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Steirer des Tages

Auf Augenhöhe mit dem Menschenfeind

Felix Hafner (24) sorgt als bisher jüngster Regisseur am Volkstheater in Wien für Furore.

Regisseur Felix Hafner
Regisseur Felix Hafner © KK
 

Wenn er das Theater betritt, wird nicht „der Holzhammer ausgepackt“. Felix Hafner, so liest man in einer der vielen Premierenrezensionen seiner ersten Inszenierung auf der großen Bühne am Volkstheater in Wien, ist ein leiser Regisseur. Eine Bezeichnung, die der erst 24-Jährige – und damit bisher jüngste Regisseur an dieser Spielstätte – durchaus unterstreichen würde. „Das Theater ist ein klassisches hierarchisches Konstrukt“, meint der gebürtige Maria Lankowitzer. „Allen ist klar, das letzte Wort habe ich als Regisseur. Aber trotzdem ist es wichtig, immer auf Augenhöhe miteinander zu arbeiten.“


Dabei könnte die Fallhöhe gar nicht größer sein. Hafner, der eben erst das Max Reinhardt Seminar abgeschlossen hat, arbeitet in seiner ersten großen Produktion (gespielt wird „der Menschenfeind“ von Molière) immerhin mit Schauspielern, die „schon genauso lange auf der Bühne stehen, wie ich alt bin“. Probleme habe es in der Zusammenarbeit dennoch nie gegeben. Weil sich Hafner, wie er selbst meint, auch keine Blöße gegeben hat. „Ich bin zu jeder Probe perfekt vorbereitet erschienen“, obwohl ihm für seine persönliche Vorarbeit aufgrund des engen Terminplans nur ein Monat – statt der wie für eine Produktion dieser Größenordnung üblichen sechs Monate – zur Verfügung stand.


Dass Vorbereitung in diesem Job alles ist, lernte der Jungregisseur, der im Theaterzentrum Deutschlandsberg bereits mit 17 Jahren sein erstes Stück inszenierte, schon früher. Der erste Versuch bei der Aufnahmeprüfung am Max Reinhardt Seminar scheiterte nämlich kläglich. „Ich habe das damals viel zu leicht genommen“, meint Hafner rückblickend, der zumindest dem Stoff, aus dem Theaterträume sind, bei einem Jahr Germanistikstudium treu geblieben ist. Dass seine berufliche Laufbahn jedoch ins Künstlerische gehen muss, stand für ihn immer ohne Zweifel fest.


Schon als Kind wurde der Spross einer Künstlerfamilie (siehe unten) zu Konzerten mitgenommen und war ständig von Kunst und Kultur umgeben. „Man sagt mir nach, dass ich schon sehr früh für Zirkusaufführungen und kleine Inszenierungen bei Familienfeiern gesorgt habe“, meint er schmunzelnd. Die Schiene zum Theater wurde schließlich über das Schultheater und in weiterer Folge über die Mitgliedschaft im Theaterzentrum Deutschlandsberg gelegt, wo Hafner übrigens immer noch – in unregelmäßigen Abständen – mit einer Improvisationsgruppe als Schauspieler auf der Bühne steht. Der Weststeirer hat sich im Lauf seiner jungen Karriere nämlich auch schon als Schauspieler ausgezeichnet. „Jeder Student des Max Reinhardt Seminars muss in den ersten Semestern auch die Schauspielausbildung durchlaufen“, erklärt Hafner, dessen allererste Rolle jene des Don Quijote bei einer Schulaufführung in Deutschlandsberg war. Im Rahmen seines Studiums in Wien begleitete er seine Schauspielkollegen zu einem Wettbewerb nach Deutschland, den er prompt gewann. Als Schauspieler, wohlgemerkt.

Zur Person

Felix Hafner (24) wurde in Maria Lankowitz geboren. Nach der Schule in Deutschlandsberg studierte er Regie am Max Reinhardt Seminar in Wien. Seine erste große Produktion („Der Menschenfeind“ von Molière) feierte im Herbst im Wiener Volkstheater Premiere.
Termine und Tickets unter: www.volkstheater.at


Und auch im Film hat sich Hafner ausprobiert – mit einem 20-minütigen Spielfilm, zu dem er auch selbst das Drehbuch verfasst hat. „Es ging um einen Studenten, der mysteriöse Briefe von einer Katze erhält“, erzählt Hafner zähneknirschend. „Muss ich noch mehr erzählen? Das war eine einzige Katastrophe.“ Nach der Arbeit an diesem Film habe er bemerkt, dass ihm das Theater einfach mehr liege. „Man muss auch im Theater viel vorplanen und wissen, aber man kann und soll Dinge auch kurzfristig wieder umschmeißen. Das geht im Film nicht.“ Bei der Arbeit zum „Menschenfeind“ habe er das des Öfteren gemacht. Gerade bei den Klassikern, meint Hafner, dauert es lange, bis man sie in ihrem Kern begreift. So hat er sich auch nicht gescheut, noch am Tag der Generalprobe eine Szene zu verändern. „Theater funktioniert nur, wenn es für alle passt“, ist er überzeugt.


Und der Erfolg gibt dem Jungregisseur recht. Die Vorstellungen sind oft ausverkauft. Außerdem wird der „Menschenfeind“ sowohl am 26. Dezember als auch zu Silvester im Programm des zweitgrößten Wiener Theaterhauses stehen. Und es gibt bereits Gespräche für die nächste Spielzeit. Wo Hafner gerne arbeiten würde? Spannende Häuser gibt es viele. Und viele unterschiedliche Stücke, die ihn interessieren. Nur eines will er nicht. „Als Regisseur in eine Schublade gesteckt werden“, sagt Hafner – ganz leise.

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