Cam“ zu. Ich verwende selten Photoshop-Programme. Kleine Mädchen sollten sich das aber nicht als Vorbild nehmen. Instagram ist eine irreale Welt. Jeder zeigt sich von seiner besten Seite.

 

Würdest du für jedes Produkt werben?

Nein. Ich lege sehr viel Wert auf Authentizität. Ich stehe hinter jedem Post, wenn Werbung dabeisteht, dann ist das ein Zeichen, dass Geld eingeflossen ist.

 

Wie sieht dein Alltag aus?

Wie der eines Studenten. Ich fahre morgens zur Uni, fahre danach nach Hause. Zuhause angekommen lerne ich für die Uni und wenn mir noch Zeit übrigbleibt, mache ich Bilder für Instagram und am Abend gehe ich ins Bett.

 

Ist/War Lehrerin dein Traumberuf.

Schon seit der Volksschule war es mein Traum, Lehrerin zu sein. Ich hätte kein Plan B gehabt, wenn ich die Aufnahmeprüfung nicht geschafft hätte. Ich liebe Kinder und ich liebe es, sie auch zu unterrichten. Ich studiere derzeit Lehramt für Sekundarstufe und bin sehr zufrieden und froh darüber.

 

Bringt Influencerin zu sein auch Nachtteile mit sich?

Ja. Du musst 24/7 da sein. Wenn du nicht dein Handy bei dir hast, bist du sofort inaktiv und sie entfolgen dich. Du hast es immer im Hinterkopf. Es gibt User, die einen negativen Kommentar hinterlassen, aber du musst mit dieser Negativität umgehen können.

 

Was sind deine „5 Must-Have’s“ Teile, die man im Kleiderschrank haben sollte?

Playsuits auf jeden Fall. Sie sind verspielt und süß. Jumpsuits, High-Waist-Jeans, destroyed Jeans, verspielte Kleider, Jeans-Jacken. Blazer ist ein Muss, damit kannst du jedes Outfit aufpeppen.
Nicht vergessen, Statement-Pieces, die peppen auch dein Outfit.

 

Hast du ein Kleidungsstück, dass ein Fehlkauf war?

Ja, auf jeden Fall (lacht), das Preisschild hängt sogar noch dran und wurde noch nie getragen.

 

Fallen dir treue Follower auf?

Ja, wenn sie sehr aktiv sind, dann fallen sie mir auf.

 

Was machst du mit Produkten, die du zugeschickt bekommst?

Ich freue mich über jedes Produkt. Ich verlose sie gerne an meinen Follower, damit möchte ich ihnen eine Freude bereiten. Zu Weihnachten mache ich gerne Give-Away’s. Ich kaufe die Produkte von meinem Geld und gebe mir sehr viel Mühe mit der Verpackung. Das soll meinen Followern zeigen, wie sehr dankbar ich ihnen bin und ihre Treue schätze. Ohne meine Follower wäre ich heute nicht hier.

 

Hast du Tipps für Personen, die auch am Überlegen sind eine Karriere als Influencer zu starten?

Ja, aber es soll jedem bewusst sein, dass es kein Geheimrezept dafür gibt. Man braucht viel Glück um eine große Reichweite aufbauen zu können. Mein Tipp: Abwechslungsreicher Feed und ein „roter Faden“ soll gegeben sein. Das heißt, dass jedes Bild den selben Filter und die gleiche Bildbearbeitung haben soll. Geh nicht mit dem Trend mit. Zieh dein eigenes Ding durch. Bleib du selber.

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