Leibnitz"Alkoholiker ist man ein Leben lang"

Ab sofort gibt es auch in Leibnitz eine Selbsthilfegruppe der Anonymen Alkoholiker. Unterstützung gibt es dort nicht nur für Betroffene, sondern auch für Angehörige.

Anlaufstelle bei Alkoholsucht: die Anonymen Alkoholiker jetzt auch in Leibnitz (Sujetbild)
Anlaufstelle bei Alkoholsucht: die Anonymen Alkoholiker jetzt auch in Leibnitz (Sujetbild) © (c) lassedesignen - Fotolia
 

Alkohol ist nicht harmlos, nur ist das in den Köpfen noch nicht angekommen“, ist Christine aus der Südsteiermark überzeugt. Und sie weiß, wovon sie spricht. Seit mittlerweile 30 Jahren ist sie trockene Alkoholikerin. Und sie sagt auch: „Ich verdanke mein neues Leben den Anonymen Alkoholikern.“

Drei Jahrzehnte Rückblende: Christine ist 37 Jahre alt, als sie ihren persönlichen Tiefpunkt erreicht und bei den Anonymen Alkoholikern landet. Davor ist sie 14 Jahre lang Spiegeltrinkerin, das letzte Jahr vor dem Ausstieg aus dem Alkohol Rauschtrinkerin. Gemerkt hat über all die Jahre niemand etwas von ihrer Sucht. „Meine größte Angst war immer, dass irgendwer merkt, dass ich trinke. Deshalb habe ich mich in der Öffentlichkeit beherrscht, getrunken habe ich zu Hause, dann habe ich mich eingesperrt“, erinnert sie sich. Der Anfang ihrer Trunksucht schien harmlos. Gegen die Schlaflosigkeit trank sie abends Bier. Anfangs nicht viel, dann hat sich die Menge gesteigert, um die erwünschte Wirkung zu erzielen. Irgendwann konnte sie sich nicht mehr vorstellen, ohne Alkohol zu leben. Da kontaktiert sie die Telefonseelsorge, die den Kontakt zu den Anonymen Alkoholikern herstellt. „Am nächsten Tag hat mich jemand besucht, das war der Beginn meines neuen Lebens“, erinnert sich Christine.

Selbsthilfegruppe

In Leibnitz treffen sich die Anonymen Alkoholiker ab sofort jeden ersten Freitag im Monat.
Das Treffen findet im Psychosozialen Zentrum Leibnitz, in der Wagnastraße 1, 1. Stock, statt. Begonnen wird mit den Treffen jeweils um 19 Uhr.
Kontakt: Tel. 0650-75 12 153.


Auch Martin hat in zwei Monaten den 30. Jahrestag. Er fing mit 15 Jahren bei Partys an zu trinken. Die Wirkung des Alkohols hat ihm gefallen. „Da wurde ich locker, konnte mit den Mädchen leichter reden.“ Dann wurde er Musiker. Es wurde viel geprobt und viel getrunken. Das Problem dabei? „Wir waren neun Leute. Sieben konnten rechtzeitig aufhören. Mein bester Freund und ich konnten es nicht.“


Ein Rausch folgt dem nächsten. In immer kürzeren Abständen und mit gewalttätigen Aktionen zu Hause. Martin versuchte zweimal seinem Leben ein Ende zu setzen. „Gott sei Dank ist das nicht gelungen“, ist er froh. Die zweite Frau und vor allem die Kinder, die er nicht verlieren wollte, waren es, warum er Hilfe bei den Anonymen Alkoholikern suchte. Einen Rückfall am Anfang hatte er. „Das war arg, es hat mir vor mir selbst so gegraust und seither habe ich keinen Tropfen mehr getrunken“, erzählt er. Das war vor 30 Jahren. Bei den Anonymen Alkoholikern ist er geblieben, geht wöchentlich zum Meeting. Denn: „Alkoholiker ist man immer“, sagt er.


Bei einem dieser Treffen wurde auch die Idee geboren, die Selbsthilfegruppe auch in Leibnitz zu installieren. „Wir helfen uns gegenseitig, geben unsere Erfahrungen weiter“, so Wolfram. Und: „Wir alle sind diesen Weg gegangen, daher wird man auch sofort verstanden.“ Zwölf Schritte gibt es, an denen sich die Betroffenen im Alltag orientieren. „Das ist das Gerüst für unser trockenes Leben und es funktioniert“, so Wolfram. Bei ihm seit 28 Jahren. Aber auch er sagt: „Ohne Selbsthilfegruppe geht es nicht.“

 

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