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Nach der Uni wurde sie zur Schneiderin

Erst das Studium, dann die Lehre: Gerda Ziegler aus Etmißl ist studierte Volkskundlerin und Kunsthistorikerin - und seit Kurzem ist die 32-Jährige auch Schneidermeisterin.

© Tomaschek
 

Gerda Ziegler aus Etmißl hat einen ungewöhnlichen beruflichen Werdegang. Während andere nach einer Lehre über die Berufsreifeprüfung zu studieren beginnen, ist die 32-Jährige den umgekehrten Weg gegangen. Sie hat nach der Matura Volkskunde und Kunstgeschichte an der Karl-Franzens-Universität in Graz studiert und kürzlich die Meisterprüfung im Schneiderhandwerk absolviert.

"Ich habe mit meinem Studium nie den richtigen Job gefunden, einen, der mich gefordert und befriedigt hätte", sagt Ziegler. Jahrelang hat sie im Universalmuseum Joanneum gearbeitet, daneben auch andere Tätigkeiten ausgeübt. "Aber dann habe ich beschlossen, ich will ein Handwerk erlernen. Und das Schneidern hat gut zum Betrieb meiner Eltern gepasst."

Andrea und Peter Ziegler, Gerdas Eltern, betreiben in Etmißl ein Trachtengeschäft, einen Lebensmittelladen und eine Tankstelle. "Mein Ururgroßvater hat 1866 in Königgrätz gegen die Preußen gekämpft, verlor ein Bein und konnte seinen Beruf als Holzknecht nicht mehr ausüben", weiß Gerda Ziegler. Daher hat er vor 135 Jahren die "Krämerkeusche" in Etmißl erworben, seither führt die Familie den Betrieb. "Und Dirndlstoffe wurden dort schon damals verkauft", sagt die Ururenkelin des Gründers.

Neuland betreten

Mit dem Schneiderhandwerk betritt Gerda Ziegler dennoch Neuland in ihrer Familie: "Meine Vorfahren waren allesamt Kaufleute und keine Schneider. Ich habe vor Beginn meiner Lehre nicht mehr als einen Polster genäht. So gesehen bin ich ins kalte Wasser gesprungen." Am Anfang war das Nähen für sie dementsprechend Schwerarbeit. "Aber ich habe ein Ziel vor Augen gehabt, habe alles andere ausgeblendet und Tag und Nacht genäht." Heute kann sich Gerda Ziegler nicht mehr vorstellen, ohne Nähmaschine zu leben. "Aber zunächst war das eine Hassliebe", gibt sie zu.

Derzeit lernt Ziegler für die Unternehmerprüfung, dann wird sie eines Tages wohl den elterlichen Betrieb übernehmen - in fünfter Generation. "Die Schneiderei ist so gesehen auch eine Rückkehr zu meinen Wurzeln. Ich habe letztlich einen Beruf gesucht, den ich am Land, in meinem Heimatort ausüben kann. Mit meinem Studium, das ich keineswegs bereue, war das nicht möglich."

Anderen Freude machen

Überwältigt war Gerda Ziegler vom positiven Echo in ihrem Bekannten- und Freundeskreis. "Allein auf Facebook haben mir rund 200 Leute zu meinem Schritt gratuliert." Das ist eine Motivation für Ziegler. Die zweite Motivation kommt von den Kunden: "Das Schöne an der Schneiderei ist auch, dass man anderen eine Freude machen kann."

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