"Willkommen auf unserem Hof", winkt Franz Radl aus seiner hölzernen Imkerhütte. Er ist gerade dabei, die Honigräume in den Bienenstöcken nach oben hin zu erweitern, in den nächsten Wochen wird mildes Wetter und viel Honig erwartet. "Ein guter Start ins neue Imkerjahr", streicht der 68-Jährige sanft über einen hellblauen Bienenkasten.

Über (Bienen-)Stock und Stein

Das Anwesen der Familie liegt in Übersbach, am Ende der Straße, idyllisch umgeben von Wäldern und Wiesen. Das Geräusch eines Rasenmähers hört man hier bis Ende Mai nicht, Löwenzahn und Gänseblümchen dürfen bis zum Verblühen stehen bleiben. Fast übertönt das Summen der Bienen aus den 30 Stöcken das Vogelgezwitscher aus der Umgebung. Öffnet man die Tür der Bienenhütte, riecht es nach Bienenwachs. "Unsere Tiere haben Hochsaison und fliegen von früh bis spät", freut sich der Bienenzüchter.

Die selbstgebaute Imkerhütte, nach Süden hin ausgerichtet
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Wer an die Imkerei denkt, hat meistens das Bild eines Schutzanzugs und Bienenhutes vor Augen. Wenn Franz Radl mit seinen Tieren arbeitet, ist ein ruhiges Verhalten sein wichtigster Schutz: „Im Frühling und Sommer arbeite ich mit kurzen Ärmeln, oft auch ohne Schirm“, so Radl. Die Tiere kennen ihn und vertrauen ihm: „Sie können mich im wahrsten Sinne des Wortes gut riechen, Unruhe fällt ihnen sofort auf.“ Als zuständiger Gesundheitswart ist Radl in der Branche seit Jahren übrigens schon das Bindeglied zwischen Amtstierarzt und Imker.

Franz Radl und seine Berufskollegen sind dieser Tage sehr optimistisch, was die heurige Frühjahrsernte angeht: Gab es 2021 aufgrund des Spätfrostes Anfang Mai einen Totalausfall beim Blütenhonig, rechnen heimische Imker heuer mit einer überdurchschnittlichen ersten Ernte, vielleicht sogar mit einem Plus von zehn Prozent im Vergleich zu einem gewöhnlichen Jahr. "Ein milder Winter, Schnee, Regen und glücklicherweise noch keine Frostnächte begünstigen die Lage sehr. Der heilige Petrus schmiert uns heuer Honig ums Maul", lachen er und seine Gattin Margarete. In ihren Händen hält sie gerade zwei kleiderhakenähnliche Metallstäbe.

Eigene Technik

"Da schaun's her, was ich da habe", streckt Franz Radl seine Arme nach ihr aus. "Meine Bienenstöcke werden ausschließlich auf Plätzen positioniert, an denen es Erd- und Wasserstrahlen gibt. Mit meinen Wünschelruten suche ich mir die besten Plätze", sagt der Oststeirer und biegt sich die Stäbe für einen kleinen Rundgang zurecht. Unterstützung bekommt er dabei von seiner Tochter Cornelia. "Bienen sind Strahlensucher, fühlen sich im Gegensatz zu uns Menschen in ihrer Umgebung wohl und können hier bis zu 30 Prozent mehr Ertrag bringen", erklärt sie. Die Rolle von Cornelia am Hof ist klar: "Ich helfe dem Papa bei kleinen Futzeleien in den Bienenstöcken und bei allem Digitalem", schmunzelt die zweifache Mutter.

Stellplätze werden mittels Wünschelrutentechnik aufgesucht
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In den letzten Jahrzehnten hat sich die Imkerei stark verändert: 1978 die bäuerliche Imkerei vom Schwiegervater übernommen, hat Franz Radl vor nunmehr 46 Jahren von einer händisch mühevollen "Hinterbehandlungsmethodik" schon sehr früh auf das heutige Magazinsystem umgestellt. "Arbeitsweisen ändern sich. Was in jeder Imkerseele aber nicht verblüht, ist die Liebe zur Natur und zu den Tieren", philosophiert der Übersbacher mit einem Glas Honig in der Hand. Den Geist der Imkerei möchte er auch an die nächste Generation weitergeben.

In ihren Adern fließt Honig: Die Imkerei hat es der Familie angetan
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Die Erzeugnisse der Imkerfamilie - von Blüten- bis Wald- und Cremehonig - Propolisprodukte und selbstgebastelte Wachskerzen werden übrigens in regionalen Hofläden und am Betrieb der Familie angeboten.

Margarete Radl im Hofladen
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