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Spitalsreform

Telefonarzt für Mariazell und Eisenerz

Der "steirische Gesundheitsplan 2035" wurde erstmals breiter besprochen. Für Mariazell und Eisenerz, wo Ärztenot herrscht, wird ab Herbst ein "Telefonarzt" eingesetzt. Schließungen waren kein Thema - noch. Von Thomas Rossacher

Dialog über Gesundheitsplan ging los
Dialog über Gesundheitsplan ging los © GFS/Schiffer
 

Dialogtag auf der Grazer Messe - Gesundheitslandesrat Christopher Drexler stellte am Mittwoch erstmals den "steirischen Gesundheitsplan 2035" in Grundzügen vor. "Wir wollen, dass die Steirer gesünder sind und älter werden als der Rest der Welt", meinte Drexler. Es müsse daher eine tiefgreifende Reform geben. Aber, so der Gesundheitslandesrat, es würden mehr als drei Spitäler übrig bleiben. Launiger Nachsatz: "Wir wollen ja wiedergewählt werden."

Gründe für die Reform gibt es viele - einer lautet: Allein durch das strengere Ärztearbeitszeitgesetz benötigt die steirische Spitalsgesellschaft Kages 2021 um 550 Ärzte mehr. Die sind aber nicht am Markt, die Spitalsambulanzen jetzt schon ausgelastet.

Krank? Ruf an

Daher soll ein dreistufiger Plan ausgerollt werden: In Zukunft kann der Erstkontakt über eine Telefonnummer erfolgen: Dort vermitteln Ärzte an Primärversorgungs-zentren, die in allen Regionen installiert werden müssen, weiter.
Darüber hinaus soll es zusätzliche Facharztangebote gebeten - bis zum Zentrum mit Betten. Am Ende der Versorgungskette stehen die Kliniken und Spitäler.

Telefonarzt für Mariazell & Eisenerz

Der erste Pilot so einer Primärversorgung entsteht ab Herbst 2016 in Mariazell und Eisenerz, wo bekanntlich die Gesundheitsversorgung bescheiden ist.

Ausweg? Im Kern geht es darum, dass ein "Telefonarzt" (über die Nummer 141) erste Anlaufstelle in den Randzeiten (werktags am Abend und ab Freitagmittag) ist. Dieser vermittelt dann an örtliche Ärzte oder - verstärkt - an Visitenärzte (fahren zu den Patienten). Man hat die Sprengel erweitert, weshalb der Kreis der Mediziner, die einspringen könn(t)en, größer wird.
Nichts ändern wird sich bei Notfällen: Notruf und die  Rettung fährt los.

Die Schließung des LKH Eisenerz oder der verbliebenen Einheit in Mariazell waren am Dialogtag kein Thema. Die Primärversorgung soll erst eingerichtet werden und gute Dienste leisten, bevor "die Infrastruktur Zug um Zug angepasst wird", formulierte es Drexler.

Regionaldialoge sind ab Herbst vorgesehen, über strittige Punkte soll die Politik erst im Frühjahr 2017 entscheiden - aber die Reform ist ja ohnehin bis 2035 angelegt.

Peripherie und Sorgen

Wichtig sei, so Verena Nussbaum, Obfrau der Steiermärkischen Gebietskrankenkasse: "Die Versorgung ist auch an der Periphere sicherzustellen", betonte sie.
Die Primärversorgungszentren müssten mindestens 50 Stunden geöffnet haben und auch am Samstag erreichbar sein. Bei allem Reformeifer dürfe aber auch die Präventionsarbeit nicht vergessen werden. 

Auf das subjektive Empfinden der Steirer ging SPÖ-Landesrätin Ursula Lackner in ihrer Rede ein: Die Steirer müssten sich auch gut versorgt fühlen. Einige seien verunsichert

Auch Martin Auer, er ist Sektionschef im Gesundheits-Ministerium, verschwieg nicht: "Die Primärversorgung funktioniert nicht mehr optimal."

"Wir sind zu Reformen bereit", meinte auch Ärztekammer-Präsident Herwig Lindner, dem es ein Anliegen ist, dass die Hausärzte Fixbestandteil der Primärversorgung bleiben. 

Damit hatte AK-Präsident Josef Pesserl - in seiner alten Funktion als GKK-Chef häufig "Feindbild" der Ärzte - kein Problem. "So lange wir über Versorgungs- und nicht bloß über Geschäftsmodelle reden", ätzte er.

Für Josef Probst vom Hauptverband führt kein Weg an Ärzteteams und neuen Versorgungsformen vorbei. So startet ab nächstem Jahr ein Pilotversuch in Niederösterreich und Vorarlberg ("TeWeb"), wo ebenso Telefonärzte den Patienten helfen. Später soll dies auch online erfolgen.  

Weniger Spitäler und Betten

Die heiklen Details aus diversen Reformplänen wurden  bereits von der Kleinen Zeitung enthüllt: etwa die Spitäler- und Bettenreduktion, die neuen Facharztzentren, die bis zu 100 Primärversorgungseinheiten und mehr.

Beim "steirischen Gesundheitsplan 2035" in der Grazer Messe dabei waren auch WK-Boss Josef Herk ("Gesundheitsberufe nicht vergessen"), IV-Präsident Jochen Pildner-Steinburg ("Reform sollte schneller gehen") und Patienten-Obfrau Renate Skledar. Aus ihrer Sicht sei es längst an der Zeit, dass die Patienten vernünftig durch das System gelotst werden. Der Erfolg der Reform werde davon abhängen, ob sie als reine Spaßmaßnahme oder Verbesserung empfunden werde.

"Die Sehnsucht nach Veränderung ist groß", scherzte der Spitalslandesrat am Ende. Ab Herbst wird darüber auch regional informiert und debattiert. 

Netzwerk für Murau

Inzwischen nehmen andere Projekte Form an: Das Ärzte-Netzwerk "StyriaMed.Net" – Ärzte und Spitäler vernetzen sich besser, um Patienten zielführend durch das System zu lotsen – lässt mit einem bundesländer-übergreifenden Projekt aufhorchen: In Murau wird ein regionales Ärzte- und Gesundheitsnetzwerk gegründet.

Neben 20 niedergelassenen Ärzten arbeiten das LKH Stolzalpe und das Krankenhaus Friesach in Kärnten zusammen. Solche Projekte sind auch im Rahmen der Landesreform geplant (Hartberg/Oberwart). "Damit haben wir das erste Netzwerk im Gesundheitsbereich geschaffen, das Bundesländergrenzen überschreitet", so Lindner.

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Danke für Ihr Verständnis.

argus13
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Ich wünsche alle den obigen "Gesundheitsexperten", dass sie auch im LKH GRaz/EBA wie ich mit großen Schmerzen (Infusionen inkl.Morphium)trotz Zusatzversicherung 10 Stunden am Gang liegen bis sie ein Zimmer bekommen und dann insgesamt 17 Stunden auf die OP warten müssen, weil kein Anästhesist vorhanden war! Da hilft natürlich laut Hr. Drexler ein Telefonat! Bravo! Das bettenlose Spital! Von der Gewerkschafterin Nussbaum erwarte ich, dass sie auch 50 Stunden arbeitet! Die Spitalsambulanzen sperren zu und die Ärzteplanstellen werden weniger- wie soll das gehen?

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pelei
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Wer diese Gegend kennt

fragt sich wIE die Menschen im Winter zB. schnell ins LKH Leoben kommen. Es gibt Zeiten wo man nicht mehr über den Präbichl kommt. Das GLEICHE Maria Zell nach Bruck.Die Anfahrtswege ins LKH Leoben/Bruck wenn beim Patienten. Lebensgefahr besteht oder bei Geburten. Politiker denkt auch mal daran. Könnt ihr es mit eurem Gewissen vereinbaren für Menschenleben verantwortlich zu sein.

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luzazul
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richtig, daher brauchen wir dringend

eine Geburtenstation in Eisenerz.

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Miraculix11
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Wer braucht am Land einen Telefonarzt

der einen an örtliche Ärzte vermittelt? Die Leute am Land kennen alle Ärzte der Umgebung, gerade wenn die Lage so exponiert ist wie in Mariazell oder Eisenerz und die Anzahl der Ärzte bescheiden ist.

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luzazul
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es zwingt Dich ja keiner

den TA anzurufen.

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bitteichweisswas
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Mir wird schlecht wenn ich daran denke, mit welchen "unaufschiebbaren Notfällen" manche Leute am Wochenende und Abend die Krankenhausambulanzen stürmen ...

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dolinenfuzzy
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ja

die kenne ich auch

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allesraus
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Die Ärzteschaft

Soll laut Nussbaum 50 (!) arbeiten...! Wie lange lassen sich das die Ärzte das alles noch gefallenen? Wer höchst mögliche Versorgung will wird dafür tief in die Tasche greifen müssen. Gesundheit OHNE Ärzte geht nicht zusammen - die Ärzteschaft will nicht der Fußabstreifer der Sozialversicherung sein. Wir können unsere Leistungen an den Patienten auch wie die Rechtsanwälte an ihren Klienten abrechnen.
Das System zwingt uns dazu. Gesundheitsleistungen kann es nicht zum quasi Nulltarif geben.

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935qvghmmfvnm4g8t4fc3h9128k1juub
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Telefoarzt? Der sagt wie man sich selbst versorgen soll?

Na hoffentlich ist da nicht eine Warteschleife wie selbst schon bei Notrufen vorgekommen sein soll.ö

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Juli1030
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Für das

hat Hr Landesrat ein volles Jahr gebraucht. Einen Telefonarzt ....... Super vielleicht soll er eine Internetplattform gründen, damit sich die Erkrankten gegenseitig austauschen können. Den gemeinsames Leid ist halbes Leid. Und für diese Leistungen wollen diese Menschen wieder gewählt werden

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Ichweissetwas
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Das wird wieder Aufregung geben, die neuen Pläne,

Angst wäre besser, denn nichts wird zum Thema Gesundheit in der Steiermark besser! Die kochen sich ihr Süppchen ohne das Volk, wie immer!!

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Maschanska
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Wieder eine Chance für Christopher Drexler ...

... seine Beliebtheit zu steigern(?). Blitzgenialer Mensch mit einer Anziehung für Themen, mit denen wirklich nix zu gewinnen ist ...

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Buero
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Genau

aber das wäre eben eine verantwortungsvolle Politik. Deshalb ist Drexler - sympathisch oder weniger sympathisch - ein Lichtblick.
Meine Unterstützung haben solche Politiker jedenfalls, egal welcher Partei sie angehören. Und das ist auch die einzige Waffe gegen Populisten, die Null Arbeit machen, aber das Land spalten. Und: Die Patientinnen und Patienten brauchen kein ausgemergeltes, mit Personalnöten kämpfendes Pseudospital vor der Haustüre, sondern eine medizinische Versorgung auf höchstem Niveau in erreichbarere Nähe. Und das ist zumindest die Entfernung Mureck-Shopping City Seiersberg. Da fahren die Leute ja auch hin!

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Buero
6
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Noch was

Ist schon einige Zeit her: Politiker 1 aus dem Mürztal kämpft mit wehenden Fahnen und medial geräuschvoll für den Erhalt der Chirurgie am LKH Mürzzuschlag. Politiker 2 geht ins LKH Bruck und trifft Politiker 1. Als Patient. "Jo sog, was mochst denn du do?" - Politiker 1: "Mi haben`s operiert". Poltiker 2: "Na du bist ma ana, in der Zeitung kämpfst für das LK Mürzzuschlag, du sleber gehst in LKH Bruck ..." OHNE WORTE.

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