Lernen mit dem RoboterNur das Beste ist für Lehrlinge gut genug

Die Knittelfelder Berufsschule punktet mit modernstem Labor für Automatisierungstechnik und neuer Fünf-Achsen-Fräsmaschine. In Summe wurden 350.000 Euro investiert.

Lehrlinge werden in Knittelfeld an modernsten Geräten ausgebildet © Ute Groß
 

Gar „Gänsehautfaktor“ verspürte der steirische Wirtschaftskammerpräsident Josef Herk bei der Eröffnung von zwei neuen technischen Einrichtungen in der Landesberufsschule Knittelfeld. Unter die Haut ging ihm der Auftritt der grandiosen Schulband, die sich zum Auftakt den Tote-Hosen-Song „Tage wie diese“ ausgesucht hatte. Von der Bühne zum Präsidenten übergesprungen ist „die Leidenschaft, die braucht es auch für die Lehre“.
Unübersehbare Zeichen dieser Leidenschaft sind die Fünf-Achsen-Fräsmaschine und ein Labor für Automatisierungstechnik um insgesamt 350.000 Euro, die das Land investierte. „Der Wandel treibt uns an“, erklärte Bildungslandesrätin Ursula Lackner (SPÖ), „neue Elemente in der Ausbildung sind unabdingbar“.

"Spielzeug" für Erwachsene

Herzstück der Automatisierungstechnik ist nun ein modulares Produktionssystem, das Direktor Gerhard Waidacher „an Fischer-Technik für Erwachsene“ erinnert. In der Tat: Mit der Anlage wird roboterunterstützt ein kompletter Produktionsablauf simuliert, von der Anlieferung des Rohstoffes über die Fertigung bis hin zur Versand- und Transportlogistik. Aufbau und Konzeption sind ident mit echten Industrieanlagen. Die Lehrlinge werden mit automatisierter Fertigung vertraut gemacht und erhalten eine praxisbezogene Einführung in die Grundlagen der Robotik, in Programmierung und Handhabung.
Zweite Neuerung ist eine Fünf-Achsen-Fräsmaschine, auf die sich 3D-Modelle, Arbeitspläne und fertige CNC-Programme direkt übertragen und bearbeiten lassen. Eine praktische Auswirkung ist, dass Konstruktionsbüros nicht mehr vor Ort angesiedelt sein müssen, sondern von jedem Standort aus Pläne zur Bearbeitung übertragen können. Die Maschine ermöglicht die Simultanbearbeitung von Werkstücken, in einem Schritt können komplexe Formen, etwa für den Maschinenbau, erzeugt werden.

Mangelware

„Von diesen Innovationen profitieren nicht nur Lehrlinge, sondern auch Betriebe. Sie bekommen Mitarbeiter, die mit dem neuesten Stand der Technik vertraut sind und den Ansprüchen von Industrie 4.0 gerecht werden“, ist Waidacher überzeugt. Viele Betriebe könnten ihren Lehrlingen diese teure Technik nicht anbieten, die Berufsschule sei wichtige Ergänzung. Der Standort Knittelfeld zähle nun zu den modernsten in ganz Österreich.
Herk verwies einmal mehr auf den Stellenwert der dualen Ausbildung, „wir haben jetzt sogar eine Anfrage aus Serbien, wo dieses Modell etabliert werden soll“. Und an die Schüler gerichtet: „Ihr seid die größte Mangelware“, denn die Wirtschaft suche händeringend Facharbeiter.
Gefeiert wurde gestern mit Pomp, Trara, Enthusiasmus und vielen Ehrengästen. „Das zeigt die große Resonanz der Schule in der Region“, so Lackner.

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