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Ein poetischer Porträtist der Südsteiermark

Heuer wäre Fritz Marx, lange vergessener südsteirischer Dichter, hundert Jahre alt geworden. Gastautor Christian Teissl mit einer literarischen Würdigung seines Wirkens.

 

Ba uns dahoam is nur a Leitn, a sperra Grund, wo net vüll wochst, muaßt oll's erscht herzahn von da Weitn und koana hülft da, wonnst dih plogst." Mit diesen Worten beginnt eines der "Neuen Steirerlieder" des Leibnitzer Komponisten Franz Koringer. Vor 25 Jahren erstmals aufgeführt, gehört es mittlerweile landauf, landab zum festen Repertoire vieler Laienchöre.

Doch je populärer es wurde, desto mehr geriet der Textdichter Fritz Marx in Vergessenheit: Nach seinem Tod 1985 verschwand sein Name mehr und mehr aus dem öffentlichen Bewusstsein des Landes, sein Werk galt allgemein als verschollen. Umso erfreulicher ist, dass nun eine heimische Bluesband, das Zentralorchester der südsteirischen Hagelabwehr (kurz Zosh), den Dichter für sich entdeckt hat und seine Dichtungen im Dialekt, mit tatkräftiger Unterstützung des Leibnitzer Buchhändlers Erwin Draxler, wieder unter die Leute bringt.

Zweite Heimat

Wie für Franz Koringer war auch für Fritz Marx die Südsteiermark nicht erste, sondern zweite Heimat. Geboren in Graz und früh verwaist, kam Marx als Ziehkind zu Bauern nach Tillmitsch. Dort lebte er bis zum Krieg, arbeitete zunächst in der Landwirtschaft, dann in einer Ziegelei. Nach dem Krieg fand er eine Anstellung als Nachtportier in einer Grazer Großgarage.

Neben der Brotarbeit widmete er sich immer stärker dem Schreiben. Ein Pendler zwischen Stadt und Land, zwischen Graz und dem Sausal, wo er seine Wochenenden verbrachte, schilderte er niemals städtische Szenen und Grazer Mileus, sondern ausschließlich die Welt der Bauerndörfer und Einschichthöfe, der Kleinkeuschler und Winzer, unter denen er aufgewachsen ist. Ihnen fühlte er sich zugehörig; ihre Sprache war auch die seine geworden. Während ein anno dazumal viel gelesenes Buch wie "Das Sausaler Jahr" von Paul Anton Keller Land und Leute aus der Perspektive eines Gutsherren beschreibt, erteilt Fritz Marx in seinen Gedichten der Landbevölkerung das Wort, lässt sie aus ihrer Sicht und in ihrer eigenen Sprache, dem unverfälschten Sausaler Dialekt, von ihrem Tagwerk und ihrem Jahrlauf erzählen.

In seinen beiden Büchern "Ba uns dahoam" und "Drüban Roan" findet sich eine lange, eindrucksvolle Galerie südsteirischer Typen: bloßfüßige Schulkinder und mittellose Einleger, junge Liebespaare und alte Eigenbrötler, arme Leute allesamt. Fritz Marx hat mit ihnen gelebt, ihre Sorgen und ihre Freuden geteilt und sich darauf einen Reim gemacht, der auch heute noch zu beeindrucken weiß.

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