Der kurze Clip ist nur rund 40 Sekunden lang – und doch gibt es momentan kein soziales Netzwerk, wo man dem Video nicht begegnet. Ein Snowboarder aus Ungarn war am Mittwoch (4. Jänner) am steirischen Kreischberg beim Liftfahren ausgerutscht und "mähte" in Folge vier Skifahrer hinter ihm von der steilen Trasse. Die Skifahrer wurden unbestimmten Grades verletzt. Der kuriose Vorfall wurde von einem Sessellift aus gefilmt, der Clip ging binnen weniger Tage weltweit viral.

"Das ist ein absoluter Wahnsinn, damit hätten wir alle nie gerechnet", staunt am Montag Kreischberg-Chef Karl Fussi. Er und sein Team haben das Video unzählige Male gesehen und analysiert. Für sie steht fest: "So einen Unfall hatten wir hier am Kreischberg überhaupt noch nie." Zwar passiere es häufig, dass Skifahrer und Snowboarder aus der Schlepplift-Trasse fallen, andere Sportler werden dabei aber in der Regel nicht behelligt. "Normal bleibt man dann einfach seitlich stehen, aber dass man rückwärts die komplette Spur runterrutscht, das habe ich noch nie gehört", so Fussi.

Der Snowboarder – laut Polizei ein 18-jähriger Ungar – sei in den Schlepplift "Rosenkranz" korrekt eingestiegen: "Das kontrollieren unsere Mitarbeiter. Er muss den Bügel zwischen den Beinen gehabt haben", erklärt Fussi. Der Kreischberg-Geschäftsführer geht davon aus, dass der Bursche aus Langeweile den Bügel später in die Hände genommen haben dürfte. "Wahrscheinlich dachte er, es ist lustig, und hat dabei seine eigenen Kräfte überschätzt." Im steilsten Stück kam es dann zum Missgeschick: "Er wollte sich aufrichten, hatte aber nur mehr einen Fuß in der Bindung und konnte nicht mehr steuern."

"Hätte noch schlimmer ausgehen können"

Was dann passiert ist, sorgt im Netz für großes Gelächter: Der Snowboarder rutschte aus und brachte alle Skifahrer hinter ihm zu Fall. Für Fussi hat das Video einen bitteren Beigeschmack: "Die wenigsten User wissen ja, dass da wirklich Menschen verletzt wurden. Und der Unfall hätte noch viel schlimmer ausgehen können." Insgesamt wurden vier Personen unbestimmten Grades verletzt, eine Person wurde mit dem Rettungshubschrauber Christophorus 14 ins Krankenhaus nach Friesach geflogen. Der 18-Jährige verließ die Unfallstelle, ohne Erste Hilfe zu leisten. Er wurde ausgeforscht, ihm werden fahrlässige Körperverletzung und unterlassene Hilfeleistung vorgeworfen.

Kreischberg-Chef Karl Fussi
© Sarah Ruckhofer

Auch wenn solche Unfälle selten sind – hätten die "nachfahrenden" Skifahrer die Kollision noch verhindern können? "Nein", meint dazu Fussi. "Wir haben das intern lange diskutiert, da bist du chancenlos. Bis du siehst, was passiert ist, dauert es nur Sekunden und du liegst." Dass das Video am Kreischberg aufgenommen wurde, ist übrigens nicht ersichtlich: "Ich bin sicher, dass 80 Prozent gar nicht wissen, wo das passiert ist. Vor allem auf TikTok wird es ja tausendfach geteilt, und da steht kein Ort dabei", so Fussi. So geht der Kreischberg zwar um die Welt – aber inkognito.