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Schwer verdaulichBeklemmend: "Das Wechselbälgchen" im Theater Oberzeiring

Sigrid Sattler und Christian Elgner bringen eine Erzählung von Christine Lavant auf die Bühne. Die Intensität der Protagonisten wie Regiseure tragen mit ihrer Intensität das Spiel.

Die Intensität von Sigrid Sattler und Christian Elgner trägt das Spiel, Grobheit und Subtiles ziehen sich durch die Geschichte © Bettina Oberrainer
 

Am Anfang das Klimpern von Metallkugeln auf einem Blechkübel. Die Überflutung des Raumes mit finsterer Spannung bedarf keiner Worte. Aber wie verlässt der Besucher diese Vorstellung? Schockiert? Aufgewühlt? Schwer beeindruckt von der Intensität einer auf die Bühne gebrachten Erzählung, jahrzehntealt und zugleich wie aus dem Leben gegriffen? Durchatmen. Gut, wenn man sich nicht auf launige Ablenkung, sondern harte Kost einstellt. Das Theater Oberzeiring zeigt „Das Wechselbälgchen“, eine von Sigrid Sattler und Christian Elgner für die Bühne adaptierte Fassung der gleichnamigen Erzählung von Christine Lavant.

Zwei Stockerl

Es ist die erste Umsetzung mit Schauspielern weltweit, allein Nikolaus Habjan interpretierte die Geschichte mit mehreren Protagonisten und Puppen im Volkstheater.

Sattler-Elgner genügen zwei Stockerl als Requisiten, ihre eigene Intensität trägt das Stück. So gefühlsintensiv die Erzählung, so gefühlsintensiv ihr Spiel. Zitha heißt der stumme, verkrüppelte Wechselbalg, Wrga ihre einäugige Mutter (Sattler), Lenz der Knecht (Elgner). In der kleinen Gemeinde im Grenzland zu Slowenien heißen alle unehelichen Kinder Zitha oder Napoleon. Die Menschen sollen gleich wissen, welchen Wesen sie mit Groll, Missachtung, Spott und Misshandlung begegnen.

Grobheit

Die Wortwahl ist grob, wobei sich Grobheit und Subtiles ein Wechselspiel liefern, ebenso bitterböse Kälte und die Sehnsucht nach Herzlichkeit.
Der Wahn des Aberglaubens, die Allgegenwärtigkeit des Teufels, der Schmerz, der wie mit einem Messer an den Knochen von Wrga schabt. Lenz will in einem Traum die Anweisung erhalten haben, die hässliche Magd zu heiraten. Das Schicksal schenkt den beiden eine engelsgleiche Tochter, ihr wird das Wechselbälgchen beim Spielen im Bach das Leben retten. Dem Pfarrer soll beim gnadenhalber gegönnten Begräbnis von seiner Ansprache allein dieser Satz bleiben: „Es hat Zitha geheißen, und es hat sein Leben für das Schwesterchen gegeben.“

Autodidaktin

Die Sprache Lavants, als Schreiberin wie Leserin Autodidaktin, verblüfft den Besucher, weiß er, dass sie selbst schwere Krankheit durchmacht, in furchtbarer Armut aufwächst. Ihre Erzählung färbt Autobiographisches, sie malt präzise, eindringlich, knallhart. „Die Zeit ging an unserem Dorf vorüber, als wäre sie für sie gar nicht da.“ Dazu folkloristische Klänge, bedrohlich leise aus dem Off strömend, das Publikum seiner Gänsehaut überlassend. Und dem Pfefferbüchschen und Teufelspüppchen, Spielzeuge des Wechselbalgs.

Termine

50 Jahre nach Verfassung der Erzählung „Das Wechselbälgchen“ kam es erst zu einer Veröffentlichung. Heute zählt Christine Lavant, geboren 1915 in Kärnten, zu den größten Schriftstellern des 20. Jahrhunderts im deutsch-
sprachigen Raum.
Der nach ihr benannte Preis für Autoren wird nur an besondere
Dichter verliehen,
steht laut THEO-Chef Peter Faßhuber über dem Bachmann-Preis.
„Das Wechselbälgchen“ in Oberzeiring: 23., 25. Mai, 2., 5., 9. Juni, jeweils 20 Uhr. Spiel, Regie, Raum: Sigrid Sattler, Christian Elgner, Produktionsleitung: Julia Faßhuber, Technik: Mike Traussnigg.
Information: Tel. (03571) 200 43

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