Sprengstoffalarm hatte es an einem Sonntag Ende August in einem Bankfoyer mitten in Graz-Eggenberg gegeben. Das Einsatzkommando Cobra und der Entschärfungsdienst rückten an, von einem verdächtigen Gegenstand war die Rede. Ein Fehlalarm, wie die Polizei damals offiziell erklärte. Doch ganz so war es nicht. Tatsächlich war einem Einbrecher ein beachtlicher Coup gelungen: Er konnte den Code eines Bankomat-Tresors knacken und sich mit Tresor samt Inhalt aus dem Staub machen. Nun wurde er aber gefasst.

"Kriminaltaktische Gründe" ließen die Polizei damals über die wahren Hintergründe des Großeinsatzes schweigen. Auch heute will man nicht im Detail preisgeben, wie es dem Täter gelungen ist, an den Tresor im SB-Foyer zu gelangen. Nur so viel: Er habe den Bankomat zuvor über Monate hinweg manipuliert und gelangte so an den Zahlencode, der den Zugriff zum Tresor erlaubt.

Passanten fanden Geld

Am 29. August um 1.25 Uhr schlug der Mann schließlich zu, stahl den Tresor samt Inhalt aus dem Foyer. Dabei passierte ihm eine folgenschwere Panne. Auf der Flucht verlor er insgesamt 448 Stück 20-Euro-Banknoten. Sie lagen sprichwörtlich auf der Straße. Passanten fanden das Geld und waren so ehrlich, die Polizei zu alarmieren. So wurde der Coup überhaupt erst wahrgenommen.

Weil bei der Untersuchung des SB-Foyers später verdächtigte Gerätschaften gefunden wurden, kam es zu der großräumigen Absperrung des Areals. Doch es handelte sich um keine Sprengvorrichtung, wie zunächst angenommen. Insofern war die Meldung mit dem "Fehlalarm" richtig.

Sichergestellt wurden am Tatort jedoch Spuren des Verdächtigen. Diese und Bilder aus der Videoüberwachung führten die Ermittler des Landeskriminalamts (in Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt und den Verbindungsbeamten an der österreichischen Botschaft in Belgrad) zu dem 54-jährigen Serben. Dieser befand sich inzwischen wieder in seinem Heimatland und hatte sich zudem hinter einer falschen Identität versteckt.

Festnahme an Grenze

Bei einem Grenzübertritt von Serbien nach Kroatien klickten vor wenigen Tagen für den Gesuchten die Handschellen – ausschlaggebend dafür war ein von der Staatsanwaltschaft Graz angeregter EU-Haftbefehl. Am Dienstag wurde der 54-jährige Serbe am Grenzübergang Spielfeld den heimischen Behörden übergeben. Jetzt sitzt er in Graz in Haft. Bis auf die verlorenen Geldscheine ist von der Beute (eine beträchtliche Geldsumme) nichts mehr da.