Steirer des TagesDer mit den Russen tanzt: Siegfried Wolf ist 60

Siegfried Wolf gilt als der erfolgreichste international tätige österreichische Manager. In dieser Woche feierte der Oststeirer seinen 60. Geburtstag.

ENNSTAL CLASSIC 2017:  SIEGFRIED  WOLF
Siegfried Wolf bei der Ennstal Classic © APA/ERWIN SCHERIAU
 

Den Tag im Herbst 1993, an dem Siegfried Wolf zum ersten Mal Frank Stronach traf, wird er nie vergessen. Schließlich war es der Tag, der sein Leben entscheidend und nachhaltig verändern sollte. ,,Ich war damals bei Hirtenberger, als eines Tages Stronach auftauchte und sich über ein Gurtstraffersystem informierte, das wir entwickelt hatten. Wir kamen locker ins Gespräch und was mir Frank da alles erzählte, klang unglaublich. Von vielen Dollars war die Rede und einem Unternehmen, in dem Milch und Honig fließen.“

Das Unternehmen war Magna, und ein paar Monate später zog Wolf aus der Geschäftsführung der Munitionsfabrik aus und in die Magna-Europa-Zentrale in Oberwaltersdorf ein, um als Statthalter und General für Stronach in dessen alter Heimat die PS auf die Straße zu bringen.

Gelernter Werkzeugmacher, wie Frank Stronach

Und Wolf, der wie Stronach aus der Oststeiermark stammt und ebenso gelernter Werkzeugmacher ist, nutzte seine Chance. Als bienenfleißiger, unermüdlicher Klinkenputzer erwarb sich Wolf in der Automobilbranche schnell einen exzellenten Ruf und stieg zügig zum engsten Vertrauten des Konzernchefs auf. Als Chief Executive Officer (CEO) musste er seine Hausmacht im Magna-Imperium zuletzt nur mit seinem Partner Don Walker, dem Ex von Belinda Stronach, teilen.

Wolfs Meisterleistung war zweifellos die Entwicklung des Standortes Graz, der unter dem Ehrenprofessor der TU Graz aufblühte. Seine einzige Niederlage passierte ihm gegen Ende seiner Ära bei Magna, als ihm General Motors in letzter Sekunde den Opel-Deal verweigerte.
Ende 2010, also wenige Monate vor dem Rückzug seines Mentors Stronach, verließ Wolf den kanadischen Zuliefer-Riesen. Und wechselte in das Reich des Oligarchen Oleg Deripaska, wo er seit sechs Jahren als Aufsichtsratsvorsitzender des Fahrzeugherstellers GAZ und dessen Konzernmutter Russian Machines erfolgreich die Fäden zieht und den maroden Hersteller weitgehend sanierte.

Eine Seilschaft fürs Leben. Sigi Wolf hatte stets das Ohr seines Mentors Frank Stronach Foto © APA

Dabei kam dem schlauen Strategen freilich sein weltweit gespanntes, blendend funktionierendes Netzwerk zugute, das nicht nur in die Chefetagen aller Autobauer, sondern in alle Lebenswelten und besonders tief in die Politik reicht. Keinem westlichen Manager wird eine größere Nähe zu Wladimir Putin nachgesagt. Wolf gilt als Russen-Versteher, der stets als Kritiker gegen die vom Westen verhängten Sanktionen auftritt.
Neben seinem Russland-Job hat sich der wohl bestverdienende europäische Manager in den letzten Jahren ein privates Imperium geschaffen. Von Magna und Stronach erwarb er nahezu alle Immobilien in Österreich: die Schlösser in Reifnitz und Oberwaltersdorf, die frühere Europa-Zentrale, den Fontana-Golfclub. Dort feierte der passionierte Golfer und Jäger gestern Abend im Freundeskreis seinen 60. Geburtstag.

Von Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer bekam Wolf dabei das Große Goldene Ehrenzeichen des Landes Steiermark verliehen, mit Wolfgang Schüssel, Sebastian Kurz und Wolfgang Brandstetter hätten die Festredner nicht hochkarätiger sein können.

Kommentare (1)

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scionescio
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Lesenswert?

Der Ruf in der Automoilbranche war und ist so exzellent ...

... dass ihm dort niemand einen Job angeboten hat, nachdem er mit dem versuchten OPEL Deal so ziemlich alle vor den Kopf gestoßen hat ( ein Zulieferer wird plötzlich zum Mitbewerber seiner Auftraggeber ...) und Magna dadurch in große Schwierigkeiten gebracht hat.
Es ist ihm nicht viel anderes übriggeblieben, als sich mit dubiosen Oligarchen einzulassen und unter den Schutzmantel eines Diktators zu schlüpfen - wenn einem Geld und Macht so wichtig sind, schreckt man auch davor nicht zurück.

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