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Kirchbergs neue KnochenkammerFrischer Wind für alte Knochen

Die Knochenkammer der Kirchberger Kirche wurde saniert und mit wissenschaftlicher Unterstützung zum Ossarium umgestaltet. Wir begaben uns auf die Spuren der Knochen . . .

Johann Köhldorfer, Brigitte Pölzl und Gernot Stocker im neuen Ossarium in Kirchberg an der Raab © Schleich
 

Über Jahrhunderte wurden unter der Kirche in Kirchberg in einem gewölbten Kellerraum menschliche Gebeine gelagert. Man fand sie beim Ausheben eines neuen Grabes im Kirchhoffriedhof. Das Knochenlager wurde nun würdevoll geschichtet und für Besucher zugängig gemacht.
Mittelalterliche Friedhöfe waren stets rund um die Kirchen angelegt. Der Platzmangel erforderte, dass bei Neubestattungen die in der Erde noch vorhandenen Knochenreste früherer Bestattungen an einem anderen Platz untergebracht wurden. In Kirchberg war das ein kleines Kammerl unterhalb der Kirche, wo die Gebeine ungeordnet auf den Boden gelegt wurden. Es entstand ein Durcheinander von Knochen und Schädelteilen. Auf Initiative des Vereines „Kirchberger Ländchen“ wurde der Raum neu gestaltet und als Ossarium für Besucher zugängig gemacht.

Funde aus der Römerzeit

Zwei Jahre lang hat Projektleiter Gernot Stocker mit Brigitte Pölzl und einem Historikerteam an der Neugestaltung des sogenannten „Boankammerls“ gearbeitet. „Als erster Arbeitsschritt mussten die Knochen aus dem Raum ausgelagert werden. Dann konnte mit der Sanierung des Ossariums begonnen werden“, erzählt Johann Köhldorfer, Obmann des Vereines „Kirchberger Ländchen“.

 

Ossarium: Die Knochenkammer in Bildern

Ein Bild von früher

Das war die Knochenkammer früher

Johann Schleich

Schädel gibt es in der Knochenkammer viele

Johann Schleich

Das neue Ossarium

Johann Schleich
Johann Schleich

Segnung der restlichen Gebeine

Johann Schleich

Die neue Knochenkammer

Johann Schleich
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Schon bei den ersten Arbeiten entdeckte man römerzeitliche Werksteine und mittelalterliche Mauerteile, die zu den letzten erhaltenen Bauteilen der romanischen Kirche gehörten. Die Werksteine verweisen auf eine römische Siedlung, wie sie im Raabtal mehrfach bestanden.

Tod nach Knochenbruch

Die sterblichen Überreste geben guten Einblick in die damaligen Lebensverhältnisse. Die anthropologischen Befunde zeigen, dass die Menschen gut genährt waren. Ganz anderes gilt für den Stand der medizinischen Versorgung der damaligen Zeit.

Knochenbrüche konnten zum Tod führen, brachten aber jedenfalls oft körperlichen Einschränkungen mit sich. Alle gefundenen Brüche zeigen Entzündungen und wilde Verwachsungen. Köhldorfer: „Keines der gefundenen Opfer von Knochenbrüchen kann die Fraktur viel länger als ein Jahr überlebt haben.“

Bis zu 90 Jahre alt

Die Gebeine stammen von Verstorbenen aller Altersgruppen. Manche dürften bis zu 90 Jahre alt geworden sein. Die Ansicht, Menschen vergangener Jahrhunderte seien kleiner gewesen, stützen die Funde nicht: Die Gebeine lassen auf heutige Durchschnittsgröße schließen.
Sehr interessant sind starke Oberschenkelknochen, die an einer Seite der Kammer lagen. Sie gelten als sterbliche Überreste von Reitern aus dem Regiment von Schlossbesitzer Graf Sigbert Heister aus dem späten 17. Jahrhundert. 56 männliche und acht weibliche Soldaten des Regiments wurden beerdigt. Sie waren auffallend groß.

Keines der gefundenen Opfer von Knochenbrüchen kann die Fraktur viel länger als ein Jahr überlebt haben.

Johann Köhldorfer

Knochenwucherung

Im jederzeit zugänglichen Ossarium sind in einer Vitrine ein Schädel mit krankhafter Knochenwucherung und ein Schädel, der an der Stirn einen Schwerthieb aufweist, sowie ein wild verwachsener Schenkelknochen zu sehen.
In einem neu angelegten Grab nahe des Kirchenportals wurden die restlichen Gebeine aus dem Ossarium rückbestattet. Pfarrer Bernhard Preis und Altpfarrer Alois Kremser nahmen die Segnung vor.

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