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Denkmalschutz

Ein Bauer kämpft gegen den Denkmalschutz

Der „Himmelreichbauer“ in Turnau, nahe dem Pogusch, steht unter Denkmalschutz. Die Eigentümer sehen darin eine Wertminderung und wehren sich heftig dagegen – erfolglos. Von Franz Pototschnig

Johann Weißenbacher vulgo Fürstner mit Gattin Franziska, Tochter Huberta und Enkelin Theresa vor dem geschützten Bauernhaus, das als „Himmelreichbauer“ eine beliebte Jausenstation ist
Johann Weißenbacher vulgo Fürstner mit Gattin Franziska, Tochter Huberta und Enkelin Theresa vor dem geschützten Bauernhaus, das als „Himmelreichbauer“ eine beliebte Jausenstation ist © Franz Pototschnig
 

Der Hof von Johann Weißenbacher vulgo Fürstner liegt unweit des Pogusch und ist in seiner Substanz an die 500 Jahre alt. Als „Himmelreichbauer“ ist der Hof eine beliebte Jausenstation auf dem Bründlweg.

Vor vier Jahren wurde bei einem Hagelunwetter das alte Schindeldach stark beschädigt. Die Familie stellte das Dach in seiner ursprünglichen Form mit Holzschindeln wieder her und suchte beim Land um eine Förderung an: „Bald danach kamen Leute vom Denkmalschutz, fotografierten das Haus, die Brunnhütte, den Troadkasten, das Bienenhaus, die Holzhütte und alle Gebäude“, erzählt Fürstner.

Es dauerte nicht lange, und der Familie wurde in einem Schreiben mitgeteilt, dass ihr gesamtes Anwesen unter Denkmalschutz gestellt worden sei – außer der Garage, die neu gebaut wurde. Das ärgert den Himmelreichbauern: „Ich muss jetzt bei jeder Veränderung um Erlaubnis fragen – und das im eigenen Haus!“

Das Gegengutachten

Was ihn besonders stört: „Der Denkmalschutz steht auch im Grundbuch, ohne dass man uns gefragt hat.“ Fürstner fürchtet, dass der Denkmalschutz nicht nur jede Reparatur und jeden Umbau verteuert, sondern auch das Objekt entwertet.

Die Familie Weißenbacher hat zwar nicht vor, etwas zu verändern oder gar das Haus zu verkaufen, sie hat trotzdem gegen den Bescheid berufen. Johann Weißenbacher hat ein „Gegengutachten“ erstellen lassen, das aber auch zum Schluss kam, dass der Bergbauernhof wegen seiner Unversehrtheit schützenswert sei. Auch beim Bundesverwaltungsgericht ist er abgeblitzt.

Unverständlich

Für Christian Brugger, den Leiter der Abteilung Steiermark des Bundesdenkmalamts, ist dieser Aufwand unverständlich: „Die Familie Weißenbacher will ja gar nichts verändern. Sie will das Gleiche wie wir: ihren Hof im Erscheinungsbild erhalten.“

Der Hof wurde laut Brugger unter Denkmalschutz gestellt, weil es kaum Beispiele eines steirischen „Haufenhofs“ gibt, die als Ensemble so gut erhalten sind: „Andere sind stolz darauf, aber die Familie Weißenbacher sieht uns leider als Gegner und nicht als Partner“, bedauert Brugger.
Dass der Denkmalschutz im Grundbuch verankert ist, sei kein Eingriff in die Eigentumsrechte, sondern lediglich eine Absicherung des Denkmalschutzes über einen Verkauf hinaus. Eine Wertminderung müsse der Denkmalschutz nicht bedeuten, „aber es gibt Investoren, die so ein Objekt verwerten wollen, davor muss es geschützt werden“, sagt er. Die Ängste der Familie seien aber völlig unbegründet, betont Brugger: „Wer je mit uns gearbeitet hat, weiß, dass wir keine Unmenschen sind.“

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