Es riecht nach frischem Chlor, drei Rasenmäher-Traktoren werden gerade händisch entleert und die Schwimmbecken werden langsam mit frischem Wasser gefüllt. Die Vorbereitungen im Hartberger Freibad laufen auf Hochtouren. Denn jedes Jahr um diese Zeit wird das Freibad auf Vordermann gebracht. Bademeister Hans Strobl und sein Team der Stadtgemeinde streichen gerade das Sportbecken, während etwas abseits das Montieren des Springsturms für reichlich Arbeit sorgt. "Die intensivste Zeit im Jahr. Die wenigsten wissen, welcher Aufwand dahinter steckt, bis ein Freibad überhaupt benützbar ist", so der Freibadleiter. Wie alle anderen Freibäder im Bezirk wird hier unter Hochdruck gearbeitet.

Investitionen

Aller Voraussicht nach werden die regionalen Bäder rund um den 21. Mai aufsperren - abhängig vom Wetter. "Nach Corona ist vor dem Freibad: Die Menschen sehnen sich nach Freiheit, Gesellschaft und Spaß. Gerade viele Jugendliche haben einander lange nicht gesehen und freuen sich auf die warme Jahreszeit und ihr Stammplatzerl im Freibad", erklärt der Bademeister. Ständig läuft Strobl hin und her und scheint alle Hände voll zu tun zu haben. Während er vor Sekunden noch mit dem Streichen des Beckens beschäftigt war, hilft er inzwischen seinem Freibadteam bei der Befestigung des Sprungturms. Mittels Teamwork und einigen schweißtreibenden Handgriffen schaffen sie es schließlich den drei Meter hohen Turm aufzustellen und abzusichern. Lächelnd blickt sich Strobl in seinem Reich um und greift sofort nach der Heckenschere, als er einige wild wuchernde Äste durch den Freibadzaun entdeckt.

"Wollen sie das Herzstück des Freibads sehen?", fragt Strobl und steht bereits vor den Stiegen des großen Kellereingangs unter dem Gebäude. Ein tiefes Brummen ist bereits von außen zu hören, innen stehen die Reinigungsanlagen, die vor Saisonbeginn überprüft werden. Pumpen befördern das Beckenwasser über ein Überlaufbecken und Siebekessel nach der Reinigung wieder zurück.

100.000 Euro Investition in Fürstenfeld

Ein ähnliches Bild auch im Freibad Fürstenfeld: Hier werden nach den Wintermonaten jedes Jahr bis zu 100.000 Euro in die Anlage gesteckt. Die Hälfte davon geht in den Neuanstrich der Becken und in die technischen Anlagen. "Das sind Fixkosten, unabhängig davon, wie die Saison lauft, muss dieses Geld jährlich in die Hand genommen werden", so Bademeister Andreas Rindler. "Wenngleich wir so gut wie nie schwarze Zahlen schreiben. Was hier zählt, ist der soziale Aspekt. Es wird von Menschen, für Menschen betrieben", erzählt Rindler, der heuer bereits in sein 28. Dienstjahr startet. Heuer freut sich der Bademeister besonders auf die Saison, da er auf zahlreiche Besucher hofft. Zuvor sind aber noch einige Dinge zu erledigen: Aktuell werden die Schlösser der Umkleidekabinen mit Fingespitzengefühl gewartet.

Grundsätzlich gilt: Bademeister werden in jeder Gemeinde laufend gesucht: „Wir haben im ganzen Land einen Bademeister-Mangel. Immer weniger sind bereit, diesen Beruf auszuüben. Das führt dazu, dass viele Schwimmbäder meist unterbesetzt sind“, sagt Rindler, während er geschäftig die Umkleidekabinen überprüft.

Andreas Rindler ist seit 28 Jahren Bademeister
© Wurzinger

Gesetzlich ist genau geregelt, wie viel ausgebildete Bademeister in einem Schwimmbad sein müssen: Bei einer Wasserfläche der Becken von 50 bis 400 Quadratmeter braucht es einen Bademeister, ab 400 dann zwei und ab 1000 ist für jede zusätzliche Wasserfläche bis zu 500 Quadratmeter jeweils ein weiterer Bademeister vorgeschrieben.

Begehrt sei der Job nicht wirklich. "Die meisten glauben, man geht im Freibad lässig spazieren und bekommt sein Eis gratis. Dahinter steckt aber eine große Verantwortung. Nimmt man die Aufgabe ernst, dann fühlt es sich so an, als wäre der gesamte Bezirk im eigenen Privat-Garten und ich müsste schauen, dass der Pool läuft und sich keiner weh tut", so Andreas Rindler und winkt den ersten Zaungästen an der Straße zu. "Wir freuen uns auf euch und sind bald fertig".